Corona und Gewerkschaft: Homeoffice ein Fall für den Tarifvertrag

Benjamin Hannes ist während der Pandemie als Gewerkschaftssekretär zur IG BCE Nordostbayern gewechselt. Das Virus lege Probleme offen, die schon länger existieren, sagt Hannes nun. Das gelte in der Wirtschaft –aber auch bei der IG BCE.

Streik mit Maske: Auch für die Gewerkschaften wie die IG BCE hat Corona viel verändert. Hier bei dem Protest vor einem Unternehmen in Sachsen - aber auch für die Gewerkschafter in Nordostbayern.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Unternehmen stöhnen, Mitglieder sind kaum erreichbar: Corona bedeutet auch für die Gewerkschaft IG BCE in Nordostbayern eine Herausforderung. Sie zu bestehen, dafür will sich Benjamin Hannes einbringen. Nach längerer Zeit fern der Heimat übernimmt der 37-Jährige als Gewerkschaftssekretär für Gaby Hübner, die sich im April in den Ruhestand verabschiedet hat.

"Unsere Außendarstellung ist nicht mehr optimal", lautet Hannes erstes Fazit. Gerade wenn direkter Kontakt zu Mitgliedern unmöglich ist, zeigen sich Schwächen bei Facebook oder der Google-Auffindbarkeit. Hannes ist ausgebildeter Kommunikationstrainer, deshalb spricht er von Herausforderungen, wenn andere Schwierigkeiten sagen würden. Und er hat sich vorgenommen, diese Außendarstellung zu verbessern. Denn die Folge der Versäumnisse habe sich während des Lockdowns gezeigt: Die Zahl der derzeit etwa 12000 Mitglieder in der Oberpfalz und in Oberfranken ging zurück. Im Juli habe sich der Trend erstmals umgekehrt.

Was für seine Gewerkschaft gilt, habe er auch bei Unternehmen festgestellt: Die Krise macht Probleme sichtbar, die aber schon länger bestehen. "Mit der Autoindustrie ging es nach vielen Rekordjahre schon 2019 bergab." Jetzt sei sie die Branche mit am härtesten betroffen, und damit auch nordostbayerische Zulieferer aus dem Kunststoffbereich.

Hannes warnt aber davor, die Krise zu überzeichnen. Unternehmen leiden, können aber mit den Schwierigkeiten umgehen. Anderseits stellen sich derzeit viele neue Fragen. "Wie lange haben sich Arbeitgeber gegen das Homeoffice gewehrt." Im März seien die Mitarbeiter überstürzt nach Hause geschickt worden. "Und die arbeiten dort trotzdem", sagt Hannes. Dass dabei aber meist private Schreibtische, Rechner, Telefone im Einsatz sind, könne nicht Normalfall werden. Arbeitsbedingungen im Homeoffice müssen deshalb bei den nächsten Tarifverhandlungen auf den Tisch.

Diese neuen Themen werden die alten aber nicht verdrängen. Der Gewerkschafter nennt die CO2-Steuer, die die energieintensive Porzellanindustrie belastet. Hannes hält sich mit Kritik an der Steuer zurück. "Wir haben nur eine Erde." Er wisse, dass auch manch Gewerkschafter das anders sehe und lieber einfacheren Erklärungen folge. "Auch in der Gewerkschaft gibt es AfD-Wähler." Diese nicht dauerhaft zu verlieren, ihnen auch schwere Entscheidungen zu erklären – noch eine Herausforderung, der sich Benjamin Hannes stellen will.

Benjamin Hannes
Zur Person:

Benjamin Hannes

Seit Juli ist er Sekretär bei der IG BCE Nordostbayern, die von Weiden Oberfranken und die Oberpfalz betreut. Benjamin Hannes:

  • stammt aus Neustadt/WN
  • ist 37 und verheirateter Vater einer Tochter
  • hat bei Nachtmann Bleikristall in Neustadt eine Elektriker-Ausbildung absolviert
  • engagierte sich seit der Lehre ehrenamtlich bei der IG BCE
  • bildete sich zum hauptamtlichen Gewerkschaftssekretär weiter.
  • War für IG BCE und IG Metall unter anderem in Baden-Württemberg aktiv.
  • Wohnt mit der Familie in Pfreimd (Landkreis Schwandorf)

Benjamin Hannes Vorgängerin geht in den Ruhestand

Weiden in der Oberpfalz

Zur Homepage der Industrie Gewerkschaft Bergabau, Chemie, Enerige

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