Söder gibt im Unions-Wahlkampf den Takt vor

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schaltet im Bundestagswahlkampf in den Angriffsmodus - auch mit einigen verbalen Spitzen gegen CDU-Chef Armin Laschet. Seine regionalen Parteifreunde stehen weiterhin geschlossen hinter ihm.

Noch nicht voller Einklang: CDU-Chef Armin Laschet (links) und CSU-Chef Markus Söder sind im Bundestagswahlkampf bisher nicht immer einer Meinung.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Stefanie Dippl will bald mit dem Wahlkampf starten. "Ab Mai geht es für mich so richtig los", sagt die 35-Jährige. Die Oberpfälzer Junge Union hat die JU-Bezirksvorsitzende aus Pressath (Kreis Neustadt/WN) nämlich als Spitzenkandidatin für die CSU-Landesliste zur Bundestagswahl nominiert. Angesichts der derzeitigen Umfragewerte ist aber völlig offen, ob sie es in den Bundestag schafft. "Angst hat man als Listenkandidatin natürlich immer", gibt sie zu.

Auch ihr Chef Markus Söder warnt. „Eines ist klar: Es wird wohl der schwierigste Wahlkampf der Union seit 1998. Die Umfragen zeigen kein gutes Bild. Und die Ausgangslage ist auch relativ schwierig“, sagte der bayerische Ministerpräsident dem "ZDF" und schob nach: Die Menschen wählten nicht Erfolge der Vergangenheit, sondern würden „Hunger und Ideenreichtum“ erwarten. Ausdrücklich verwies er zudem auf die Grünen, die mit Annalena Baerbock eine junge Kanzlerkandidatin „mit frischen Ideen“ ins Rennen schicken würden.

Umfrage sieht Grüne vorne

Stefanie Dippl findet es deswegen gut, dass ihr Parteichef Markus Söder den Wahlkampf modern gestalten will. "Die Grünen haben nicht umsonst so viel Vorsprung, sie spiegeln einfach das Hippe und Junge wider", sagt sie. Fünf Monate vor der Bundestagswahl hat die Union nach einer neuen Umfrage stark in der Wählergunst verloren und wurde von den Grünen von Platz eins verdrängt. Im "Sonntagstrend" des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag der "Bild am Sonntag" kommen die Grünen auf 28 Prozent, die Union nur noch auf 27 Prozent. Auch bei einer Kanzler-Direktwahl hätte Baerbock gute Karten, wie eine Insa-Befragung für die "Bild am Sonntag" ergab. Demnach würden 30 Prozent Baerbock direkt wählen, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz käme auf 20 Prozent und Laschet auf 18 Prozent.

Die Vorsitzende der Jungen Union Oberpfalz und Pressather Stadt- und Kreisrätin Stefanie Dippl ist zusammen mit Marco Gmelch, CSU-Stadtrat und Fraktionsvorsitzender in Neumarkt, Spitzenkandidatin des Bezirksverbands der Jungen Union Oberpfalz für die CSU-Liste bei der Bundestagswahl 2021.

Dass Söder selbst die Kanzlerkandidatur dem CDU-Chef Armin Laschet habe überlassen müssen, tue ihm nicht mehr weh, sagte er. Dennoch werden seine jüngsten Aussagen von vielen als verbale Spitzen gegenüber Laschet gewertet. "Mir war klar, dass wir einen neuen Aufbruch brauchen für die Union. Ich glaube nicht, dass es klug ist, nach den progressiven Merkel-Jahren eine Politik 'Helmut Kohl 2.0' aus der Vergangenheit zu machen. Das wäre viel zu altmodisch. Keiner will die alte Union aus den 90er-Jahren zurück. Wir brauchen einen politischen New Deal statt Old School", sagte Söder der "Süddeutschen Zeitung".

Zudem erwartet Söder von der Union ein Ergebnis von mehr als 30 Prozent. "Es muss schon ein Ergebnis sein, das deutlich über 30 Prozent liegt - näher an 35 Prozent", sagte er. Bei der Wahl 2017 konnten die Schwesterparteien zusammen 32,9 Prozent erzielen. Söder gibt also die Ziele und den Takt für den Wahlkampf vor.

Nicht immer die Kritik sehen

"Es wäre natürlich schon schön, wenn wir als CSU der Ideen- und Taktgeber der Union wären", erklärt Stephan Oetzinger schmunzelnd. Der CSU-Landtagsabgeordnete betont aber auch, dass es jetzt auf Geschlossenheit ankomme: "Umfragen sind das eine, die Wahlergebnisse im September aber das andere." Die Gefahr, dass die neuen Aussagen von Söder den Streit und die Diskussionen in der Union wieder neu anheizen würden, sieht er nicht. "Dass wir als CSU unsere politischen Vorstellungen äußern, ist ja nichts Neues. Die Aussagen von Markus Söder zeigen nur, dass wir inhaltlich nicht mit angezogener Handbremse unterwegs sind", findet Oetzinger. Schwandorfs Landrat, CSU-Politiker Thomas Ebeling, sieht das ähnlich und ergänzt: "Man sollte jetzt nicht in jeder politischen Äußerung von Markus Söder eine Kritik an Armin Laschet sehen."

Die verbalen Geschütze, die Markus Söder aufgefahren hat, sprechen aber eine andere Sprache. Denn der "Süddeutschen Zeitung" sagte Söder immerhin auch, er und Laschet hätten ein "unterschiedliches Verständnis von Demokratie". Zwar betonte der CSU-Chef, dass er Laschet unterstützten wolle. Doch gab er auch mit Blick auf den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten zu Bedenken: "Mich hat auch die Begründung der Kandidatur nicht überzeugt. Ich stehe für eine Modernisierung im Programm."

Kommentar: Spielen Sie dat Trömmelche, Herr Laschet!

Deutschland und die Welt

"Er musste das schon noch einmal klarstellen", springt Reiner Meier ihm zur Seite. Der 67-Jährige aus dem Landkreis Tirschenreuth will wie Stefanie Dippls über die Liste in den Bundestag einziehen. Er wurde von der bayerischen Senioren-Union nominiert. Meier war jahrelang Büroleiter von Söders Vorgänger und langjährigem CSU-Konkurrenten Horst Seehofer. Wer hier aber jetzt kritische Worte gegenüber dem aktuellen Parteivorsitzenden erwartet hat, liegt falsch. "Ich war damals natürlich loyal gegenüber Horst Seehofer. Markus Söder und mich verbinden aber auch viele freundschaftliche Kontakte", erklärt er.

Anders als Stefanie Dippl sieht er dem Wahlkampf entspannter entgehen. "Angst hatte ich noch nie. Wenn man auf einem Listenplatz kandidiert, ist man aber nie euphorisch", erklärt Meier. In den nächsten Monaten würden zu viele Faktoren eine Rolle spielen, um etwas voraussagen zu können. "Viel kommt auch darauf an, wie stark die FDP abschneidet", sagt er.

Die Kandidatin der Oberpfälzer Jungen Union will dagegen in den nächsten Monaten vor allem den Grünen den Kampf ansagen. "Die Grünen sind für mich der größte Gegner bei dieser Bundestagswahl", sagt sie. Denn Dippl misst den Umfragen - im Gegensatz zu anderen in der Union - schon eine hohe Bedeutung bei. "Ich glaube, dass sie das Meinungsbild der Gesellschaft gut abbilden", erklärt sie.

Für die 35-Jährige ist das also noch ein Grund mehr, ab Mai so richtig mit dem Bundestagswahlkampf für die CSU-Landesliste loszulegen.

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