Die dritte Corona-Welle: Mehr Covid-19-Patienten in Oberpfälzer Krankenhäusern

Die Corona-Zahlen steigen deutlich, auch in der mittleren Oberpfalz. Auf den Intensivstationen liegen zum Teil mehr Covid-19-Patienten. Die Sorge wächst, dass es noch mehr werden könnten.

Krankenschwestern und Stationsleitung versorgen einen Covid-19-Patienten, der im künstlichen Koma liegt und beatmet wird.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Mit der wachsenden Zahl von Corona-Infektionen steigt auch die Zahl der wegen Covid-19 behandelten Menschen in den Krankenhäusern wieder. Die hohen Inzidenzen sind auf den Intensivstationen und den Isolierstationen in der Region zu spüren. "Die Lage auf den Intensivstationen hat sich noch nicht entspannt und die Belastung des dort eingesetzten Personals ist bis heute ohne Unterbrechung sehr hoch", sagt Michael Reindl, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Kliniken Nordoberpfalz.

Im Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara Schwandorf werden die hohen Ansteckungszahlen mit Sorge verfolgt. "Wir stellen uns darauf ein, dass wir daraus resultierend in den kommenden zwei bis drei Wochen noch mehr Covid-Patienten stationär versorgen müssen", teilte Marion Hausmann, Sprecherin des Krankenhauses mit. "Wir starten jetzt auf den Intensivstationen in die dritte Welle und das auf einem sehr hohem Niveau", sagt Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi): "Davor hatten wir bereits Ende Februar gewarnt und das bereitet uns große Sorgen." Bundesweit wurden nach Divi-Daten am Montag 3145 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt. Damit liegt die Belastung so hoch wie im Frühjahr 2020.

Wir stellen uns darauf ein, dass wir in den kommenden zwei bis drei Wochen noch mehr Covid-19-Patienten stationär versorgen müssen.

Marion Hausmann, Sprecherin des Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf

29 Covid-19-Patienten in Schwandorf

Im Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf wurden am Montag 29 Patienten wegen einer Covid-19-Infektion behandelt - 21 Patienten auf den Isolierstationen und acht auf der Intensivstation. Von den acht intensivpflichtigen Corona-Patienten werden fünf invasiv und zwei nicht-invasiv beatmet. Zu Beginn des Monats waren es noch 20 Covid-19-Patienten gewesen, - 14 auf der Isolierstation sowie sechs auf der Intensivstation. Im Landkreis Schwandorf betrug die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner am Montagmorgen laut Robert-Koch-Institut 296, Platz 9 auf der RKI-Liste aller Kreise und kreisfreien Städte. Bundesweit betrug der Wert 107. Der höchste Stand seit dem 26. Januar. Vor zwei Wochen lag die Inzidenz bei 68.

In Amberg, wo die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 255,9 lag, ist die Zahl der zu versorgenden Covid-Patienten in den letzten Wochen erheblich angestiegen, berichtet Sandra Dietl, Pressesprecherin des Klinikums St. Marien Amberg. Derzeit werden im Krankenhaus 45 Patienten mit nachgewiesener Covid-19-Erkrankung stationär behandelt. "Dabei ist bei der überwiegenden Zahl, nämlich bei 39 Patienten, die britische Mutation nachgewiesen", sagt Dietl. Von den 45 Patienten müssen 12 intensivmedizinisch versorgt werden, 10 davon werden beatmet.

Das Durchschnittsalter der am Klinikum St. Marien behandelten Covid-19-Patienten liegt derzeit bei rund 66 Jahren. Ob die Corona-Patienten immer jünger werden, lässt sich nach Ansicht des Krankenhauses daraus nicht ableiten. Dazu bräuchte es eine statistischen Auswertung über viele Kliniken hinweg. "Die Zahlen eines einzelnen Klinikums haben zu wenig statistische Aussagekraft für eine solche Behauptung", sagt Dietl.

Im Krankenhaus St. Barbara ist das Durchschnittsalter der wegen Covid-19 behandelten Patienten gesunken. "In der dritten Welle (Berechnung seit dem 12. Februar 2021) liegt das durchschnittliche Alter dieser Patientengruppe derzeit bei 65 Jahren", sagt Hausmann. Während der zweiten Welle war der Altersdurchschnitt der behandelten Corona-Patienten 73 Jahre.

Durchschnittsalter sinkt

Das spiegelt einen bundesweiten Trend wider. "Wir sehen das jetzt schon auf den Intensivstationen, dass sich die Patienten dort ändern: Die werden jünger", sagte Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts. Auch Virologen haben wiederholt gewarnt, dass das Impfen der ältesten Jahrgänge, also der über 80-Jährigen, noch keine Entspannung bringen werde.

"Sowohl am Klinikum Weiden als auch am Krankenhaus Tirschenreuth können wir den deutschlandweiten Trend bestätigen, wonach die Patienten jünger sind als noch während der ersten Welle", sagt Reindl. Weil diese Patientengruppe weniger Vorerkrankungen habe, "könne in den meisten Fällen eine zügige Entlassung erfolgen, natürlich nur, wenn dies aus ärztlicher Sicht sinnvoll ist". Die Verweildauer der Patienten ist derzeit im Klinikum Nordoberpfalz auf den Normalpflegestationen geringer als während der ersten Welle. Auf den Intensivstationen zeigen sich keine signifikanten Änderungen, sagt Reindl. In Weiden werden derzeit 17 Covid-19-Patienten in der Normalpflegestationen behandelt, in Tirschenreuth 24 - natürlich räumlich und personell strikt abgetrennt. 20 Patienten werden intensivmedizinisch versorgt - in Weiden 14 und in Tirschenreuth 6. Das Krankenhaus Kemnath und die Geriatrische Rehabilitation in Erbendorf sind Covid-frei.

Weiden: Ausreichend Kapazitäten

Für die Versorgung von Covid-19-Patienten werden stets zwei Intensivbetten sowie ein weiteres Intensivbett für traumatologische Patienten freigehalten, erläutert Reindl. "Auch im Bereich der Normalpflege stehen an allen Standorten ausreichend Kapazitäten zur Verfügung." Die Verlegung von Patienten ist derzeit nicht notwendig.

"Bisher konnten wir alle Patienten in unserem Klinikum behandeln", sagt Dietl. In Amberg mussten noch keine Covid-Patienten aus Kapazitätsgründen in andere Kliniken verlegt werden. In den Zeiten niedrigerer Inzidenz und niedrigeren Covid-Fallzahlen hatten die Amberger Patienten aus anderen Krankenhäusern übernommen, um diese zu entlasten. Nun gibt es die Sorge, dass wegen der starken Zunahme der Intensiv-Patienten bei einem weiterem Anstieg eine Verlegung von Intensivpatienten in Kliniken mit geringerer Auslastung erforderlich werden könnte.

Eine Intensivschwester erzählt

Schwandorf
Hintergrund:

Covid-19-Patienten und Intensivbetten

  • Die Lage in Deutschland: 3145 Patienten wurden am Montag bundesweit wegen Covid-19 auf Intensivstationen behandelt. Davon wurde mit 1678 mehr als die Hälfte invasiv beatmet.
  • Die Lage in Bayern: In Bayern sind am Montag 528 Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung auf der Intensivstation behandelt worden. Davon wurden 303 invasiv beatmet.

 

 

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