Es war auf dem Polterabend einer Freundin. Ein warmer Sommerabend, viele Freunde, ein paar Bier. Die Stimmung war ausgelassen. Genau die Art Abend, an der man nicht darüber nachdenkt, wie man wirkt. Dann beugt sich ein entfernt Bekannter zu mir herüber, grinst und sagt: „Ach, du kannst ja doch lachen?“
Ein harmloser Satz, könnte man meinen. Genau darin liegt das Problem. Denn er setzt voraus, dass vorher etwas nicht gestimmt hat. Dass mein Gesicht erst in diesem Moment „richtig“ aussah. Plötzlich kommentiert jemand ganz selbstverständlich meine Mimik, als wäre sie öffentliches Eigentum. Natürlich war es nicht böse gemeint. Trotzdem macht es mich wütend. Muss ich dauerhaft wie die Grinsekatze aus "Alice im Wunderland" herumlaufen, damit sich niemand irritiert fühlt?
Manche würden mein Gesicht ein „Resting Bitch Face“ nennen – ein neutraler Gesichtsausdruck, der genervt oder unfreundlich wirkt, obwohl die Person nichts davon empfindet. Ja, mein Gesicht ist im Ruhezustand nicht das freundlichste. Aber da kann ich auch nichts dafür.
Zudem hat das Äußere oft wenig mit dem Inneren zu tun. Fröhlichkeit ist kein Dauerzustand im Gesicht. Man kann zufrieden und gut gelaunt sein, ohne ständig zu lächeln. Das Innenleben ist kein Schaufenster. Trotzdem wird genau das erwartet. Besonders von Frauen. „Lach doch mal mehr“, „Sei nicht so ernst“, „Du wirkst kühl.“ Wer nicht sofort liefert, wird schnell umgedeutet: Aus Ruhe wird Unfreundlichkeit, aus Neutralität Distanz.
Eine Freundin erlebt das regelmäßig im Berufsalltag. In ihrer männerdominierten Branche muss sie sich ohnehin ständig behaupten. Auch dort hört sie diese Sprüche: „Lach doch mal.“ Und sobald sie sich dagegen wehrt, gilt nicht die Bemerkung als problematisch, sondern sie selbst. Plötzlich ist sie die Schwierige.
Am Ende bleibt eine Frage: Was erwarten Menschen in solchen Momenten? Dass wir uns in eine „Grinsekatzen“-Version unserer selbst verwandeln? Ohne mich! Auch wenn ich solche Bemerkungen noch öfter zu hören bekomme und mich diese Aussage auf diesem Polterabend kurz gestört hat, konnte sie den Abend nicht ruinieren. Dafür war meine Laune am Ende zu gut – auch wenn ich sie nicht immer nach außen zeige.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

























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