14.09.2020 - 18:30 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Land in seiner künstlerischen Vielfalt im Oberpfälzer Künstlerhaus erleben

Mit Corona-geschuldeter Verspätung startet das Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf-Fronberg ins Ausstellungsjahr. "LandErleben" heißt die Schau, die die Neuerwerbungen des Bezirks Oberpfalz und Objekte aus dessen Sammlung präsentiert.

Noch bis 25. Oktober ist die Ausstellung „LandErleben“ in Schwandorf zu sehen.
von Irma Held Kontakt Profil

Es ist das erste Ausstellungs-Projekt der neuen Leiterin Christina Lanzl, Sie spricht mit Oberpfalz-Medien über die neuen Arbeiten, die der Bezirk erworben hat, und der Konzeption von "LandErleben". Die Ausstellung in der Kebbel-Villa wurde am Sonntag eröffnet.

ONETZ: Was darf sich der Besucher unter "LandErleben" vorstellen?

Christina Lanzl: LandErleben stellt die Verbindung her zwischen Landschaften der Oberpfalz und einer visuellen Interpretation durch Künstler aus der Region. Zu sehen sind in den Galerien auf drei Etagen Werke aller Kunstgenres, darunter Malerei, Grafik, Fotografie, Plastik und Installation. Wir zeigen insgesamt 55 „Landschaften“ aus den Sammlungen des Bezirks Oberpfalz, inklusive der Neuerwerbungen. Bereits 1967 begann der Bezirk Oberpfalz mit dem ersten Ankauf diese Art der regionalen Kunstförderung. Es macht Sinn, dass Schwandorf als geografischer Mittelpunkt der Oberpfalz für den Bezirk als Partner und Depot aktiv ist. Die Sammlung wird jährlich in unterschiedlicher Auswahl präsentiert, wobei sie dieses Jahr zum ersten Mal unter einem inhaltlichen Schwerpunkt vorgestellt wird. Neu ist außerdem die Kooperation mit dem Oberpfälzer Kulturbund.

ONETZ: Wie ist die Ausstellung konzipiert?

Alle 55 Arbeiten geben Einblick in die Art und Weise, wie wir – und das künstlerische Auge – unsere Landschaft erfahren. Spannend ist natürlich immer der erste Blick auf die Neuerwerbungen. Dieses Jahr konnten wir mit viel Geschick gleich sieben Fotografien und Bilder erwerben, geschaffen von Miriam Ferstl, Harry Meyer, Nico Sawatzki und Olaf Unverzart. Bei der Auswahl nutzten wir die Stärken der Sammlung, wobei 27 Werke aus dem Depot des Oberpfälzer Künstlerhauses mit 21 Arbeiten kombiniert wurden, die in der Regensburger Bezirksverwaltung beheimatet sind. Letztere werden erstmals in Schwandorf ausgestellt, darunter bereits verstorbene Künstler des 20. Jahrhunderts, wie Herbert Molwitz, Ludwig Steininger, Kurt von Unruh oder Hannes Weikert. Die Exponate gliederten wir in sechs Themenkreise, die sich bei der Durchsicht ergaben: Naturlandschaften, Kulturlandschaften – die größte Gruppe, Phantastische Landschaften, Dorf und Stadt, Imaginierte Landschaft als auch kritische Darstellungen der inzwischen bedrohten Natur.

Ein Vorgeschmack auf die Ausstellung

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ONETZ: In den Mittelpunkt rücken die Neuerwerbungen. Können Sie die Anschaffungen kurz skizzieren?

Die sieben neuen Werke von Miriam Ferstl, Harry Meyer, Nico Sawatzki und Olaf Unverzart sind grundverschiedenen Kunstrichtungen zuzuordnen. Dies fördert die Intension, auf lange Sicht eine Sammlung mit großer Bandbreite zu schaffen. Die jüngste Künstlerin im diesjährigen Ankauf ist Miriam Ferstl, geboren 1986 in Oberviechtach. Ihr künstlerischer Werdegang beinhaltet das Studium und Jahre der Berufserfahrung als Dramaturgin, Redakteurin, Autorin, Darstellerin im Theater und beim Film. In der Serie Lichtzellen / Divine Light richtete sie den Blick der Kamera nach oben, wo sie einzigartige „Deckenlandschaften“ vorfand. Entstanden ist eine sehr poetische und originelle Gruppe von quadratischen Fotografien, die die individuell gestalteten Kronleuchter von Kirchen in Kroatien erfassen. Die abgebildeten Objekte beschwören viele Assoziationen, zum Beispiel Schneekristalle, Kronen oder – auch sehr zeitgemäß – Viren…
Die Fotografie ist für die Sammlung ein wichtiges Medium. Der 1972 im Landkreis Cham geborene Künstler Olaf Unverzart hat bereits wichtige Kataloge veröffentlicht, unter anderem. bei dem renommierten internationalen Kunstverlag Prestel. Der erfolgreiche Fotograf kehrt immer wieder gerne zum elterlichen Anwesen zurück, wo er auf witzige und eindrückliche Weise die regionale Land(wirt)schaft dokumentiert. Er nimmt damit Bezug auf die grundlegenden Ressourcen der Oberpfalz. Die drei Fotografien in der Bezirkssammlung aus der Serie 987 zeigen Brennholzstapel, eine farbenfrohe Rohrkonstruktion für Odel vor einer Scheunenwand sowie große Silos, die wie Türme, mit Holzschindeln verkleidet, in den Himmel ragen. 987 ist seit seiner Kindheit die Telefonnummer seines Elternhauses.
Spannend ist Konzentrativ, eine große Arbeit aus Sprühlack und Acryl auf Leinwand. Geschaffen wurde sie von dem jungen Regensburger Autodidakten Nico Sawatzki. Jahrelang war er als Streetart und Graffiti Künstler aktiv, stieg aber dann auf die Leinwand um, wo er sich auf höchstem Niveau weiterentwickelte. Seine monochromen architektonischen Gebilde zeigen eine enorme Tiefenwirkung und sind deshalb auch für Architekten sehr interessant. Fakt ist, dass er bereits mehrmals zur Teilnahme an Kunst-am-Bau-Projekten eingeladen wurde.
Harry Meyer, geboren 1960 in Neumarkt, lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Augsburg, wo er seine markante HIBERNA-Serie als mehrere Zentimeter dicke Ölbilder auf Leinen malt. Der Zyklus Winter (Hiberna) zeigt Schnee- und Gletscherflächen, die in wunderschön pastösem Fließen auch in kleinem Formaten eine monumentale Wirkung zeigen.

ONETZ: Was war zuerst da? Der Titel oder die Neuerwerbungen?

Gute Frage. Nachdem die Idee einer thematischen Ausstellung geboren war, rückte im Austausch mit Volker Liedtke, dem Präsidenten des Oberpfälzer Kulturbundes, der heuer ebenfalls mit im Boot ist, und Ursula Wohlfeld, der Kunstbeauftragten des Bezirks Regensburg schnell das Thema Landschaft in den Focus. Den Titel finde ich sehr schick, weil er ganz aktuell und zeitnah ist, lesbar als Internet-Icon oder Instagram account. Damit setzen wir auch sprachlich Zeitzeichen, so wie das die Kunst jeweils in ihrem eigenen Kontext tut. Für den Einfallsreichtum bin ich dem Team der Bezirksverwaltung in Regensburg sehr dankbar.

Die Neue in der Kebbel-Villa

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ONETZ: Gibt es auch einen Katalog?

Glücklicherweise ja, sowohl in gedruckter Form als auch als PDF zum Download auf der LandErleben Ausstellungsseite unserer Homepage www.oberpfaelzer-kuenstlerhaus.de bzw. www.kebbelvilla.de. Auf 28 Seiten wird die Ausstellung, deren kunsthistorische Einordnung sowie Kurzanalysen einiger wichtiger Künstler bzw. Werke vorgenommen. Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir für die Texte zur Ausstellung den Kunsthistoriker Werner Mayer ins Boot holen konnten. Als Autor des Katalogs "Sammlung Bezirk Oberpfalz: Künstler aus der Region", erschienen 1998, kennt er viele der Künstler*innen und deren Oeuvre seit vielen Jahren. Er schrieb ein ausgezeichnetes Essay über das Kunstgenre Landschaft, in dem er die Chronologie und kunsthistorische Zusammenhänge umreißt. Ermöglicht wurden Design und Druck der kostenlosen Ausstellungsbroschüre auch durch die Unterstützung des Oberpfälzer Kulturbunds, einem langjährigen Freund des Oberpfälzer Künstlerhauses. Das nächste Projekt ist bereits in Planung.

Service:

"LandErleben"

  • Die Ausstellung "LandErleben" ist bis 25. Oktober im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf-Fronberg zu sehen.
  • Öffnungszeiten: Sonntag, 11.30 bis 17 Uhr, Di bis Donnerstag, 13 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung per Telefon 09431/9716 oder E-Mail: opf.kuenstlerhaus[at]schwandorf[dot]de
  • Eintritt: 2 Euro / ermäßigt 1,50 Euro; Sonntag Eintritt frei
  • Zutritt unter Einhalten der geltenden Hygieneregeln

Weitere Informationen:

Mit einer ungewöhnlichen Vernissage – nur mit geladenen Gästen und dem nötigen Sicherheitsabstand – wurde die neue Ausstellung von der Künstlerhausleiterin Christina Lanzl (links) eröffnet.

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