Fragen und Antworten: So genau sind die offiziellen Corona-Zahlen

Seit Robert-Koch-Institut und Landesamt für Gesundheit Coronazahlen veröffentlichen, gibt es Kritik. Zunächst von Corona-Leugnern, inzwischen auch von andere Seite. Weisen die Ämter eher zu hohe oder zu niedrige Zahlen aus?

Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin hält Coronavirus-Testproben. Wie genau erfassen die Teststatistiken die reale Pandemie-Situation?
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Wieso unterscheiden sich die Coronazahlen, die Landesamt für Gesundheit (LGL) Robert-Koch-Institut und Landratsämter veröffentlichen?

Grundsätzlich nutzen alle dieselben Zahlen: die von den Gesundheitsämtern nach Vorgabe des Infektionsschutzgesetzes erfassten Daten. Das Gesetz regelt auch, wie diese Daten übertragen werden. Vom Gesundheitsamt ans zuständige Landesamt (das LGL) und weiter an das RKI. Laut Gesetz hat jede Stelle 24 Stunden um die Werte weiterzugeben. Aus der Verzögerung können sich die Abweichungen erklären.

Eine Rolle spielt auch der Veröffentlichungszeitpunkt: Das LGL veröffentlicht täglich zum Stand 8 Uhr. Das RKI misst zwischen 0 und 24 Uhr eines Tages. Die Landratsämter veröffentlichen meist am Nachmittag, was innerhalb des Arbeitstages erfasst wurde. Eine weitere Quelle von Abweichungen sind Übertragungs- und Rechenfehler.

Werden die Coronafälle zum Tag der Veröffentlichung verbucht?

Nein. Laut Infektionsschutzgesetz gilt der Tag, an dem ein positiver Fall dem Gesundheitsamt mitgeteilt wurde, das sogenannte Meldedatum. Vor allem wegen der zuvor genannten Gründe kann sich dieses Meldedatum vom Datum der Veröffentlichung unterscheiden. Lässt sich nachvollziehen, wie groß die Unterschiede zwischen Melde- und Veröffentlichungsdatum sind?

Das Landesamt für Gesundheit veröffentlich täglich eine Aufstellung der für Bayern neuen Fälle nach Meldedatum. Die Veröffentlichung für Neujahr zeigt, dass kein einziger der 3743 im Freistaat neuen Fälle tatsächlich am 1. Januar gemeldet wurde. Das liegt daran, dass nur Fälle eingehen, die vor 8 Uhr gemeldet wurden. 2880 Fälle fallen auf den Silvestertag. Innerhalb der letzten 7 Tage sind 99,9 Prozent aller Fälle erfasst.

Haben diese Verzögerungen Auswirkungen auf die Messwerte wie etwas die 7-Tage-Inzidenz?

Zuletzt hat ein Artikel der "Süddeutschen Zeitung" kritisiert, dass durch die Verzögerungen die 7-Tage-Inzidenz verzerrt wird, weil Werte erst nachträglich erfasst werden, die Inzidenz also deutlich unterschätzt wird. Das LGL widerspricht dem nicht grundsätzlich. Allerdings misst das Amt dem Effekt keine so starke Wirkung bei: Der größte Teil der Nachmeldungen ist "in der Regel auf die vorangegangenen Tage zurückzuführen, diese werden also immer in den aktuellen Berechnungen der 7-Tage-Inzidenz berücksichtigt", heißt es in einer Stellungnahme des LGL.

Ist der 7-Tage-Inzidenz-Wert also doch genau?

So richtig weiß das niemand. Fest steht, dass sich die Angabe des LGL eher auf den Vortag bezieht. Weil die 24-Stunden-Frist bei dem Landesamt um 8 Uhr am Morgen endet, sind vom jeweiligen Tag die wenigsten Werte erfasst. Die Veröffentlichung am 4. Januar zeigt den Stand vom 3. Wie sehr weicht der Inzidenzwert vom wahren Wert ab?

Das LGL geht selbst davon aus, dass die veröffentlichten Maßzahlen die tatsächlichen Werte unterschätzen. Das liegt unter anderem daran, dass viele Infektionen nicht erfasst werden, weil die Infizierten keine Symptome bemerken und deshalb nicht getestet werden.

Tatsächlich ist dies ein kleineres Problem, als es zu nächst scheinen mag. Die Inzidenz ist für sich kein entscheidender Wert, sondern lediglich Indikator für wichtige Werte wie Todeszahlen oder die Belegung der Intensivstationen. Wenn die Inzidenz nicht den wahrend Wert anzeigt, ist das weniger ein Problem, solange die Abweichung relativ gleich bleibt, kann sie ihre Aufgabe als Indikator erfüllen.

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