31.07.2020 - 18:21 Uhr
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So verbringt der Ministerpräsident den Urlaub

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"Ich wünsche Ihnen jetzt keine schönen Ferien!" So schickte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Abgeordneten im Landtag in die Sommerpause. Wie soll da Urlaubsstimmung aufkommen? Sind Terrassien und Balkonien heuer Pflicht?

Drei Urlauber in der Oberpfalz: Mehrfach waren in den vergangenen Wochen Ministerpräsident Markus Söder (Mitte) sowie der Finanzminister und Oberpfälzer CSU-Vorsitzende Albert Füracker (links) gemeinsam beim Radeln in der Oberpfalz. Bei dieser Tour war zudem Staatskanzleichef Florian Herrmann mit dabei. Bild: Söder/privat
von Jürgen UmlauftProfil

Für den Einstieg bietet sich die Nachfrage bei Uli Henkel (AfD) an. Der reist seit Jahren mit einem zum Expeditionsfahrzeug umgebauten Lkw durch aller Herren Länder. Heuer geht er auf Osteuropa-Tour bis nach Odessa am Schwarzen Meer. Wegen Corona hat er eine Route gewählt, "die touristisch noch nicht stark erschlossen ist". Urlaub in Deutschland sei keine Alternative gewesen, erklärt Henkel. Denn bei den vielen Heimaturlaubern hätte er wohl weder Platz für sein Fahrzeug, noch die "gewünschte Einsamkeit und Ruhe" gefunden.

Anders halten es die Oberpfälzer Abgeordneten-Kollegen: "Das Grundmotiv des Urlaubs hat die Pandemie nicht verändert", erzählt etwa Annette Karl von der SPD. Wandern in schöner Natur, bleibe weiter ihr Ziel für die Ferien. Allerdings: "Neu ist, dass die Planung momentan noch völlig flexibel ist: wenn es weiter weg gehen sollte, dann mit Unterkunft in einem Ferienhaus." Je nach Entwicklung der Coronalage kann sich Karl aber auch vorstellen, es bei einigen Tagesausflüge, in die Umgebung zu belassen. Schließlich: Auch die Oberpfalz biete attraktive Wanderrouten. "Hauptsache, viel frische Luft und Ruhe."

Frische Luft, ist auch für Harald Schwartz das wichtigste am Urlaub. Anders als Karl weiß der CSU-Abgeordnete aus Kümmersbruck dagegen genau, wo es hingeht: Mit den beiden Söhnen zum Campen und Angeln an den Chiemsee. Ganz nebenbei besucht Schwartz den Landtagskollegen Klaus Steiner. Der Abgeordnete für das Chiemgau hat ein Boot auf dem See, perfekt zum Angeln. "Meine Söhne sind da ganz heiß drauf." Der Urlaub ist zwar wie gemacht, um das Corona-Risiko gering zu halten, aber Corona sei nicht der Grund. Im Hause Schwartz wird der Urlaub fast immer sehr spontan geplant, deshalb musste auch keine Urlaubsplanung überdacht werden.

Das war bei Anna Toman ganz anders: Die Grünen-Abgeordnete aus Bärnau wäre ohne Corona gerade in Schweden unterwegs. Drei Wochen waren geplant, der Auftakt hätte ein Rammstein-Konzert am vergangenen Montag in Goetheborg bilden sollen. "Danach wollte ich einfach drei Wochen mit dem Zug/Auto durch das Land reisen, um möglichst viel zu sehen", schreibt Toman. "Das musste ich jetzt auf 2021 verschieben."

Statt in den Norden geht es für die 29-Jährige doch in den Süden: Zwei Wochen zum Freund in den Landkreis Bad Tölz. "Einfach für eine kurze Zeit keine Fernbeziehung führen." Hündin Luna freut sich auf lange Wanderungen in den Bergen. Egal wohin: Wichtig ist Toman, die heimischen vier Wände auch mal zu verlassen, "um einfach den Kopf wieder frei zu bekommen."

Seine Rundreise "downgraden" musste Fabian Mehring (Freie Wähler). Eigentlich sollte es eine große Balkanfahrt mit dem Wohnmobil werden. Weil dort aber zuletzt in vielen Ländern die Infektionszahlen stark gestiegen sind, ist er in Kroatien hängenbleiben. Schon vor Corona gebucht und Glück gehabt hat FDP-Fraktionschef Martin Hagen. Er fährt an die holländische Nordseeküste. Gerne auf Reisen ist sonst CSU-Fraktionsvize Alexander König. Doch Corona hat sich ihm auf die Reiselust geschlagen. Er habe noch keine Urlaubspläne, teilt er mit.

Dank Corona bleiben heuer Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze hämische Kommentare wohl erspart. Im klimaschädlich per Flugzeug erreichten Kalifornien Eis aus dem Plastikbecher schlecken, fällt heuer von vornherein aus. Schulze hat schon vor Corona ein Ferienhäuschen in Dänemark gebucht. Ans Mittelmeer zieht es Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher (SPD). Ein normaler Urlaub wird das aber nicht. Rinderspacher hat für sechs Wochen als Helfer auf dem Seenotrettungsschiff "Alan Kurdi" angeheuert.

Für die bayerischen Minister und Staatssekretäre gibt es in Sachen Urlaubsplanung keine Vorgaben. Doch weit weg kann es in diesem Jahr nicht gehen. Um stets aktuell auf die Corona-Entwicklung reagieren zu können, wünscht sich Söder sein Team im "Stand-by-Modus", was nach Einschätzung seines Staatskanzleiministers Florian Herrmann (CSU) bedeutet: "Das Motto des Kabinetts wird 'Urlaub in Bayern' sein." Chef Söder geht mit gutem Beispiel voran. Er plant nur einen Kurztrip an die Nordsee zum Wattwandern mit Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther (CDU). Bei der gewöhnlichen steifen Brise dort sollte das infektionsmäßig kein Problem sein.

Vor dem Urlaub gab es Noten:

Bayern
....und das machen die Bundespolitiker:

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt in Deutschland – wegen Corona. Konkreter wurde sie nicht. In den vergangenen Jahren zog es sie oft in die Südtiroler Berge.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bleibt daheim. „Ich fahre seit 25 Jahren nicht in den Urlaub, sondern bleibe in meiner Heimat, vor allem im Altmühltal“, sagte der CSU-Politiker.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagt, er habe das Glück, „da zu wohnen, wo viele Deutsche in den Urlaub hinfahren.“ Mit seiner Familie wird er die meisten Ferientage im Sauerland verbringen.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat ihre Pläne geändert: „Eigentlich wollten mein Mann und ich in Frankreich Urlaub machen. Nun bleiben wir in Deutschland und sind die meiste Zeit zuhause in Münster.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Gattin Elke Büdenbender erholen sich in den Bergen,. wie in den Vorjahren. Das genaue Ziel bleibt geheim.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) will zum Wandern. Er freue sich auch auf ein paar Tage Lesen, Ausschlafen, Joggen, Fahrradfahren. Wo, das wollte er nicht verraten.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt will zum Segeln an die Ostsee.

Außenminister Heiko Maas will sich nicht äußern. Sein Ministerium ist für Reisewarnungen zuständig. Da könne die persönliche Urlaubsplanung gewertet werden.

Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat wegen Corona und EU-Ratspräsidentschaft kaum Zeit. Wenn möglich, wolle sie einige Tage in den Dolomiten wandern.

AfD-Chef Jörg Meuthen wusste bis zuletzt nicht, wohin: „Bei mir ist alles offen“, Covid-19 habe alle ursprünglichen Pläne verworfen.

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