Trotz dritter Welle über Ostern: Zehn Punkte, die Hoffnung machen

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Ärger um den Astrazeneca-Impfstoff, dritte Welle und Mutationen - trotz vieler Probleme gibt es Licht am Ende des langen Pandemie-Tunnels. Wir erklären Ihnen, warum wir berechtigte Hoffnung auf Besserung haben dürfen.

Hoffnung für eine 95-Jährige: Ethel Jean Murdoch (rechts) freut sich über ihre Corona-Impfung.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Ja, es nervt. Die dritte Welle schwappt besonders hoch durch die Oberpfalz und jetzt noch das neue Wirrwarr um den Astrazeneca-Impfstoff. Viele Unternehmer kämpfen gegen die Insolvenz und auf den Intensivstationen die Menschen ums Überleben. Was wir jetzt nach über einem Jahr Pandemie brauchen, ist Hoffnung. Wir wollen Ihnen das Licht am Ende des Tunnels zeigen - mit zehn Fakten. Denn vor allem an Ostern ist es wichtig, nach vorne zu blicken.

Es kommen mehr Impfstoffe

Vom 5. April bis 1. Mai werden knapp 15 Millionen Impfdosen in Deutschland erwartet - also mehr, als in den ersten drei Monaten des Jahres verteilt wurden. Nach Bayern sollen im Zeitraum ab dem Ostermontag bis einschließlich 18. April 526.500 Dosen von Biontech, 115.200 Dosen von Astrazeneca und 70.800 Dosen von Moderna geliefert werden. Für das zweite Quartal plant die Bundesregierung mit rund 70 Millionen Impfdosen.

Erfreuliche Nachrichten kommen zudem von Biontech. Das Mainzer Unternehmen will 2021 mehr Impfstoffe als geplant produzieren - bis zu 2,5 Milliarden Dosen. Große Hoffnungen ruhen auch auf Johnson & Johnson. Das Vakzin des US-Konzerns dürfte erstmals in der zweiten Hälfte des Monats April nach Deutschland kommen. Die Bundesregierung hat insgesamt 36,7 Millionen Dosen von Johnson & Johnson bestellt - und die zählen ja quasi doppelt, weil hier nur ein Impftermin ausreicht.

Die Tübinger Firma CureVac rechnet für Ende Mai oder Anfang Juni mit einer Zulassung in der EU. Außerdem wird der russische Impfstoff Sputnik V geprüft, er könnte also bald als zusätzliche Option hinzukommen.

Das Impfversprechen gilt immer noch

Auch nach dem erneuten Umdenken bei Astrazeneca, also den Impfstoff vorwiegend nur noch für Menschen ab 60 Jahren zu verwenden, bleibt die Bundesregierung bei ihrem Versprechen: Jedem Bürger in Deutschland soll bis zum Ende des Sommers 2021 ein Impfangebot gemacht worden sein. Das bestätigten am Dienstag nochmals Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Rahmen einer Pressekonferenz.

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Die Impfstoffe schützen gut vor einer Covid-Erkrankung

Die in Deutschland aktuell wichtigen Impfstoffe Biontech, Moderna und Astrazeneca schützen gut bis sehr gut vor einer Covid-19-Erkrankung. Bei der Wirksamkeit gibt es Unterschiede - Biontech und Moderna sind bis zu 95 Prozent, Astrazeneca bis zu 80 Prozent wirksam. Dieser Wert besagt bei den Corona-Impfstoffen, um wie viel Prozent eine Impfung die Wahrscheinlichkeit verringert, dass jemand überhaupt an Covid-19 erkrankt. Viel wichtiger ist aber, dass die Impfstoffe bisher besonders gut schwere bis tödliche Krankheitsverläufe verhindern - wie viele Mediziner und Experten zuletzt immer wieder bestätigten.

Biontech schützt die Jüngeren besonders gut

Der Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer ist ersten Studienergebnissen zufolge bei Jugendlichen noch wirksamer als bei Erwachsenen. In der Zulassungsstudie für den Einsatz bei 12- bis 15-Jährigen habe das Vakzin sehr hohe Antikörperantworten gezeigt, teilten die beiden Firmen erstmals am Mittwoch mit. Der Impfstoff sei gut vertragen worden und habe eine Wirksamkeit von 100 Prozent gegen Covid-19 geboten.

Ugur Sahin ist Vorstandsvorsitzender von Biontech. Das Unternehmen schreibt aktuell positive Schlagzeilen mit seinem Corona-Impfstoff.

Zum Vergleich: Die aktuelle Zulassung für den Einsatz ab 16 Jahren basiert auf einer Wirksamkeit von 95 Prozent. "Die ersten Ergebnisse der Studie bei Jugendlichen deuten darauf hin, dass Kinder durch die Impfung besonders gut geschützt sind", sagte Biontech-Chef Uğur Şahin. Die beiden Unternehmen testen das Vakzin nun auch bei Kindern ab dem sechsten Lebensmonat bis zum 11. Lebensjahr.

Die Impfstoff-Kontrollen sind hart und wirken

Ja, in den letzten Wochen gab es einige Meldungen um den Astrazeneca-Impfstoff, die viele Menschen verunsichern. Dennoch ist es auch ein Zeichen dafür, dass die Ständige Impfkommission und das Paul-Ehrlich-Institut in Deutschland sehr sensibel auf neue Erkenntnisse reagieren und schon bei seltensten Risiken vehement einschreiten oder die Politik alarmieren.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Es hat sich bestätigt, dass die Sinusvenenthrombose eine Nebenwirkung des Impfstoffs ist, und sie ist vor allem bei jüngeren Frauen etwas häufiger, als wir das gedacht haben. Ursprünglich ging man davon aus, dass sie bei einem von 250 000 Fällen auftritt. Jetzt könnte es sein, dass das Risiko doch etwas höher ist und mehr als eine von 100 000 geimpften Frauen betroffen ist."

Heißt: Die Nebenwirkung ist immer noch sehr selten, aber verläuft zumeist schwer - Bund und Länder gehen jetzt mit der Einschränkung des Impfens ab 60 Jahren einen kompromisslosen und vor allem datenbasierten Schritt.

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Die Hausärzte legen los, die Betriebsärzte folgen

In Bayern legten bereits vor Ostern 1635 Hausarztpraxen mit dem Impfen los. Jede Praxis habe im Schnitt 20 Impfdosen erhalten, erklärte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek in einer Pressemitteilung. "Es ist zwar nur eine kleine Menge, aber damit können wir schon jetzt in den nächsten Gang schalten." Nach Ostern sollen alle restlichen bayerischen Hausärzte Impfstoff von den Apotheken und vom Großhandel erhalten.

Laut Bild-Angaben sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstagnachmittag in der Unionsfraktionssitzung, schon in der zweiten Aprilhälfte werde es „Wochen geben, in denen die Hausärzte mehr Impfdosen bekommen als die Impfzentren“.

Auch die Betriebsärzte sollen laut Aussagen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder spätestens Ende April oder Anfang Mai in die Impfstrategie mit einbezogen werden. Im April werde es bei größeren Arbeitgebern bereits rund zehn Modellprojekte geben, sagte Söder auf einer Pressekonferenz.

Flexible Anpassungen gegen Mutanten

Mutationen gehören zu Viren leider dazu. Aber: Wir sind ihnen nicht hoffnungslos ausgeliefert. Alle Impfstoffhersteller haben die Entwicklungen im Blick und passen ihre Vakzine an. Bei mRNA-basierten Impfstoffen kann das sogar innerhalb von bis zu sechs Wochen geschehen. Aber auch der britische Pharmakonzern Astrazeneca will bereits im kommenden Herbst die nächste Generation seines Corona-Vektorimpfstoffes auf den Markt bringen, der noch besser vor kursierenden Virus-Varianten schützen soll.

Und selbst eine mögliche Super-Mutante, die gegen alle Impfstoffe immun ist, würde nicht das endgültige Ende der Impfkampagne bedeuten. Wie Biontech-Gründer Uğur Şahin gegenüber der Bild-Zeitung erklärte, arbeite man bereits mit der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und der US-Arzneimittelbehörde an einer Blueprint-Studie. "Wenn die erfolgreich ist, können wir beim Auftauchen einer Super-Mutante den Impfstoff auch ohne klinische Studie innerhalb von sechs Wochen anpassen. Diese Studie wird vermutlich vier bis fünf Monate dauern", sagte Uğur Şahin.

Der Sommer kann gut werden

Selbst der oft vorsichtige Karl Lauterbach (SPD) hat Hoffnung auf Besserung im Sommer.

Es wird sicher kein normaler Sommer in diesem Jahr werden, aber die Angaben von Experten verdichten sich, dass wir hoffnungsvoll auf eine entspanntere Lage in der zweiten Jahreshälfte blicken können. Selbst SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der nicht gerade für seine optimistischen Prognosen bekannt ist, hält eine Verbesserung der Corona-Lage im Sommer für möglich. Das bekräftigte er in mehreren Interviews. Auch Biontech-Gründer Uğur Şahin äußerte sich ähnlich in einem Spiegel-Interview: "Bis zum Spätsommer sollten wir die Pandemie deutlich besser unter Kontrolle haben."

Bundesregierung kann keine Weltverschwörung

Die letzten Wochen sollten alle Querdenker endgültig beruhigt haben, die befürchten, dass die Bundesregierung an einer Weltverschwörung beteiligt ist. Wer selbst bei der Planung einer Osterruhe für Deutschland bürokratische Hürden nicht bezwingen kann, scheitert wohl sicher an einer so globalen Aufgabe. Und macht dann Bayern die Weltverschwörung anders als Sachsen-Anhalt oder das Saarland? Und jetzt im Ernst: Politiker machen einen Fehler, geben diesen öffentlich zu und ernten dafür sogar hauptsächlich Respekt. Auch dieses Phänomen stimmt doch irgendwie hoffnungsvoll.

Deutschland kann bald wieder Krise

Die Coronakrise hat die Schwachstellen des deutschen Verwaltungsapparates schonungslos offengelegt. Zu lange Entscheidungswege, fehlende Digitalisierung und Kompetenz-Wirrwarr - die Politik wird ihre Lehren daraus ziehen und in den nächsten Krisen souveräner agieren. Das kündigten bereits zahlreiche deutsche Spitzenpolitiker an.

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