Die unmögliche Suche der CDU nach dem Heilsbringer

An diesem Freitag wählt die CDU die Nachfolge von Angela Merkel für den Parteivorsitz. Eine Traumlösung wird es nicht geben, kommentiert Frank Werner.

Vor dem Abgang: Bundeskanzlerin Angela Merkel besichtigt die Hamburger Messehalle für den CDU-Bundesparteitag. Michael Kappeler
von Frank Werner Kontakt Profil
Kommentar

Es war der SPD-Politiker Ludwig Stiegler, der von seiner Partei immer wieder die Suche nach der "eierlegenden Wollmilchsau" einforderte. Der Ruf nach dem Alleskönner. Der legendäre Weidener Polit-Fuchs Stiegler ahnte dabei, dass es den Heilsbringer nicht wirklich gibt - nicht bei seinen Genossen, auch nicht bei der Union.

Vor genau dieser unlösbaren Aufgabe steht die CDU bei ihrem Parteitag in Hamburg. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Angela Merkel müssen eigentlich alle Flügel der Volkspartei vereinen. Von sozial bis wirtschaftsliberal, von europafreundlich bis nationalistisch, von links bis rechts. Alle unter einem Hut - das geht nicht.

Die CDU braucht vor allem jemanden an der Spitze, der die Herzen der Menschen erreicht. Keinen glattgebügelten Strategen, sondern einen charismatischen Mannschaftsspieler. Bei den Regionalkonferenzen hat die Partei gezeigt, dass die Debatten der Spitzenkandidaten wie eine Frischzellenkur auf die Mitglieder gewirkt haben. Wer wäre nun der geeignetste Nachfolger von Merkel? Für Jens Spahn kommt der Schritt ein paar Jahre zu früh. Der Außenseiter wird aber seine Chance bekommen, er kann sich zunächst als Minister profilieren.

Bleiben Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer. AKK hat offenbar die Nase vorn, sie steht nicht für den großen Umbruch, vor dem sich viele fürchten. Aber AKK ist auch keine "Merkel light", dafür hat die Generalsekretärin in der Migrationsfrage zu sehr am rechten Rand gefischt. Auf Merz lastet dafür der Makel des Millionenjongleurs, des kalten Bankers. Und er steht in Verdacht, sein eigenes Süppchen gegen Merkel zu kochen.

Die Kanzlerin wirkt wie beseelt, seit sie ihren Rückzug vom Parteivorsitz erklärt hat. Diese Lockerheit braucht die CDU. Merkels Erbe in der Partei wird viel schwerer, als es viele sich eingestehen mögen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.