16.12.2020 - 19:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Erste Corona-Impfungen wären in Amberg schon an den Feiertagen möglich

Die beiden Corona-Impfzentren in Amberg und Sulzbach-Rosenberg sind startklar, ihnen fehlt nur der Impfstoff. Der soll nun früher kommen als zunächst gedacht: Ende des Jahres soll er in der Region verfügbar sein.

Medizinisches Personal bereitet im Royal Victoria Infirmary Hospital eine Spritze mit dem Pfizer/Biontech-Impfstoff gegen das Coronavirus vor. In Großbritannien rollt die größte Impfkampagne in der Geschichte des Landes an. Bewohner von Pflegeheimen, medizinisches Personal, alte und gesundheitlich gefährdete Menschen sollen als Erste geimpft werden.
von Heike Unger Kontakt Profil

Mitten in einer Video-Konferenz der Onetz-Redaktion mit Amberg-Sulzbachs Landrat Richard Reisinger und Dr. Roland Brey, dem Leiter des Gesundheitsamtes in Amberg, bekommt der Landkreis-Chef am Dienstag die Mitteilung, dass der in deutsch-amerikanischer Partnerschaft entwickelte Biontech-Impfstoff, nun doch schon am 21. Dezember in der Europäischen Union zugelassen werden soll. Reisinger, der als Vertreter der bayerischen Landräte derzeit fast täglich an Konferenzen zu den Impfzentren teilnimmt, hält es deshalb für möglich, "dass wir noch gegen Ende des Jahres anfangen". Die beiden hiesigen Zentren seien einsatzbereit, derzeit heiße es, dass der Impfstoff am 27. Dezember ausgeliefert wird. Verimpft wird er nur nach Anmeldung. Der BRK-Kreisverband, der die beiden Amberg-Sulzbacher Impfzentren betreut, will sich wegen des genauen Verfahrens und der Terminvergabe rechtzeitig an die Öffentlichkeit wenden.

Kommentar: Die Impfung kommt, die Maske bleibt

Amberg

Zum Thema Coronavirus sagt Reisinger: "Eine Annäherung an eine Normalisierung sehe ich erst, wenn die Impfung da ist." Deshalb sei jetzt auch "die Stunde der Dankbarkeit gegenüber den Pharmafirmen". Ihnen habe man in den vergangenen Jahren oft Misstrauen und wenig Wertschätzung entgegengebracht. "Und jetzt sind wir auf einmal alle stolz, dass ein deutscher Impfstoff wohl weltweit zum Einsatz kommt." Ein Kompliment in eine andere Richtung verpackt der Landrat in einen augenzwinkernd vorgetragenen Hinweis: "Eins ist mir aufgefallen in der Pandemie: Erstmals ist das Gesundheitsamt in den Fürbitten vorgekommen, im Gottesdienst. Das hab ich davor noch nie. Also ich denke, die Arbeit dieser Behörde ist jetzt in der breiten Bevölkerung angekommen."

Das kann dauern

Bis tatsächlich alle, die dies wollen, "durchgeimpft" sind, kann es nach Einschätzung Reisingers länger dauern. "Ich habe heute gehört, dass man davon ausgeht, dass 60 Prozent bis Herbst geimpft sein werden." Allerdings könne jetzt noch niemand abschätzen, wie groß das Interesse an dieser freiwilligen Impfung tatsächlich sein wird. Reisinger ist bewusst: "Es gibt nach wie vor eine gewisse Zurückhaltung oder Skepsis." Dabei gehe es gar nicht um Impfgegner. "Das sind Leute, die sagen, ich will mich zwar impfen lassen, aber ich möchte jetzt doch erstmal abwarten, wie die Nebenwirkungen sind. Von daher wird es eher langsam losgehen." Deshalb sei auch die angestrebte "Herdenimmunität" von 60 bis 70 Prozent Geimpfte in der Bevölkerung "sicher nicht innerhalb von Wochen zu schaffen. Realistisch scheint es mir schon, dass es ein Dreiviertel- bis ein Jahr dauert, bis man den Impfstoff an den Mann gebracht hat."

Das Corona-Impfzentrum in Amberg ist startklar

Amberg

Die dafür nötige Logistik steht, wie Reisinger berichtet. "Was wir da jetzt flächendeckend, nicht nur in Bayern, in der Bundesrepublik aufgebaut haben", sei schon beachtlich. Die Impfdosen würden, sobald sie eingesetzt werden dürfen, gleich im 1000er-Pack geliefert und die nächste Charge für die notwendige zweite Impfung werde da schon reserviert. "Wir haben da, glaub' ich schon wirklich ein gutes System, dass wir das schnell an Mann und Frau bringen."

Besuch im Corona-Impfzentrum Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg

Im Frühjahr wird es leichter

Dr. Roland Brey, der Leiter des Amberger Gesundheitsamtes, kann "noch nicht abschätzen, wie sich das Leben verändern wird". Er verweist aber auf positive Begleiterscheinungen wie die Digitalisierung. Hier habe Corona "einen Schub ausgelöst". Brey verwies aber auch darauf, dass die Pandemie "noch Monate dauern" könne – und betonte, dass auch diejenigen, die geimpft sind, sich weiterhin an die etablierten Corona-Regeln halten müssten. "Ich persönlich hoffe, wenn das Wetter im Frühjahr, Sommer wieder besser ist, wenn die Temperaturen wieder höher sind, wenn wir uns wieder mehr im Freien aufhalten können, dann wird das für uns alle eine Erleichterung werden." Momentan allerdings sei das Gegenteil der Fall: "Wir stecken mittendrin und kämpfen." Und der größte Corona-Hotspot, den man in der Region bewältigen müsse, sei Auerbach. Das zeigten auch die neuen Coronazahlen nach Gemeinden, die das Gesundheitsamt am Mittwoch herausgab. Hier weist Auerbach 129 neue Fälle seit dem 3. Dezember auf. Das sind rund 30 Prozent der in diesem Zeitraum im gesamten Landkreis hinzugekommenen 431 Fälle.

Die Impfung, weiter Maske tragen und Abstand halten: Darin sieht Reisinger die einzige Hoffnung, wenn man sich nicht an einen neuen Saisonwechsel gewöhnen wolle, de er so skizziert: "Im Sommer dürfen wir ein bisschen raus, im September wird's schon dunkel und dann gehen wir wieder in den Total-Shutdown bis vielleicht April." Das sei aber auf Dauer unerträglich. Außerdem würde das nicht nur unseren Wohlstand, sondern "auch mache Grundfesten und Existenzen zerstören". Auch im Bereich der Bildung könne so ein Turnus mit Corona-Distanz kein Dauerzustand sein. "Irgendwo lebt Pädagogik schon von Präsenz und Interaktion." Deshalb setze man jetzt wirklich Hoffnungen auf die Impfung.

Oberbürgermeister Michael Cerny äußerte sich am Mittwoch im Gespräch mit der AZ zu den geplanten Impfungen. Er könne nachvollziehen, dass angesichts des sehr schnell entwickelten Impfstoffs einige Bürger noch skeptisch seien, doch da sei schon alles mit rechten Dingen zugegangen: „Die Zulassung ist nicht politisch motiviert.“

Drei Säulen im Impfprozess

Für die beiden gemeinsamen Impfzentren in der Region Amberg-Sulzbach laute die Vorgabe, sich bereits über die Feiertage bereitzuhalten. Es sei aber die Frage, ob man in den Zentren beginne, wenn die erste Charge Impfstoff von knapp 1000 Dosen eintreffe, oder nicht lieber mit den mobilen Teams in den Seniorenheimen. Die dritte Säule des Prozesses seien zunächst die Kliniken, die ihre Mitarbeiter selbst impfen.

Wenn der Impfstoff erst einmal aus der Tiefkühlung aufgetaut sei, dürfe er nicht mehr viel transportiert werden. In den normalen Kühlschränken im Impfzentrum sei er dann vier Tage lang haltbar. Für Cerny ist nicht wichtig, dass das Impfen möglichst schnell beginnt. „Wichtiger ist, dass es gut startet. Es wäre natürlich schlecht, wenn wir eine Lieferung in den vier Tagen noch nicht verimpft hätten.“ Lieber wäre es ihm, wenn der Ansturm so groß wäre, dass man eine Pause machen müsse, bis die nächste Charge eintreffe.

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