Klimaschutz - nur Fliegen ist schöner

Flug- und Schiffsreisen sind Gift fürs Klima. Trotzdem ist beides nach wie vor sehr beliebt. Das belegen die Nachfragen in Reisebüros und am Flughafen Nürnberg.

Landung am Flughafen Nürnberg.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Alle sprechen vom Klima, auf Flug- oder Schiffsreise verzichten die wenigsten. In den Reisebüros der Region gibt es jedenfalls kaum Kunden, die sich nach klimaschonenden Urlaubsalternativen erkundigen würden. Die Reisebranche erlebe nach zwei absoluten Boomjahren derzeit "eine kleine Delle", das habe aber andere Gründe, ergibt eine telefonische Umfrage. Die Preise seien vor der Saison angestiegen, darauf reagieren nun die Kunden. Vor allem Familien sind zurückhaltender.

Diesen Eindruck bestätigt zum Beispiel Christine Frankerl. Sie betreibt das Reisebüro Sunshine in Schwarzenfeld und meldet ähnliche Beobachtungen. "Man hat schon den Eindruck, dass das Thema langsam in den Köpfen der Menschen ankommt", sagt die Unternehmerin. Bei der Urlaubsplanung spiele das Klima aber eher noch keine Rolle. Das belegt der Boom im Kreuzfahrtbereich. Die Klimabilanz sei hier noch schlechter als im Flugverkehr. Und doch sei es gerade dieser Bereich, der derzeit stark wächst, entgegen des allgemeinen Trends. Dabei seien auch in diesem Bereich die Preise zuletzt deutlich gestiegen.

Jugend on Tour

Auch die vermeintlich so klimabewegte Jugend bleibt reisefreudig. Der auf Jugendreisen spezialisierte Online-Anbieter RUF bemerkt bisher keine Veränderung: "Die Nachfrage nach Abireisen ist nicht gesunken", meldet Pressesprecherin Kristina Oehler. Allerdings bleibe der Bus hier das wichtigste Reisemittel. "Das war immer so", Flugreisen seien schon wegen des Preises weniger gefragt. "Dennoch ist aber auch das Interesse an reinen Flugzielen ungebrochen."

Ein Renner sei etwa die bulgarische Schwarzmeer-Küste. Laut Oehler würden eher "die Probleme rund um Airlines" gegen das Fliegen sprechen. Folgen der Klimabewegung sind dagegen nicht zu bemerken. "Man muss aber auch dazu sagen, Abireisen werden gut ein Jahr im Voraus gebucht, da war die Klimabewegung noch nicht so im Gange."

Was die RUF-Sprecherin sagt, passt zu Christian Albrechts Beobachtungen. Der Pressesprecher des Flughafens in Nürnberg meldet für 2019 tatsächlich einen deutlichen Rückgang des Flugaufkommens - aber nicht wegen des Klimas. Die Airline Germania betrieb in Nürnberg einen Stützpunkt, der Konkurs der Airline im Februar habe den Albrecht-Dürer-Airport getroffen. Statt 4,5 Millionen Passagiere wie 2018 rechnet der Flughafen nur mehr mit 4,1 Millionen. Am globalen Trend habe sich grundsätzlich nichts geändert: "Der Luftverkehr wächst, nicht mehr so rasant, aber er wächst." Seite 6

Globalisierte Beziehungen

Der Flughafen bediene lediglich die Nachfrage: "Das Flugverhalten kommt von den Passagieren." In Nürnberg sind das zu etwa einem Fünftel Geschäftsreisende. Ein Drittel der verbleibenden Freizeitflieger fallen inzwischen in den sogenannten "VFR"-Bereich. Das Kürzel steht für Visiting Friends and Relatives (Besuche Freunde und Verwandte). In einer globalen Welt seien auch Familien- und Freundschaftsbeziehungen zunehmend globalisiert, sagt Albrecht. Und dies spiegle sich eben auch im Reiseverhalten wider.

Auf diese Reisen lasse sich weniger leicht verzichten, was auch eine Umfrage des Bayerischen Rundfunks zeigt. Dort gaben nur 8,6 Prozent der Menschen an, der Umwelt zuliebe auf Reisen zu verzichten. Der niedrigste Wert von allen. Am ehesten würden die Bayern mit 33 Prozent beim Verpackungsmüll sparen. Auch Reisebüro-Chefin Frankerl warnt davor, Reisen nur mehr negativ zu belegen. Gerade für die Völkerverständigung, aber auch für Persönlichkeitsentwicklung sei es wichtig, fremde Kulturen kennen zu lernen. "Und dafür ist Reisen einfach unersetzlich."

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