Lehrerverband schwört Eltern ein: Corona bleibt auch im neuen Schuljahr

Nicht wünschen sich Schüler und Eltern mehr, als einen normalen Start ins kommende Schuljahr. Der Lehrerverband BLLV dämpft die Hoffnungen und fordert Konsequenzen aus den bisherigen Corona-Erfahrungen an den Schulen.

Mit Herz aber wohl auch mit Absperrband: So wird es laut BLLV auch im neuen Schuljahr weitergehen
von Jürgen UmlauftProfil

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat vor zu hohen Erwartungen für den Start den neuen Schuljahres im September gewarnt. Die Politik dürfe die Schulen angesichts weiter bestehender Herausforderungen durch die Corona-Pandemie nicht überfordern, erklärte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann in München. "Wir wollen als Lehrkräfte nicht wieder die Deppenrolle haben, weil wir die von der Politik gemachten Ankündigungen mangels Personal und Ressourcen nicht umsetzen können", sagte sie.

Bislang gebe es aus dem Kultusministerium noch keine konkrete Aussage, ob die erwartete Personallücke an Grund-, Mittel- und Förderschulen geschlossen wird. Unklar sei zudem, wie die versprochene Zusatzförderung zum Füllen entstandener Stofflücken organisiert und abgedeckt werden soll.

Bitte nicht die Deppenrolle

Fleischmann betonte, die Lehrer tragen den Wunsch nach Digitalisierung des Unterrichts mit. Dies könne jedoch nicht "per Knopfdruck" realisiert werden. Eine professionelle Verzahnung von Präsenz- und Distanzunterricht brauche Zeit, das Problem sei mit der Ausgabe von Tablets an die Schüler nicht gelöst. Zudem dürfe der digitale Distanzunterricht nicht genutzt werden, um den Lehrermangel abzufedern. "Digitales Lernen darf nicht dazu führen, Lehrkräfte einzusparen", mahnte Fleischmann. Auch dürften die für die individuelle Betreuung eingesetzten Förderlehrer nicht als billige Arbeitskräfte im Regelunterricht "missbraucht" werden. Für eine gesicherte Unterrichtsversorgung und die ergänzenden Fördermaßnahmen brauche es zusätzliche Lehrer.

Sorge bereitet dem BLLV die Bildungsgerechtigkeit. Besonders Kinder mit schwächerem sozialen Hintergrund sind durch die eingeschränkte Beschulung weiter abgehängt worden, so das Ergebnis einer BLLV-Umfrage unter Lehrkräften. BLLV-Vize Tomi Neckov forderte deshalb weniger Auslese und mehr frühe individuelle Förderung an den Schulen. Auch das Sitzenbleiben müsse unabhängig von der Corona-Ausnahmesituation kritisch hinterfragt werden.

GEW: Höchstens 14 Schüler

Unterdessen hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für die rund 115 000 Schulanfänger im kommenden Schuljahr eine maximale Klassengröße von 14 gefordert. Nur in solchen Kleingruppen sei ein weitgehend störungsfreier Unterricht für die Erstklässler auch unter Corona-Bedingungen gewährleistet, teilte die GEW-Fachsprecherin Ruth Brenner mit.

An den Förderschulen sollten die 1. Klassen mit maximal sieben Kindern starten. Fleischmann wies den Vorstoß als "unredlich" zurück. Man wecke damit Hoffnungen, die unter anderem wegen des Lehrermangels nicht realisierbar seien.

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