22.04.2021 - 18:11 Uhr
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Corona-Studie Tirschenreuth: Raucher sollen nicht die falschen Schlüsse ziehen

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Im Kreis Tirschenreuth haben laut einer Studie Raucher ein geringeres Risiko als Nichtraucher, sich mit Corona zu infizieren. Das Ergebnis hat nicht nur die Studienleiter überrascht. Sie warnen nachdrücklich vor voreiligen Schlüssen.

Startschuss für die dritte Runde der Corona-Antikörper-Studie in Kreis Tirschenreuth. In der Turnhalle St. Peter in Tirschenreuth gibt eine Studienteilnehmerin eine Blutprobe ab.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Professor Ralf Wagner hat eine deutliche Warnung: Auf keinen Fall solle jemand auf die Idee kommen, dass Rauchen vor Corona schützt. Was ihn zu dieser Warnung veranlasst? Die Antikörperstudie der Universitäten Regensburg und Erlangen im Landkreis Tirschenreuth. Diese hat einerseits gezeigt, dass im Frühjahr durch die damalige Teststrategie im Kreis 80 Prozent der Corona-Infektionen unentdeckt geblieben waren: Auf eine Person, die positiv auf auf Sars-Cov-2 getestet worden war, kamen vier, die nicht erfasst wurden. Andererseits zeigte die Studie auch, dass Raucher ein etwa dreifach geringeres Risiko aufweisen, sich zu infizieren als Nicht- oder Ex-Raucher. Das letztere Ergebnis veranlasst den Professor für Molekulare Mikrobiologie und Gentherapie an der Universität Regensburg zu seiner Warnung.

Rauchen gefährdet die Gesundheit

"Rauchen ganz klar gesundheitsgefährdend", sagt Wagner und betont: "Wir wissen noch nicht worauf der Effekt beruht." Dieser Effekt, der sich auch in anderen Studien gezeigt habe, müsse erst noch erforscht werden. Wagner sagt, das könne eine ganz banale Ursachen haben, etwa, dass sich Raucher häufiger draußen an der frischen Luft mit anderen treffen als Nicht-Raucher. Schließlich ist drinnen Rauchen meist verboten. In der frischen Luft ist die Gefahr einer Ansteckung geringer als in geschlossenen Räumen, wo sich Aerosole mit infektiösen Partikeln anreichern können. "Es wäre besser, wenn sich alle mehr in der frischen Luft unterhalten würden." In der Pressemitteilung zu Veröffentlichung des Zwischenfazit der Studie wird auch auf "zellbiologische oder immunologische Mechanismen" als Ursache verweisen. Aber auch das muss weiter erforscht werden. Klar ist: Rauch schädigt die Lunge. Gut möglich, dass deshalb die Immunabwehr bei Rauchern schon in Habachtstellung ist.

Gleichwohl haben Raucher, wenn sie sich doch mit dem Coronavirus infizieren, ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder sogar tödlichen Krankheitsverlauf. Darauf weist auch das Robert-Koch-Institut hin. Rauchen fördert oder verursacht eine Reihe der Vorerkrankungen, die wiederum einen schweren Verlauf von Covid-19-Erkrankungen begünstigen, zum Beispiel Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems.

Die Ergebnisse der Studie "Prospektive Covid-19-Kohorte Tirschenreuth" lassen sich auch nicht auf die deutsche Bevölkerung übertragen. Die Bevölkerung im Kreis Tirschenreuth entspricht nicht, der Bevölkerung in München oder Rosenheim. Altersstruktur und Risikofaktoren sind unterschiedlich, um nur einige Faktoren zu nennen.

Auf Weg, dass Immunität Zahl der Infektionen dämpft

Der überwiegende Teil derjenigen, die sich an der Studie beteiligen haben, hat noch Antikörper, berichtet Wagner. Die Forscher setzen drei Antikörpertests ein, um zu sehen, wie sich die verschiedenen Antikörper entwickelt haben. Selbst wenn diese unter die Nachweisgrenze sinken sollten, biete noch das immunologische Gedächtnis Schutz.

Angesichts einer Quote von mehr als 25 Prozent Erstimpfungen und dem Anteil von mindestens 8,6 Prozent der Menschen, die wegen einer Infektion Antikörper gegen des Coronavirus haben, sagt Wagner könne es sein, der Kreis langsam dahin komme, wo diese Werte dazu beitragen, Infektionen zu dämpfen. Das Virus läuft immer häufiger in eine Sackgasse, weil es auf jemanden mit Antikörper trifft. Dabei helfen auch die in der dritten Welle von Januar bis März überstandenen Infektionen. Diese messen die Forscher derzeit. Wagner macht einerseits deutlich, dass der Weg bis zur Herdenimmunität von rund 75 Prozent noch weit ist. Andererseits sieht er in den Zahlen eine Ermutigung, noch eine Weile durchzuhalten und zum impfen zu gehen.

Corona-Studie geht weiter

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Die Zwischenergebnisse

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Hintergrund:

Corona und Rauchen

  • Ein überraschendes Ergebnis ist, dass Raucher gegenüber Ex- oder Nichtrauchern ein dreifach geringeres Risiko aufweisen. Weshalb das so ist, muss erst erforscht werden.
  • Das Robert-Koch-Institut verwiest darauf, dass Studien zeigen, dass Rauchen das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu erhöhen scheint.
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