17.12.2020 - 20:51 Uhr
TirschenreuthDeutschland & Welt

Erfolgreicher Testlauf: Corona-Impfzentrum Tirschenreuth ist startbereit

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Noch vor dem Jahreswechsel sollen die Impfzentren in Bayern ihren Betrieb aufnehmen. Damit vom Start weg alles reibungslos klappt, haben der Landkreis Tirschenreuth und das BRK als Betreiber in ihrem Impfzentrum eine Generalprobe absolviert.

Der Probelauf im Corona-Impfzentrum Tirschenreuth soll möglichst realitätsnah sein. Auch die Impfung wird mit einer geschlossenen Spritze an einem Statisten simuliert.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Die Mitarbeiter des Corona-Impfzentrums für den Landkreis Tirschenreuth sind bereit für die erste Impfung. Am Donnerstag probten die Mitarbeiter des Rot-Kreuz-Kreisverbandes (BRK) Tirschenreuth ein letztes Mal den Ablauf - unter praktisch realistischen Bedingungen.

Testlauf im Corona-Impfzentrum

Vier Menschen sind dazu als Statisten ins ehemalige Krankenhaus von Waldsassen gekommen, dazu die BRK-Spezialisten, die sobald als möglich damit beginnen wollen, hier bis zu 300 Menschen pro Tag gegen das Coronavirus zu impfen. Zwei Teams aus jeweils fünf Mitarbeitern des BRK Tirschenreuth, darunter ein Arzt, leiten die Patienten dann durch die fünf Stationen der "Impfstraße". Zeitgleich soll ein mobiles Team aus drei Mitarbeitern im Außeneinsatz unterwegs sein, um Patienten in Pflegeheimen und Krankenhäusern zu impfen.

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Damit das Impfteam auf alle Eventualitäten vorbereitet ist, sollen die Statisten beim Testlauf verschiedene Zwischenfälle simulieren. Ein Patient täuscht deshalb eine Ohnmacht nach der Spritze vor. Ein anderer Statist gibt vor, seinen Impfpass vergessen zu haben. Auch mögliche Einschränkungen der Patienten werden bei dem Testlauf berücksichtigt. Eine Statistin nimmt im Rollstuhl teil, um den Ablauf auf Barrierefreiheit zu prüfen. Ein anderer simuliert eine Gehbehinderung, wodurch das BRK-Team auf mögliche Verzögerungen im Ablauf vorbereitet wird und nun weiß, wie es darauf am Besten reagiert.

"Den Ablauf haben wir im Einbahnstraßensystem nach einer Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums aufgebaut", sagt Holger Schedl, Kreisgeschäftsführer des BRK-Tirschenreuth. Die Patienten müssen zunächst durch die Einlasskontrolle. "Dort wird überprüft ob die Person auch wirklich einen Termin hat. Die Termine werden zunächst nur nach der Priorisierung vergeben", sagt Schedl. Impftermine bekommen also zunächst nur Patienten und Pflegepersonal in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Beim Check-In werden zunächst die Personalien und der Termin überprüft. Im Anschluss erhält die Person eine digitale Laufkarte.

Im Anschluss an die Terminkontrolle wird Fieber gemessen. Wenn die Vitalwerte stimmen und eine Infektion ausgeschlossen werden kann, geht es weiter zur Registrierung. Dort werden die Personalien geprüft und nochmals der Termin abgeglichen. Im Anschluss erhält die Person eine digitale Laufkarte und einen Aufklärungsbogen über mögliche Nebenwirkungen der Impfung.

Bei der vierten Station klärt ein Arzt den Patienten über mögliche Risiken auf, auch in Hinblick auf Vorerkrankungen. Hier können zudem Fragen des Patienten beantwortet werden, bevor es anschließend zur eigentlichen Impfung weiter geht. Bei der letzten Station, dem Check-out, wird die Impfung dokumentiert und sowohl in den Impfpass als auch in das Impfregister eingetragen. Im Wartebereich können Patienten unter ärztlicher Aufsicht mögliche Nebenwirkungen oder Allergien abwarten. Der ganze Ablauf dauert pro Person etwa eine halbe Stunde.

Bevor es zur Impfung geht können noch Fragen des Patienten über mögliche Risiken beantwortet werden.

Holger Schedl ist mit dem Testlauf sehr zufrieden. Am Montag hatte das Team zum erste Mal den Ablauf geübt. "Da waren wir noch in der Chaosphase", sagt Schedl. Heute sei alles viel ruhiger und konzentrierter abgelaufen. Auch die Statisten geben nach dem Durchlauf nur positives Feedback. Alle vier würden sich auch mit dem richtigen Impfstoff impfen lassen. "Wir haben keine Sorge, dass da noch irgendwas Unerwartetes auftreten könnte", sagt der Kreisgeschäftsführer des BRK-Tirschenreuth. Es gebe noch Kleinigkeiten, die sie auswerten müssen, aber Schedl betont: "Wir sind startklar. Sobald wir den Impfstoff haben, können wir anfangen, die Menschen auf der Prioritätenliste zu impfen."

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Um auch mit dem mobilen Team besser planen zu können, hat der BRK-Tirschenreuth am Donnerstag bereits Pflegeheime angeschrieben. Diese sollen bis Montag Rückmeldung geben, wie viele Bewohner und Pflegekräfte geimpft werden müssen. "Die Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben, und das Personal stehen in den Prioritätenlisten ganz oben. Wir wollen dafür sorgen, dass diesen Menschen sofort der Impfstoff zur Verfügung gestellt werden kann, sobald die Zulassung da ist", sagt Holger Schedl.

Info:

In dieser Reihenfolge soll geimpft werden

  • Stufe 1: Personen über 80 Jahre, Seniorenheimbewohner, Sanitäter, Notärzte, Altenpfleger.
  • Stufe 2: Personen von 75 bis 79 Jahre, Haus- und Kinderärzte, Personen mit Demenz oder geistiger Behinderung ein Einrichtungen, Tätige in der Versorgung von Personen mit Demenz und Personen mit Down Syndrom.
  • Stufe 3: Personen von 71 bis 75 Jahre, Personen mit Vorerkrankung, nach Organtransplantationen, Personen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben und arbeiten.
  • Stufe 4: Personen von 66 bis 70 Jahre, Lehrer und Erzieher.
  • Stufe 5: Personen von 60 bis 65 Jahre. Beschäftigten im Einzelhandel, in Schlüsselpositionen der Landes- und Bundesregierungen sowie Berufsgruppen der kritischen Infrastruktur.
  • Stufe 6: Alle übrigen Personen. (etwa 45 Millionen Menschen).

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