Markus Söder will die CSU jünger, digitaler und weiblicher machen. Mit so viel Gegenwind für die Frauenquote hatte er wohl nicht gerechnet. Die Parteibasis übt so viel Kritik, dass am Ende nur eine "Frauenquote light" beschlossen wird: eine Frauenquote von 40 Prozent in den Kreisen - ohne Verbindlichkeit. Verbindlichkeit hätten sich allerdings viele Frauen gewünscht. Von vier Oberpfälzer CSU-Frauen sprechen sich drei für eine Quote als Hilfsmittel aus. Nur die jüngste von ihnen ist gegen eine Quote.
Eine der vehementesten Fürsprecherinnen ist Barbara Lanzinger. "Wir sind überall umgeben von Quoten", sagt sie. Die nehme aber kaum jemand mehr wahr. Lanzinger, stellvertretende Landesvorsitzende und Oberpfälzer Bezirksvorsitzende der Frauen-Union, sagt über sich selbst: "Ich bin keine Quoten-Befürworterin per se." Wenn sie an den CSU-Parteitag am Wochenende denkt, sagt sie aber auch: "Da tut mir was weh."
Fast empört äußert sie sich über die Art und Weise, wie die Frauenquote, ja, das gesamte Reformpaket zerschmettert wurde: Viele Frauen, so Lanzinger, seien entsetzt gewesen vom Ton und der Art dieses Aufmarsches. "Das war beeindruckend. Aber nicht im Positiven."
Im besonderen kritisiert sie die Worte eines Kollegen aus der Oberpfalz. Der bayerische JU-Vorsitzende Christian Doleschal kommentierte eine verbindliche Frauenquote in den Kreisen, wie es sie auf Landes- und Bezirksebene seit Jahren gibt, mit den Worten: "Ein guter Kompromiss tut jedem etwas weh." Barbara Lanzinger meint: "Sowas kann ich nicht sagen."
Den Beschluss hält die Ambergerin nur für einen verwässerten Kompromiss. Astrid Freudenstein dagegen hält den Quoten-Kompromiss "in dieser Situation" für "gut und richtig". Die CSU-Bundestagsabgeordnete aus Regensburg sagt: "Für die Frauen sind Quoten eine Chance, in bestimmten Gremien überhaupt sichtbar werden zu können. Natürlich sind Quoten das letzte Mittel, wenn sich sonst zu wenig bewegt."
Die Quote als Hilfsmittel
Sie sei keine Frau, sagt Lanzinger, die für eine diktatorische Frauenquote stehe. "Wenn aber dann ein Bundestagsabgeordneter sagt, er wolle nicht ständig mit dem Rechenschieber nachrechnen müssen", sie spricht von einer Aussage Max Straubingers, "dann, finde ich, muss dieser erst einmal bei sich beginnen, was die Haltung anbelangt." Söder hingegen habe erkannt, dass etwas passieren müsse, sagt Lanzinger. Sie ist der Meinung, dass jene Quote für Frauen aller Altersklassen ein Hilfsmittel, eine Treppe sei, um die Partei voranzubringen.
Lanzinger und die Oberpfälzer Frauen-Union stehen - weitestgehend geschlossen - hinter dieser Quote. Ein ähnliches Bild zeichnet Emilia Müller vom Katholischen Frauenbund, dessen Bayern-Vorsitzende sie ist.
Die "gläserne Decke"
Keine Verfechterin der Quote ist dagegen Stefanie Dippl (33), die erste Frau an der Spitze der Oberpfälzer Jungen Union: "Wenn ich mich engagiert habe, bin ich immer gleichauf akzeptiert worden." Sie hält die Entscheidung vom CSU-Parteitag für einen guten Kompromiss. Ungern möchte sie eine Quotenfrau sein.
Das "Totschlag-Argument Quotenfrau" höre man meist nur von Frauen, die noch nicht an die "gläserne Decke" gestoßen seien, sagt Emilia Müller. Sie spricht von einer unsichtbare Barriere, die die Karriere vieler Frauen irgendwann stoppt, während Männer mit gleicher Qualifizierung die Karriereleiter weiter erklimmen. Wie die Staatsministerin a.D. zur Entscheidung der CSU über das Reformpaket steht? "Dies ist ein Zwischenschritt und kann nicht das endgültige Ergebnis sein." Und: "Für mich ist es enttäuschend, dass Frauen nach wie vor für ihre Rechte kämpfen müssen. Solange die Gleichberechtigung von Frauen keine Selbstverständlichkeit ist, brauchen wir die Quote als Hilfsmittel. Die selbstverständliche Teilhabe von Frauen in der Politik ist ein Gradmesser für den Entwicklungsstand unserer Gesellschaft."
Quotenfrau: Na und?
Emilia Müller war nie eine Quotenfrau; hat alle Ämter, die sie besetzt hat, ohne eine Quote errungen. Doch wenn sie zurückdenkt, hätte sie sich einige Male bei Listenaufstellungen für Kommunalwahlen eine Quote gewünscht, sagt sie.
Auch Barbara Lanzinger brauchte nie eine Quote, um ein Ziel zu erreichen. Wenn sie nun eine Quotenfrau wäre? "Na und? Wenn ich weiß, dass ich was kann, muss ich mir keine Gedanken darüber machen, dass ich eine Quotenfrau wäre."
Und nun? "Wir werden die Berichtspflicht einfordern", sagt Barbara Lanzinger. Dass die Entwicklungen, die nun auf Basis der Soll-Bestimmung zu einer Frauenquote geschehen, genau zu beobachten sind, befürwortet auch Emilia Müller.





















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