War es die innerste Überzeugung von Horst Seehofer oder spielte der an Fahrt gewinnende Wahlkampf in Bayern die Hauptrolle? Mit der Aussage "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" hatte Seehofer im März 2018 jedenfalls als frisch gebackener Bundesinnenminister eine kräftige Duftmarke gesetzt. Empörung hier, Begeisterung dort, der ausgebootete Ministerpräsident hatte eine seit langem schwelende Diskussion wieder mächtig befeuert. Die Diskussion um Mesut Özil und die Nationalelf trug kurz darauf weiter zur eruptiven Stimmung in Deutschland bei.
Schnee von gestern: Der Fußballstar ist nicht mehr in den Schlagzeilen, die CSU hat bei der Landtagswahl eine krachende Niederlage erlitten. Höchste Zeit also für Entspannung im Verhältnis mit den Muslimen in Deutschland. Und tatsächlich gibt Seehofer jetzt bei der vierten Islamkonferenz den Versöhner. Er reicht die Hand, hat in die Runde endlich verschiedene muslimische Gruppierungen eingeladen, mehr als nur den Erdogan-treuen türkisch-islamischen Verband Ditib.
Der Wunsch nach einem "deutschen Islam" klingt dabei schon wieder zu nationalistisch, Religion ist schließlich schlecht an Grenzen festzumachen. Allerdings ist die Frage berechtigt, warum der Großteil der Moscheen und Imame aus dem Ausland finanziert werden. Importierte Vorbeter bergen jede Menge Zündstoff. Diese Diskussion muss vor allem von den fünf Millionen Muslimen in Deutschland selbst geführt werden. Lösungsansätze sind aber soweit entfernt wie der Bosporus von der Waldnaab.



















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