Corona-Antikörper: Tausende werden getestet

Eine ungewöhnliche Zusammenarbeit: Die Kliniken Nordoberpfalz und das Logistikunternehmen Witron testen ihre Mitarbeiter auf Corona-Antikörper. Die Initiatoren rechnen damit, dass über 80 Prozent der insgesamt 3900 Beschäftigten mitmachen.

Freiwillige vor: Stefan Hofmeister lässt sich im Klinikum Weiden von Kollegin Petra Meissner Blut abnehmen.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Die Mitarbeiter der Kliniken Nordoberpfalz AG und der Firma Witron in Parkstein können in den nächsten Wochen erfahren, ob sie Covid 19 hatten - vielleicht auch unbemerkt. Die Unternehmen haben sich für eine Antikörper-Studie zusammengetan. Seit Montag laufen die Tests. Jeder, der möchte, kann sich Blut abnehmen lassen. Freiwillig und kostenlos. Und anonym: Die Auswertung erfolgt unter "pseudonymisierten Studiennummern", informiert Medizinische Direktorin Michaela Hutzler mit. Das eigene Testergebnis kann sich der Mitarbeiter an seine Privatadresse schicken lassen.

Damit steigt die Zahl der Nordoberpfälzer, deren mögliche Immunisierung erforscht wird, auf über 7000. Wie berichtet läuft parallel im Landkreis Tirschenreuth eine Antikörper-Studie, für die nach dem Zufallsprinzip 4800 Einwohner eingeladen wurden. Die Regie führt bei dieser Studie die Universität Regensburg, die als Ziel anpeilt, am Ende mindestens 3600 Bürger zu testen. Die Blutentnahmen sind angelaufen. Letzte Woche machten 300 freiwillige Kinder den Vorreiter.

Das Prüfzentrum der Kliniken-Witron-Studie ist das Klinikum Weiden. Die Initiatoren, Priv. Doz. Dr. Thomas Finkenzeller, Professor Dr. Karl-Heinz Dietl und Professor Dr. Christian Paetzel haben die Studie ins Leben gerufen und begleiten sie aktiv an allen Standorten mit. Die Studie soll die Krankheitshäufigkeit von Covid 19 bei Klinikpersonal mit einem großen mittelständischen Unternehmen in einer "Hot-Spot-Region" vergleichen.

Ein Großteil der Mitarbeiter der Kliniken Nordoberpfalz sei - vor allem am Krankenhaus Tirschenreuth und am Klinikum Weiden - über Monate mit der Behandlung von Corona-Patienten beschäftigt gewesen, so Michaela Hutzler. Somit dürfte ihr Risiko, eine Infektion mit dem Virus durchlaufen zu haben, höher liegen als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Die Witron Group sei laut Michaela Hutzler der ideale Kooperationspartner. Mit rund 1800 Mitarbeitern biete deren Standort Parkstein eine ideale Vergleichsgruppe, um das Infektionsrisiko zu vergleichen. Die Initiatoren rechnen nach Voranfragen damit, dass sich von den insgesamt 3900 Beschäftigten mehr als 80 Prozent testen lassen wollen. Getestet wird von medizinischem Fachpersonal am jeweiligen Arbeitsplatz: bei Witron in Parkstein, im Krankenhaus Tirschenreuth und im Klinikum Weiden.

Tirschenreuth läuft parallel

Interesse bei Mitarbeitern groß

"Bei beiden Partner herrscht ein sehr hohes Interesse an der freiwilligen und kostenlosen Testung, die Aufschluss über den Antikörperstatus und damit über eine mögliche Immunität geben kann", meint die Medizinische Direktorin. Seit Montag wird "angezapft": etwa 10 Milliliter pro Arbeitnehmer. Verteilt über drei Wochen sind zwölf Test-Tage angesetzt.

Das Laborergebnis wird nur dem Teilnehmer selbst mitgeteilt. Die Daten der Getesteten werden pseudonymisiert ausgewertet. In einem Fragebogen werden Angaben zur Person (Altersgruppe, Geschlecht, allgemeine Angaben über Tätigkeit) abgefragt. Das Ethikkomitee der Bayerischen Landesärztekammer hat die Studie gebilligt. Die Arbeitgeber versprechen sich nach Auskunft von Michaela Hutzler einen Überblick über gefährdete Bereich in ihrem Betrieb. Arbeitsschutz und Hygienemaßnahmen könnten optimiert werden. Die Kenntnis des Immunitätsstatus könne vor allem bei einer neuen Krankheitswelle von erheblicher Bedeutung sein.

Mehr über die parallel laufende Antikörperstudie in Tirschenreuth lesen Sie hier

Tirschenreuth

In Tirschenreuth nahmen freiwillig 300 Kinder teil

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