14.08.2019 - 14:59 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Ausgezeichneter Kulturvermittler

Als einziger Vertreter der Oberpfalz ist der Sulzbach-Rosenberger Buchhändler Ralf Volkert mit seinem Geschäft für den Deutschen Buchhandlungspreis 2019 nominiert. Wie er das geschafft hat, verrät er im Interview.

Zwischen seinen Büchern fühlt sich Ralf Volkert am wohlsten. Für sein Engagement wurde er jetzt für den deutschen Buchhandlungspreis nominiert – als einzige Buchhandlung in der Oberpfalz.
von Anke SchäferProfil

Am 2. Oktober hat Buchhändler Ralf Volkert einen offiziellen Termin in Rostock: Bereits zum zweiten Mal wird er dort aus den Händen der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, den Deutschen Buchhandlungs-Preis entgegennehmen. Mit seinem vielfältigen Angebot inklusive Lesungs-, Leseförderungs-, Kino- und Musikprogramm könnte er es passend zum 20. Geburtstag der Sulzbach-Rosenberger Institution aber auch in eine der beiden höheren Auszeichnungskategorien schaffen. Ein Gespräch.

ONETZ: Herr Volkert, wie schafft man das Kunststück, bereits zum zweiten Mal für den deutschen Buchhandlungspreis nominiert zu sein?

Ralf Volkert: Das hat ein bisschen damit zu tun, dass wir nach wie vor all das anbieten, was auch schon für die erste Auszeichnung ausschlaggebend war. Dazu haben wir jetzt noch einiges Innovative draufgesattelt. Zum Beispiel unsere Veranstaltungen mit Verlegern unabhängiger Verlage.

ONETZ: Welche Kriterien muss eine Buchhandlung dafür erfüllen?

Die Buchhandlung muss inhabergeführt sein und darf maximal eine Million Euro Jahresumsatz machen. Weitere Stichpunkte sind das angebotene Kulturprogramm für Erwachsene, die Leseförderung für Kinder und Jugendliche, existierende Kooperationen mit Kommunen und Bildungsträgern und die Sortimentszusammensetzung. Gefragt wird aber auch nach der Zusammenarbeit mit Verlagen, der Zahl der Besuche von Buchhandlungsvertretern, dem online-Auftritt und den Social Media-Aktivitäten. Wir können unter anderem mit dem Engagement im Literaturhaus Oberpfalz und beim Kultopf e.V. punkten.

ONETZ: Was bedeutet der Preis für Sie und Ihre Mitarbeiterinnen?

Es zeigt einem, dass man es richtig macht. Gerade in den schwierigen Frühjahrs- und Sommermonaten ist so eine Auszeichnung besonders willkommen. Natürlich hilft der Preis in finanzieller Hinsicht, ich habe mich aber besonders gefreut, weil es jetzt schon das zweite Mal war – das bestätigt die erste Auszeichnung. Meine Mitarbeiterinnen sind schon alle sehr stolz und haben gleich nach der Bekanntgabe einen Sekt aufgemacht. Wir hatten nicht mal Gläser da, aber die werden jetzt angeschafft.

ONETZ: Wer darf mit zur Preisverleihung nach Rostock?

Ich fahre mit meiner Frau, sie war das letzte Mal nicht mit dabei.

ONETZ: Wie groß ist die Hoffnung auf eine der weiteren Auszeichnungen?

Wer da hinfährt und diese Hoffnung nicht hat, der lügt. Ich bin völlig glücklich mit der Nominierung, ich wäre aber auch gerne bei einer der nächsthöheren Kategorien dabei. 2017 habe ich schon eine Sekunde geglaubt, eine Runde weiter zu sein – es war dann aber doch nur ein Versehen des Moderators.

ONETZ: Wie wird der Preis die Feier zum 20. Geburtstag am 9. Oktober beeinflussen?

Meine Damen haben mich zu einem Sektempfang überredet. Ich wollte ja das Jubiläum nicht so groß machen, bin jetzt aber sehr froh, dass der Buchhandlungspreis reingeflattert ist und das noch so zeitgleich! Besser hätte es nicht zusammenfallen können.

ONETZ: Wie wird es nach dem 2.Oktober weitergehen ?

Es ist eine Motivation, weiter zu machen, und es ist auch Ansporn. Man will nicht hinter den gesetzten Stand zurückfallen, man will was draus machen, sich vielleicht mehr trauen. Innerhalb der Branche steigt das Ansehen und es öffnet sich die eine oder andere Tür. Die Wiederholung hilft vielleicht auch dabei, größere und große Namen der Szene zu Lesungen nach Sulzbach-Rosenberg zu locken.

ONETZ: Wächst mit der doppelten Ehre auch der Druck?

Es wird schwierig, das noch zu toppen. Man kann ja das Veranstaltungs- und Präsentationsrad nicht neu erfinden. Aber wir können vielleicht eine Balance finden: Ich gefalle mir in der Rolle, einerseits Veranstaltungen mit berühmten Gästen anzubieten und gleichzeitig quasi das Trüffelschwein mit dem Riecher für tolle Debütanten zu sein.

ONETZ: Und mal unabhängig von Jurys und Preisen: Was macht aus Ihrer Sicht eine ausgezeichnete Buchhandlung aus?

Dass man nicht nur den Laden aufsperrt und wartet, dass Kundschaft kommt. Die Kunden sollen merken, hier haben die Leute ihr Sortiment nach bestem Wissen und Gewissen ausgewählt. Hier steckt noch Herzblut im Bücherregal, aber auch in allen Veranstaltungen und Aktivitäten. Man muss das Besondere anbieten, die Kunden überraschen, auf alle Wünsche eingehen. Nicht nur Bücher verkaufen, sondern Kultur vermitteln.

Info:

Deutscher Buchhandlungspreis

Der Deutsche Buchhandlungspreis wird zum fünften Mal von der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, verliehen. In der achtköpfigen Jury sitzen unter anderem Hanser-Verleger Jo Lendle, Dieter Kosslick, der ehemalige Intendant der Internationalen Filmfestspiele Berlin und Christiane zu Salm, Verlegerin des Nicolai-Verlags. Den Jury-Vorsitz hat Sandra Kegel, Literaturkritikerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Vergeben wird der Preis in drei Kategorien: Als Gütesiegel für bis zu 100 hervorragende Buchhandlungen, als Gütesiegel für bis zu fünf Buchhandlungen, die aus den Nominierten besonders herausragen und als Gütesiegel für die drei besten der nominierten Buchhandlungen. Zusätzlich wird ein undotiertes Gütesiegel an bis zu zehn Buchhandlungen vergeben, deren Jahresumsatz über einer Million Euro lag.

ONETZ: Kulturprogramm Buchhandlung Volkert

Freitag, 20. September, 19.30 Uhr, Textilhaus Carl Schmidt: „Das Modehaus“ - Lesung mit Julia Kröhn
Freitag, 27. September, 19.30 Uhr, Capitol: „Geschwister als Team“-Vortrag und Lesung mit Nicola Schmidt
Dienstag, 15. Oktober, 19.30 Uhr, Literaturhaus Oberpfalz: „Eine moderne Familie“-Lesung mit Helga Flatland und Übersetzerin Elke Ranzinger
Donnerstag, 7. November, 19.30 Uhr, Schulmuseum: „Von Bienen und Menschen“-Lesung mit Ulla Lachauer
Freitag, 15. November, 19.30 Uhr, Buchhandlung Volkert: „Büchermacher – der Ventil Verlag“ mit Verleger Jonas Engelmann
Mittwoch, 11. Dezember, 20 Uhr, Capitol: Robert Forster – Inferno Tour

www.buchhandlung-volkert.de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.