17.10.2019 - 19:01 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Reißverschlussverfahren werden bei der CSU irgendwann selbstverständlich sein

Die CSU erwartet auf ihrem Parteitag mehr als 3000 Besucher. Zwei Tage lang geht es um eine Modernisierung der Partei. So soll diie CSU soll weiblicher werden. Ein Interview mit der Oberpfälzer Frauen-Union-Vorsitzenden Barbara Gerl.

Die Bezirksvorsitzende der Oberpfälzer Frauen-Union, Barbara Gerl.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

ONETZ: Im Bayerischen Landtag ist der Frauenanteil in dieser Legislaturperiode wieder gesunken. In der Kommunalpolitik ist er seit jeher extrem niedrig. Worauf führen Sie das zurück?

Barbara Gerl: Die Gründe sind sehr vielfältig und facettenreich. Politische Mandate sind sehr zeitaufwendig und erfordern vollen Einsatz. Kernproblem aus meiner Sicht ist, dass Frauen einen riesigen Anspruch an sich haben und keine halben Sachen machen wollen. Die meisten kommen aber irgendwann (durch Kinder, zu pflegende Angehörige, Doppelbelastung durch Beruf, Karriere des Partners, usw.) in eine Lebensphase, in der dies nicht mit dem Alltag vereinbar ist – und sie nehmen sich leider zurück. Danach ist ein Wiedereinstieg aus unseren Analysen nur erschwert möglich, – ein Landtags- oder Bundestagsmandat eigentlich nicht erreichbar. Auf kommunaler Ebene würde ich mir wünschen, dass Frauen mehr Frauen wählen. Und aus eigener Erfahrung: man macht sich als Politikerin nicht überall beliebt und unser Image ist auch nicht das Beste – da darf man schon mal abwägen, ob man diese Energie nicht anderweitig einsetzt.

ONETZ: Die Oberpfälzer Frauen-Union fordert ein Reißverschlussverfahren. Erwarten Sie eine Mehrheit beim Parteitag?

Barbara Gerl: Dass bei der größten Volkspartei in Bayern möglichst Männer und Frauen paritätisch vertreten und Partei-Gremien ein Abbild der Gesellschaft sein sollten, ist bei der CSU angekommen und war in den Reformanliegen der vergangenen Monate ein wesentliches Thema. Es ist auch im Leitantrag an mehreren Stellen umgesetzt. Besetzungen von Listen im Reißverschlussverfahren werden irgendwann selbstverständlich sein, davon bin ich überzeugt – allerdings wird das keine Erfolgsmeldung aus Sicht der Frauenunion Oberpfalz vom Reformparteitag 2019 sein.

ONETZ: Wollen Sie, dass die Quote auch auf Kreisebene gelten soll?

Barbara Gerl: Wir haben die 40-prozentige Quote auf Kreisebene ja bereits im Jahr 2010 beschlossen – allerdings nicht als Muss- sondern als Soll-Bestimmung. Man wollte den Kreisverbänden etwas Zeit geben, sich stärker für Frauen zu öffnen. Ich persönlich hatte damals auch die Hoffnung, dass sich diese „Bestimmung“ innerhalb weniger Jahre von selbst erübrigt und wir da gar nichts mehr einfordern müssen –jetzt ist es trotzdem erforderlich geworden.

ONETZ: Kommt dies für die Kommunalwahlen im Frühjahr 2020 nicht zu spät?

Barbara Gerl: Ich finde das Signal aus der CSU-Parteispitze für mehr Frauen in politischer Verantwortung und in unserer CSU derzeit genau richtig. Wir haben auf allen Ebenen sehr motivierte Frauen, die sich einbringen und für die CSU kandidieren werden –die Bekräftigung eines zeitgemäßen Frauenbildes tut hier sehr gut.

ONETZ: Die Junge Union lehnt die Quote ab. Kämpfen Sie in der CSU nun ähnliche Schlachten, wie sie Frauen in der SPD schon lange hinter sich haben?

Barbara Gerl: Politik lebt davon, sich inhaltlich auch Mal parteiintern aneinander zu reiben – es stimmt nach meiner Überzeugung irgendetwas im System nicht, wenn immer alle auf einer Linie sind. Das würde ich jetzt nicht als „Schlachten“ bezeichnen wollen. Aktuell trifft In diesem Fall jahrelange Erfahrung von sehr engagierten Frauen auf Idealismus vor allem junger Politikerinnen. Und ob sie´s glauben oder nicht – meine Frauenunion-Frauen haben sogar häufig Verständnis für die ablehnende Haltung der JUler gegenüber der Quote und hatten überwiegend in ihren politischen Anfängen eine ähnliche Meinung. Wir haben das (er)klärende Gespräch gesucht und unaufgeregt die beste Lösung für beide Seiten gefunden. Jetzt muss der Parteitag dem Vorschlag nur noch zustimmen.

ONETZ: Wie wollen Sie die Skeptiker mitnehmen?

Barbara Gerl: Ich habe in den vergangen Monaten sehr viel Kontakt mit unseren CSUlern an der Basis gesucht und war mehr als überrascht, wie eindeutig auch hier der Wunsch nach mehr Frauenbeteiligung geäußert wurde – übrigens unabhängig vom Alter! Wir haben gemeinsam viele Ideen, wie eine bessere Einbindung von Frauen gelingen kann – am Ende können alle Beteiligten nur gewinnen.

ONETZ: Viele Frauen sind zwar in der Frauen-Union, aber nicht in der CSU. Schwächt das nicht den Einfluss der Frauen in der CSU?

Barbara Gerl: Hier liegt sicher das wesentliche Problem in der Frauen-Union. Die Reformkommission hat auch hierzu einen Vorschlag erarbeitet. Dieser sieht vor, dass alle Frauenunion-Frauen nächstes Jahr Probemitglieder der CSU werden. Die CSU ist dann gefordert, ihren Willen zur Veränderung aktiv vor Ort umzusetzen und sich für Frauen auch attraktiv zu präsentieren. Und wir Frauen müssen hingehen und vor allem mitmachen! Dafür werbe ich!

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