Sex mit Minderjährigen - Haftstrafe für Triebtäter

Der Triebtäter vom ZOB Weiden wird die nächsten Jahre in Haft verbringen - und schon jetzt warnt Nebenklagevertreter Tobias Konze vor der Entlassung. Die Prognose des psychiatrischen Gutachters Dr. Bruno Rieder: "In jeder Hinsicht ernst."

Den Opfern blieb die Konfrontation mit dem Angeklagten (links, mit Verteidiger Rouven Colbatz) erspart. Im Bild von rechts: Nebenklagevertreter Monika Sehmsdorf und Tobias Konze, die jeweils eine Geschädigte vertraten.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Die 3. Jugendkammer am Landgericht Weiden schickt den 26-Jährigen am Dienstag für 4 Jahre und 3 Monate ins Gefängnis. Er hatte 2018 am ZOB (Zentralen Omnibusbahnhof) in Weiden gezielt Kontakt zu Schulmädchen geknüpft und diese auf verschiedene Weise dazu gebracht, mit ihm Sex zu haben. Richter Reinhold Ströhle scheut sich nicht vor deutlichen Worten: Der Angeklagte sei ein "geiler Bock", der sein ganzes Leben nur darauf ausgerichtet habe, seinem Sexualtrieb freien Lauf zu lassen. "Man muss sich nicht wundern, dass Sie nichts gearbeitet haben: Sie hätten dafür gar keine Zeit gehabt." Während des Tatzeitraums hatte er mit vier Minderjährigen Sex.

Ebenfalls "absolut erschütternd" war für den Richter auch die Erkenntnis, dass offenbar nicht wenige Mädchen einschlägige Fotos und Videos von sich selbst "durch die Gegend schicken".

Geschädigte waren 14- und 15-Jährige aus Weiden und dem Umland. Besonders leid tat es Ströhle um eine 14-Jährige, die sich ernsthaft verliebt hatte. Mit ihr sei ein völlig unbedarftes Mädchen schamlos ausgenutzt worden. Der Angeklagte sei äußerst manipulativ und perfide vorgegangen. Erst spielte er ihr die große Liebe vor, dann ließ er sie fallen wie eine heiße Kartoffel, bis sie schließlich alles tat, um ihn zurückzugewinnen.

Schon drei Kinder

Eine zusätzliche "Sauerei" war für den Richter, dass nie verhütet wurde: "Reiner Zufall, dass kein Mädchen schwanger wurde." Der Angeklagte hat bereits drei kleine Töchter mit zwei Frauen. Ströhle: "Wie viele Nachkommen wollen Sie auf diese Weise eigentlich noch in die Welt setzen?" Mit 4 Jahren 3 Monaten orientierte sich das Gericht eher an der oberen Grenze des in einem Verständigungsgespräch vereinbarten Korridors von 3 Jahren 10 Monaten bis 4 Jahren 6 Monaten.

Die Plädoyers hatten es zuvor ebenfalls nicht an Deutlichkeit mangeln lassen. Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf verglich den Angeklagten mit den Satyrn aus der griechischen Mythologie, oft in Bocksgestalt mit Ziegenbart dargestellt, wie ihn auch der Angeklagte trägt. "So einen unterleibsgesteuerten Angeklagten habe ich noch nie erlebt." Besonders schockierte den Staatsanwalt, dass der Angeklagte ungebremst weitermachte, als bereits Anzeige erstattet war. Selbst vor Gericht sah Schnappauf noch "einen gewissen Stolz" bei dem 26-Jährigen: "Da braucht man nicht auf dicke Hose machen. Das ist erbärmlich. Mickrig. Das zeigt das Selbstwertgefühl eines Würmchens." Bis heute sei kein Wort des Bedauerns erfolgt.

Der Angeklagte täte gut daran, sich therapieren zu lassen, meinte Tobias Konze, der die Nebenklage für eine Geschädigte vertrat. "Sein Leben ist mir dabei wurscht, der kann wegen mir wieder in den Knast gehen." Es gehe ihm vielmehr darum, dass sich in Zukunft derartiges nicht wiederhole. Anwältin Monika Sehmsdorf wies auf die andauernden Folgen für ihre Mandantin hin. Der öffentliche Prozess habe sie zusätzlich belastet.

Verteidiger Rouven Colbatz führte als "großen Pluspunkt" das Geständnis ins Feld, das allen Mädchen die Aussage vor Gericht erspart hätte. Der Angeklagte trat beim letzten Wort verblüffend eloquent auf: "Sehr geehrte Damen und Herren!" Eine Entschuldigung bei den Geschädigten sei durch die gerichtliche Kontaktsperre verhindert worden. Die zehn Monate Untersuchungshaft hätten ihm jetzt "die Augen geöffnet, dass es so nicht weitergehen kann". Er bat um eine "milde, aber gerechte Strafe": "Vielen Dank."

Weiden in der Oberpfalz

IQ unter Durchschnitt

Welche Persönlichkeit steckt hinter dem Angeklagten? Gutachter Dr. Bruno Rieder hat ein "blenderisches Auftreten" erlebt. Der unterdurchschnittliche IQ des 26-Jährigen grenzt eigentlich an Lernbehinderung. Er verließ die Hauptschule ohne Quali. Eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann wurde noch in der Probezeit vom Arbeitgeber beendet. Seither lebt er von Arbeitslosengeld.

Der Angeklagte wuchs mit Halbgeschwistern in Berlin, dann in Franken auf. Mit Elf stand er im Verdacht, die kleine Schwester missbraucht zu haben. Das Verhältnis zur Mutter war schlecht, dagegen habe er zu "vier seiner Stiefväter" noch Kontakt. Vom 16. bis 18. Lebensjahr lebte er in einer heilpädagogischen Einrichtung, ehe er zur Freundin nach Weiden zog. Der Psychiater sieht eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, die eine "gewisse Krankheitswertigkeit" habe, aber die Schuldfähigkeit nicht einschränke.

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