10.07.2020 - 12:54 Uhr
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Frauen an die Macht: Pater Adrian zum Synodalen Weg

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Die katholische Kirche diskutiert über Zölibat, Macht und Gewaltenteilung, über die Rolle der Frauen und die katholische Sexualmoral. Der Prior vom Kloster Speinshart vertritt eine klare Meinung.

Pater Adrian: "Der Obere in der Abtei ist nur der ‚Erste unter Gleichen‘ und kann durchaus überstimmt werden.Das wäre ja vielleicht auch ein Modell für die katholische Kirche“.
von Christa VoglProfil

"Um 15 Uhr bei mir im Kloster." Mit diesen Worten bestätigt Pater Adrian ganz unkonventionell den Gesprächstermin. So locker sein Ton im E-Mail, so ungezwungen und leger präsentiert er sich auch bei der Begrüßung. Pater Adrian empfängt die Besucher in Jeans und hellem Baumwollhemd, weil der Habit, wie er sagt, "im Alltag etwas unpraktisch ist".

Pater Adrian Kugler ist bereits seit 2008 einer der fünf Prämonstratenser-Chorherren im Kloster Speinshart, seit zwei Jahren ist er Prior der Gemeinschaft. Der Chef also, der Anschaffer? Pater Adrian lacht. "Nein, nein", sagt er, "so ist das nicht bei uns." Denn Orden seien anders organisiert als die übrigen Institutionen der katholischen Kirche und somit auch nicht dem Bischof des jeweiligen Bistums unterstellt, sondern direkt dem Papst. "Exemt" nennt sich diese Besonderheit.

Natürliche Verbindungen

"Aber es gibt natürlich Verbindungen mit dem Ortsbischof. Wir leben in der Diözese, wir arbeiten für den Bischof, ein gutes Verhältnis zueinander ist wichtig", sagt Pater Adrian und beginnt dann auch gleich, die besondere Struktur seines Ordens zu beschreiben.

Er erzählt, dass jedes Haus vor Ort immer über eine gewisse Unabhängigkeit verfügt, dass die Ordensgemeinschaft von demokratischen Strukturen geprägt ist, und dass es intern feste Zwischen- und Kontrollinstanzen gibt. Außerdem gelte in den Klöstern der Prämonstratenser: "Der Obere in der Abtei ist nur der 'Erste unter Gleichen' und kann durchaus auch einmal überstimmt werden." An dieser Stelle hält Pater Adrian kurz inne und fügt dann noch aufmunternd hinzu: "Das wäre ja vielleicht auch ein Modell für die gesamte katholische Kirche."

Denn obwohl seine Landpfarrei als "bodenständige Ecke" bezeichnet werden könne, sei auch hier alles im Umbruch. Woran das liegt? "Oft resignieren die Gläubigen, weil sie eh nichts ändern können", erklärt Kugler, der als Gemeindepfarrer die Pfarreien Speinshart und Schlammersdorf (Landkreis Neustadt/WN) betreut und von Gemeindemitgliedern regelmäßig mit kritischen Fragen konfrontiert wird. Letztlich, so der 50-jährige Seelsorger, trug auch die von Bischof Müller im Bistum Regensburg durchgesetzte "Laienrätereform", dazu bei. Daher hofft Pater Adrian, dass es in den verschiedenen Foren des Synodalen Wegs konkrete Beschlüsse geben wird.

Kritik am Weg

Initiiert wurde der Synodale Weg 2019 von den deutschen Bischöfen als Reaktion auf die sexuellen Missbrauchsanklagen in der katholischen Kirche. Die vier Hauptthemen: Sexualmoral, Zölibat, Machtmissbrauch und die Rolle der Frau in der Kirche. Die Haltung der deutschen Bischöfe zu diesen Themen ist äußerst unterschiedlich, es gibt dabei Skeptiker und Befürworter.

"Zumindest darf man über diese Themen jetzt wieder reden, das ist ja an sich schon großartig", sagt Pater Adrian, und in seinen Worten schwingt neben Freude auch eine Portion Sarkasmus mit.

Dass in der Kirche Reformen dringend notwendig sind, um wieder glaubwürdig zu werden, davon ist der Prior der Speinsharter fest überzeugt. Trotzdem ist er sich auch bewusst, dass der Synodale Weg nur ein kleiner Mosaikstein auf dem Weg zur Veränderung sein kann. Denn trotz allem gelte, dass "besonders strittige Themen", zu denen die Priesterweihe für Frauen, der Zölibat oder auch die Änderung der Kirchenverfassung zählen, eben nur mit dem Vatikan und mit Blick auf die Weltkirche entschieden werden können. Und nicht in Deutschland auf der Ebene des Synodalen Wegs.

Kommentar zum Synodalen Weg

Kemnath
Orden sind nicht dem Bischof des jeweiligen Bistums unterstellt, sondern direkt dem Papst. Jedes Haus verfügt über eine gewisse Unabhängigkeit - auch meinungsmäßig. Der Prior des Klosters Speinshart ist offen für die Vorschläge des Synodalen Wegs.
Streitpunkte beim Synodalen Weg:

Pater Adrian zu den einzelnen Streitpunkten

Zölibat: "Wünschenswert ist es, das Priesteramt als 'Charisma' zu sehen, also als eine geschenkte Befähigung und nicht das Priesteramt einfach an die Ehelosigkeit zu koppeln. Dann hat jeder für sich die Wahl: Bin ich zur Ehelosigkeit berufen? Möchte ich eine Familie gründen? Ich weiß nicht, warum die (die kath. Kirche/Anm. Red.) sich damit so schwer tun".Macht- und Gewaltenteilung: "Der Bischof hat in seinem Bistum die volle Gewalt, von der Form her fast wie ein Monarch. Wo ist hier eine Kontrolle möglich, wenn einer allein entscheiden kann? Wozu das führen kann, zeigt das Beispiel des früheren Limburger Bischofs. Falls ein Ergebnis des Synodalen Wegs darin besteht, dass man die Laien wieder ins Boot holt und ein Pastoralteam bildet, bei dem miteinander entschieden wird und nicht der Pfarrer oder der Bischof letztendlich entscheidet, dann würde das in die richtige Richtung gehen. Das wäre dann schon mal nicht schlecht".Rolle der Frau in der Kirche:"Die Kirche setzt sich für die Menschenwürde ein, für die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Aber in den eigenen Reihen wird dieses Ansinnen nicht konkret. Frauen in dieser Situation die Nische der Diakonin anzubieten, ist auch nicht redlich. Das ist keine Gleichberechtigung. Gleichberechtigung heißt: das Angebot gleicher Weihestufen für Männer und Frauen." Katholische Sexualmoral: "Hier klafft Wirklichkeit und Ideal weit auseinander. Sie (die kath. Kirche/Anm. Red.) nehmen die Wirklichkeit nicht wahr. Die Wirklichkeit ist, dass viele Paare bereits vor der Ehe zusammengelebt haben. Die Kirche tut sich schwer, die Humanwissenschaft, "das Menschliche" mit ins Boot zu nehmen. Schade eigentlich!"

Hintergrund:

Synodalversammlung im Zeichen von Corona

Die Synodalversammlung ist das oberste Organ des Synodalen Weges und fasst die Beschlüsse. Ihr gehören die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, 69 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter geistlicher Dienste und kirchlicher Ämter, junge Menschen und Einzelpersönlichkeiten an. Insgesamt umfasst die Synodalversammlung 230 Personen. (https://www.synodalerweg.de)

Die Corona-Pandemie bringt aber auch die Termin-Planungen der Versammlung durcheinander. Erst am 4. September tritt die Versammlung wieder zusammen - und zwar nur für acht Stunden, und zudem auch an fünf unterschiedlichen Orten. Ursprünglich waren die Treffen der Synodalversammlung jeweils für mehrere aufeinanderfolgende Tage angesetzt.

Info:

Mögliche Ergebnisse des Synodalen Weg für den Einzelnen vor Ort

Die Segnung von geschiedenen Wiederverheirateten, die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren, die Wiederaufwertung des Pfarrgemeinderats in der Diözese, die bewusste Berufung von Frauen in Leitungspositionen.

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