17.05.2021 - 00:00 Uhr
Adertshausen bei HohenburgOberpfalz

Altbürgermeister Gerhard Schärl feiert seinen 70. Geburtstag

Am heutigen Montag kann der Hohenburger Altbürgermeister Gerhard Schärl seinen 70. Geburtstag feiern. Langweilig ist ihm nicht - denn auch im vermeintlichen Ruhestand wartet auf ihn täglich ein gut gefüllter Terminplan.

Die Hohenburg hat Altbürgermeister Gerhard Schärl mmer im Blickfeld. Selbst wenn er zuhause aus dem Wohnzimmerfenster schaut, sieht er das trutzige Mauerwerk hoch über dem Lauterachtal
von Paul BöhmProfil

Am heutigen Montag kann der Hohenburger Altbürgermeister Gerhard Schärl seinen 70. Geburtstag feiern. Langweilig ist ihm nicht - denn auch im vermeintlichen Ruhestand wartet auf ihn täglich ein gut gefüllter Terminplan. "Angenehme Dinge und natürlich die Familie stehen jetzt mehr im Vordergrund", sagt er. Gerhard Schärl hat immer noch gut zu tun und manchmal fragt er sich schon, wie früher das alles machbar gewesen ist. Bürgermeisteramt, Beruf und ganz noch nebenbei die kleine Landwirtschaft.

Seine Lieblingsbeschäftigung seien zwar Motorradfahren und Reisen - in die neuen Bundesländer oder auch nach Tschechien. "Ich möchte noch viel sehen von der Welt, doch dies ist derzeit Pandemie-bedingt leider nicht möglich", sagt er. "Die große Geburtstagsfeier wird auch wegfallen. Aber ich bin sowieso nicht der Freund der großen Feste." In normalen Zeiten wäre er irgendwo unterwegs gewesen, um sich zusammen mit seiner Frau Edeltraud ein paar schöne Tage zu machen. "Doch mittlerweile ist es so, dass ich viel Zeit mit meinen beiden Enkelkindern verbringe und das ist mehr als ein gleichwertiger Ersatz dafür", erzählt er. "Ich freue mich umso mehr, im wunderschönen Lauterachtal zu Hause sein zu können." Er nutze auch gern die Gelegenheit, den gleich hinter seinem Haus vorbeiführenden Jurasteig zu begehen oder eine Radltour entlang des Fünf-Flüsse-Radweges zu unternehmen.

Die Landwirtschaft, die er zu Beginn seiner Bürgermeister-Tätigkeit im Nebenerwerb betrieb, hat Schärl "fast auf Null" zurückgefahren. Etwas Wald hat er noch - "und ich gehe gern ins Holz". Als er 1990 zum Gemeindeoberhaupt gewählt wurde, übte er das Amt zwei Wahlperioden ehrenamtlich aus. Im Hauptberuf war er als Zimmerermeister Fachlehrer für Zimmerer und Maurer an der Berufsschule in Amberg. Nach der Wahl 2002 wurde er hauptberuflicher Rathauschef und blieb das bis 2014.

In seine 24-jährige Amtszeit fielen in den acht Ortsteilen umfangreiche Kanalbaumaßnahmen, Baugebiets- und Gewerbegebietsausweisungen. Maßnahmen, die die Gemeindekasse ständig beanspruchten. Ein markantes Datum war die Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) mit Schmidmühlen. "Das Zusammenwachsen hatte damals einfach nicht sein sollen", nennt Schärl als Hauptgrund dafür. In der Bevölkerung habe es immer Widerstand gegeben: "Die Leute wollten das damals nicht." Etwa die Ransbacher, die 20 Kilometer nach Schmidmühlen hatten, ohne eine durchgehende Busverbindung. Und in Hohenburg stand das historische Rathaus, das damals für viel Geld hergerichtet wurde, aber in der VG keinen rechten Zweck mehr erfüllte, quasi leer.

Zwei Dinge haben Schärl in seiner Amtszeit sehr bewegt, erzählt er. "Zum einen ab 2005 der Bau der großen kommunalen Photovoltaik-Anlage im Industriepark, die als Erste im Megawattbereich in Bayern ans Netz ging." Für das 5,3-Millionen-Projekt habe die Gemeinde ordentlich Schulden aufnehmen müssen. Weil man kein Vorbild gehabt habe, wie so etwas in der Praxis laufen könnte. "Hoffentlich geht das gut", sei es ihm damals durch den Kopf gegangen. "Wenn ich heute die Anlage betrachte, kann ich sagen, dass der Gemeinderat das damals zugunsten des Klimaschutzes und der Gemeindekasse richtig gemacht hat." Zum anderen sei es die Sache mit den widersinnigen Ausgleichsleistungen: Denn einen Liegenschaftssteuerausgleich für das an den Truppenübungsplatz Hohenfels abgetretene Gebiet erhalten auch heute nur der Markt Hohenfels und Velburg, sonst keine andere betroffene Anliegergemeinde. "Das ist damals anders versprochen gewesen", doch habe eine Falschinformation der Ministerialverwaltung den entsprechenden Landtagsbeschluss ausgehebelt.

Gerhard Schärl empfindet das als himmelschreiende Ungerechtigkeit. "Ich begreife auch heute noch nicht, warum der Staat da nicht zu seinem Wort steht." Hohenburg hätte davon gewaltig profitiert. Nach seinem Loslassen aus dem Bürgermeisteramt im Jahr 2014 hat er immer wieder mitgearbeitet, diese Entscheidung der Staatsregierung auf den richtigen, gerechten Weg zu bringen. "Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass die Politik für die Beendigung der Ungleichbehandlung der acht Landkreis-Anliegergemeinden sorgt."

Hohenburg kämpft nicht allein gegen die Ungleichbehandlung

Amberg
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