07.11.2019 - 14:50 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Wovor hast du Angst?

„Wenn du Deutsch nicht verstehst, fühlst du dich wie ein Blinder.“ So beschreibt ein Schüler mit Fluchterfahrung beim Projekttag an der Mittelschule Altenstadt das Gefühl nach seiner Ankunft in Deutschland.

Schüler mit und ohne Fluchterfahrung nehmen an einem Projekttag an der Mittelschule teil. Das Ziel: ein Umdenken anzuregen und gegenseitiges vorurteilsfreies Verständnis zu fördern.
von Externer BeitragProfil

20 Schüler mit und ohne Fluchterfahrung nahmen an der Mittelschule Altenstadt an einem Projekttag teil, den Studierende der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik in Weiden zusammen mit ihrer Lehrkraft Dr. Barbara Neuber für sie organisiert hatten. Bereits im vergangenen Schuljahr war der Kontakt mit Förderlehrerin Katharina Scherl entstanden. Als Referenten für den Projekttag luden die Studierenden Werner Damböck von Mischkultur e. V. aus Regensburg ein, der mit seinem Programm „Globales Lernen an Schulen mit Flüchtlingsbeschulung“ das Ziel verfolgt, bei den Schülern ein Umdenken anzuregen und ein gegenseitiges vorurteilsfreies Verständnis für die Situation der jeweils anderen zu schaffen.

Für die Finanzierung wurde das Projekt durch "Neustadt lebt Demokratie" im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben" des Bundesfamilienministeriums gefördert. Zu Beginn wurden die Kinder und Jugendlichen aus unterschiedlichen Klassen in Gruppen mit Fluchterfahrungen und Gruppen ohne Fluchterfahrung aufgeteilt. Die erste Aufgabe bestand dann darin, sich jeweils in die Lage der anderen hineinzuversetzen. „Stell dir vor, in Deutschland ist Krieg und du musst fliehen. Was tust du? Was nimmst du mit? Wovor hast du Angst?“, lauteten die zentralen Fragestellung bei den einen. Bei den anderen: „Stell dir vor, in deinem Land ist Frieden und plötzlich kommen viele Geflüchtete in deine Nachbarschaft und deine Klasse. Was denkst du? Wovor hast du Angst?“

Die Schüler diskutierten und hielten ihre Ergebnisse für eine spätere Präsentation fest. Im Anschluss daran wurde in gemischten Gruppen ein Quiz veranstaltet, bei dem die Kinder und Jugendlichen unter anderem erfuhren, dass 51 Prozent aller Flüchtlinge weltweit unter 18 Jahren und damit weitgehend in ihrem eigenen Alter sind.

Ein weiteres Thema waren vermeintlich „typische“ Eigenschaften von Deutschen oder Geflüchteten, die die Schülergruppen nennen sollten, um anhand dessen das Problem von Stereotypen und Vorurteilen zu veranschaulichen. Damböck machte den Kindern und Jugendlichen damit deutlich, dass Eigenschaften eben nie einer ganzen Gruppe von Menschen zugeschrieben werden können.

Nach einem Dokumentarfilm über zwei junge Flüchtlinge in Regensburg, die von ihren Hoffnungen und Problemen in Deutschland berichten, bekamen die Schülerinnen und Schüler in der abschließenden Diskussion selbst die Gelegenheit, ihre Erfahrungen darzustellen, ebenso wie ihre Ängste und Hoffnungen im gemeinsamen Alltag in Deutschland als Heimatland für die einen und Ankunftsland für die anderen. Wie alleine die fremde Sprache ein psychisches Problem für viele darstellen kann, verdeutlichte ein Schüler mit Fluchterfahrung aus einer 9. Klasse: „Wenn du Deutsch nicht verstehst, fühlst du dich wie ein Blinder.“

Schüler mit und ohne Fluchterfahrung nehmen an einem Projekttag an der Mittelschule teil. Das Ziel: ein Umdenken anzuregen und gegenseitiges vorurteilsfreies Verständnis zu fördern.
Schüler mit und ohne Fluchterfahrung nehmen an einem Projekttag an der Mittelschule teil. Das Ziel: ein Umdenken anzuregen und gegenseitiges vorurteilsfreies Verständnis zu fördern.
Schüler mit und ohne Fluchterfahrung nehmen an einem Projekttag an der Mittelschule teil. Das Ziel: ein Umdenken anzuregen und gegenseitiges vorurteilsfreies Verständnis zu fördern.
Die Schüler brüten über ihren Aufgaben.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.