10 Jahre Rettungshubschrauber Christoph 80: Eine Bilanz in Zahlen und Anekdoten

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Im April feiert die Luftrettungsstation in Latsch bei Weiden zehnten Geburtstag. In dieser Zeit ist viel Denkwürdiges passiert. Vieles ist erfreulich, manches auch nicht.

Der EC 135 vor dem Hangar in Latsch
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Chef der Notärzte, Dr. Jürgen Altmeppen

An einen besonderen Einsatz durfte Dr. Jürgen Altmeppen erst kürzlich zurückdenken – als er die Patientin im Klinikum Weiden wiedertraf. Dass die Frau überleben würde, war nicht absehbar, als Christoph 80 an ihrem Unfallort ankam. "Sie war im Autowrack eingeklemmt", erinnert sich Altmeppen. Mehrere ihrer Verletzungen hätten sie töten können.

Dem Zusammenspiel der Rettungskette verdankt sie ihr Leben. Mit dem bodengebundenen Notarzt habe er damals die Versorgung übernommen, sagt Altmeppen. Es gelang, die Frau zu stabilisieren. Der Rettungswagen brachte sie ins Klinikum Weiden, von dort weiter nach Regensburg. In der Nacht operierten mehrere Spezialisten die Frau und retteten ihr Leben.

Peter Flor, Stationsleiter, Chef der Piloten

Der Weidener ist seit 2018 in seiner Heimatstadt im Einsatz, war zuvor in Dresden stationiert. Aber auch in den drei Jahren gab es denkwürdige Einsätze. "Besonders erinnere ich mich an einen Flug mit einem schwer verbranntem Kind", berichtet Flor. Die Helfer waren nach Oberfranken in die Nähe von Selb gerufen worden. Dass sie ihren kleinen Patienten in ein Krankenhaus fliegen können, stand lange nicht fest. "Das Wetter war grenzwertig", erinnert sich Flor an die sehr schlechte Sicht. Dennoch wagte er den Transport nach Erfurt in die dortige Klinik. "Der Flug war nicht einfach", sagt Flor. Aber das Gefühl danach war großartig. "Es ist einfach sehr schön, wenn man so helfen kann."

Florian Schwamberger, Leiter HEMS (Helicopter Emergency Medical Services Technical Crew)

Seit 2015 ist Tobias Schwamberger als speziell ausgebildeter Rettungssanitäter für Hubschrauber im Einsatz, seit 2019 ist er der Leiter der "HEMS" der Station in Weiden-Latsch. Auch er kann sich an viele dramatische, nervenaufreibende, manchmal auch traurige Einsätze erinnern. Besonders gern denkt er aber an zwei seiner bisherigen Einsatzflüge zurück. "Zweimal war ich bei Hausgeburten." Wenn es ein Baby besonders eilig hat und der Weg ins Krankenhaus nicht mehr möglich ist, wird auch schon mal Christoph 80 um Hilfe gerufen. "Es kommt selten vor, dass wir zu einem freudigen Ereignis gerufen werden", sagt Schwamberger. Bei diesen beiden Einsätzen sei das aber zu 100 Prozent so gewesen.

Zwei Stationsleiter hat die Luftrettungsstation Weiden in den vergangenen zehn Jahren verloren. Otto Hartmann hatte Weiden schon verlassen, als er im Februar 2014 einen Absturz in Mecklenburg-Vorpommern nicht überlebte. "Wir haben Otto viel zu verdanken", erinnert Jürgen Altmeppen an den Pionier, der in Latsch den Aufbau vorantrieb, als die Station aus Containern und einem provisorischen Hangar bestand. 2018 der nächste Schock: Jochen Huber ist tot. Der damalige Stationsleiter war im Januar zur Schulung in Filderstadt. Bei der Kollision seines Hubschraubers mit einem Flugzeug starben vier Menschen, darunter er. Auch Huber zählte zu den Piloten der ersten Stunde, war für viele das Gesicht der Station.

Bestürzung über den Tod von Jochen Huber

Ein Blick in den neuen Christoph 80

Weiden in der Oberpfalz

Seit Jahren schwelen Vorwürfe über zu häufige Einsätze des Christoph 80

Weiden in der Oberpfalz
10 Jahre in Zahlen: Was Christoph 80 leistet:
  • 12136 Einsätze ist der Rettungshubschrauber von seinem Standort Latsch in den ersten 10 Jahren geflogen. Das arbeitsreichste Jahr war 2015. Damals waren es alleine 1394
  • 95 Prozent der Einsätze betreffen akute Notfälle. Seltener übernimmt Christoph 80 Krankentrasportflüge
  • 3 Piloten tun Dienst an der Flugrettungssation Latsch, hinzu kommen 7 Notfallsanitäter und Sanitäterinnen sowie 24 Ärztinnen und Ärzte.
  • 28 Prozent der Patienten hat Christoph 80 nach dem Einsatz auch ins Krankenhaus transportiert. Denn Christoph 80 ist vor allem ein Mittel, um einen Notarzt schnell zu einem Unglücksopfer zu bringen. Den Transport ins die Klinik übernimmt häufiger ein Rettungswagen - oft begleitet vom Notarzt der Luftrettung
  • Neurologische Erkrankungen wie etwa Schlaganfälle sind die häufigste Alarmierungsursache. Sie machen 27 Prozent der Einsätze aus. Dahinter folgen Herzerkrankungen (24 Prozent) und Kreislauferkrankungen (15 Prozent).
  • Bei Verletzungen sind es am häufigsten Stürze, erst danach folgen Verkehrsunfälle. Dabei sind laut Einsatzstatistik besonders oft die "oberen Extremitäten" betroffen, also Arme und Hände (21 Prozent). Es folgen Kopf (19 Prozent) und "untere Extremitäten (19 Prozent).
  • Zwischen 6 und 17 Uhr ist Christoph 80 besonders gefragt. Spitzen bei der Alarmierung gibt es um 10, 11 und um 15 Uhr.
  • Geographisch fällt in den Landkreis Neustadt/WN der größte Teil der Einsätze. Danach folgen die Kreise Tirschenreuth und Schwandorf.

 

 

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