13.11.2019 - 14:21 Uhr
Sulzbach-RosenbergDeutschland & Welt

Hort der Sub- und Popkultur

Der Mainzer Ventil-Verlag stellt sich in der Buchhandlung Volkert vor

Ventil-Verleger Jonas Engelmann
von Anke SchäferProfil

Dass Verlagsmenschen spannende Gäste sind, beweist die Buchhandlung Volkert seit Jahren. Den Büchermacher-Abend im Jubiläumsjahr bestreitet am Freitag, 15. November Jonas Engelmann vom „Ventil Verlag“. Und da sowohl Verlag als auch Buchhandlung in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiern und mit Preisen geehrt wurden, gibt es Einiges zu erzählen über die gemeinsame Leidenschaft für das Besondere. Die Kulturredaktion hat bei Jonas Engelmann nachgefragt:

ONETZ: Herr Engelmann, wie kommt der Ventil Verlag zu seinem außergewöhnlichen Namen?

Jonas Engelmann: Durch Zufall. Bevor der Verlag sich gegründet hat, hatte ein Teil der späteren Verlagscrew eine Literaturzeitschrift namens „Ventile“, die Anfang bis Mitte der Neunziger erschienen ist, neben dem Magazin „testcard – Beiträge zur Popgeschichte“, das ein anderer Teil des späteren Verlags herausgegeben hat und das bis heute erscheint. Die Literaturzeitschrift hat dann den Verlagsnamen inspiriert, der erschien passend, da der Verlag ja unser Ventil für unsere Themen und Gedanken war.

ONETZ: Ihr Sortiment beinhaltet ebenfalls einiges Außergewöhnliches. Wie haben sich Ihre diversen Verlagsschwerpunkten herauskristallisiert?

Die Gründer des Verlags sind alle subkulturell geprägt, vor allem die Ideale von Punk – „Do It Yourself“, sich Dinge aneignen und einfach mal ausprobieren – waren entscheidend. Und das hat sich dann auch im Programm niedergeschlagen, wo ja ein bis heute wichtiger Schwerpunkt Bücher über Sub- und Popkultur ist, daneben Bücher, Romane, von Menschen aus der Szene. Ein anderer Schwerpunkt, der uns heute die Miete zahlt, sind vegane und vegetarische Kochbücher, die bei uns seit Verlagsgründung erscheinen und auch ihren Ursprung in der politischen Punk- und Hardcoreszene haben, wo Vegetarismus und Veganismus schon ein wichtiges Thema waren, bevor es im Mainstream angekommen ist.

ONETZ: Ihr Verlag hat im Mai seinen 20. Geburtstag gefeiert. An welche Höhepunkte aus den letzten beiden Jahrzehnten erinnern Sie sich besonders gerne?

Ich selbst war bei der Gründung nicht dabei, bin erst 2006 eingestiegen – in einen Verlag, den ich schon verfolge, seit ich 16 bin. Daher war es natürlich ein ganz persönlicher Höhepunkt, das erste Buch, an dem ich mitgewirkt habe, in den Händen zu halten. Danach gibt es viele Höhepunkte: Bücher von Autorinnen und Autoren, die man sehr schätzt, für wichtig erachtet, oder die international eine wichtige Stimme in der Popkultur sind. Kleine und größere Preise und Auszeichnungen für Autoren oder auch kleine und aktuell auch – zumindest für unsere Verhältnisse – größere Bestseller.

ONETZ: Sie zählen auch zu den Preisträgern des ersten Deutschen Verlagspreises – was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Zunächst einmal eine Anerkennung von 20 Jahren kontinuierlicher Arbeit, bei der niemand wissen will, wo der Stundenlohn läge, hätte man ihn sich denn überhaupt immer auszahlen können. Eine Anerkennung also der problematische Lage kleiner Verlage, die jedes Jahr aufs Neue um die Existenz kämpfen müssen. Und nicht zuletzt eine Anerkennung dessen, beharrlich Jahr um Jahr das eigene Nischenprogramm gepflegt zu haben, ohne sich an Trends oder Publikumserwartungen anzupassen.

ONETZ: Können solche Preise überhaupt hilfreich sein im täglichen Überlebenskampf ?

Solche Preise sind selbstverständlich nur eine punktuelle Unterstützung, die zwar aktuell hilft, ein oder zwei Projekte abzusichern, aber nicht dem Verlag als Ganzes eine strukturelle Hilfe ist. Aber es ist ein Anfang, der zumindest politisch anerkennt, dass irgendeine Form von Unterstützung für die kulturelle Vielfalt notwendig geworden ist. Wir hoffen, dass das mit dem Preis verbundene Gütesiegel womöglich eine zusätzliche Hilfe sein kann, etwa wenn es darum geht, Fördergelder für Projekte zu bekommen, Übersetzungsstipendien und ähnliches.

ONETZ: Die Buchhandlung Volkert, bei der Sie am 15. November zu Gast sind, feiert dieses Jahr ebenfalls 20. Geburtstag, fühlt sich auch eher abseits des Massengeschäfts wohl und hat vor kurzem zum zweiten Mal den Deutschen Buchhandlungspreis erhalten – haben sich da Zwei gesucht und gefunden?

Definitiv – und das nicht zum ersten Mal. Vor drei Jahren war ich schon einmal mit einem Buch in Sulzbach-Rosenberg von der Buchhandlung eingeladen – damals ging es um die Punkgeschichte – und habe damals schon gemerkt, dass es inhaltlich wie persönlich sehr viele Überscheidungen und Sympathien gibt.

Info:

Service

Der Büchermacher-Abend mit dem Ventil Verlag findet in der Buchhandlung Volkert statt und beginnt um 19.30 Uhr. Karten bei der Buchhandlung Volkert, Telefon 09661/812373.

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