Es gibt Menschen, die bildhaft ausgedrückt ständig bergauf bremsen. Einer aus dieser Kategorie saß vor dem Amtsgericht: Statt nach 17 Vorstrafen endlich einsichtig, gibt es permanent neue Rechtsverstöße von ihm.
Am zutreffendsten drückte es die Bewährungshelferin des Angeklagten aus. Sie beschrieb ihn wie folgt: "Er hat eine sehr individuelle Auslegung von Regeln und Gesetzen." Das, so erfuhr Amtsrichterin Nadine Sand aus den Akten, geht seit Jahrzehnten so und brachte dem Mann aus Amberg etliche Gefängnisaufenthalte ein. Nach seiner letzten Straftat bekam der Unterstützungsempfänger ausnahmsweise wieder einmal Bewährung. Doch diese Gunst der Justiz wurde schlecht gelohnt.
Die in der Anklageschrift aufgeführten Begebenheiten trugen, wenn man so will, tragikomische Züge und wurden im Prozessverlauf so ausgedrückt: "Völlig unnötig." Die Richterin wunderte sich zunächst über einen Brief, den der 61-Jährige im Juli letzten Jahres an die Amberger Staatsanwaltschaft geschrieben hatte. Dabei gab er sich als Fahrer eines Wagens zu erkennen, den Polizeibeamte kurz zuvor im Stadtgebiet kontrolliert hatten.
Frau nahe an Alkoholvergiftung
Es musste weiter ausgeholt werden, um die kuriose Sachlage zu erörtern. Ein Zeuge hatte damals die Polizei angerufen und mitgeteilt, da kurve jemand betrunken mit einem Auto herum. Als ein Streifenwagen am genannten Ort eintraf, stand der Pkw auf einem Parkplatz. Auf dem Fahrersitz saß eine Frau, die nahe an der Alkoholvergiftung war. Sie hatte annähernd drei Promille. Außer ihr war niemand weit und breit.
Wie sich später ergab, handelte es sich um die Lebensgefährtin des 61-Jährigen. Sie hatte seit langem keinen Führerschein mehr und sollte wohl durch das Schreiben an die Ermittlungsbehörde aus der Schusslinie genommen werden. Dieser merkwürdige Anlauf aber scheiterte kläglich. "Ich wollte sie entlasten", hörte die Richterin jetzt und konterte, damit sei der Vorwurf einer versuchten Strafvereitelung wohl erwiesen.
Über 300 Euro Beute
Es kam noch seltsamer in dieser Verhandlung. Im Herbst 2021 wurde in den Hofladen eines landwirtschaftlichen Anwesens im nördlichen Kreis Amberg-Sulzbach eingebrochen. Der Täter drückte die Zugangstüre auf, bediente sich mit Wurst und nahm aus der von ihm gewaltsam geöffneten Geschäftskasse über 300 Euro mit. Der Beutezug war von einer Videokamera aufgenommen worden, die den 61-Jährigen jetzt bei der "Filmvorführung"
im Gerichtssaal als Hauptdarsteller zeigte.
Die Leute vom Bauernhof hatten den Mann kurz nach dem Einbruch auf dem Video sofort erkannt. Er war, wenn man so wollte, ein Ex-Kollege und hatte auf dem Gut schon einmal gearbeitet. Jetzt gab er den Diebstahl sofort zu und führte zur Erklärung an: "Wir haben damals in der Nähe gezeltet. Da hat es an Lebensmitteln gefehlt." Also sei er mit dem Rad hingefahren, habe Salami geholt und, quasi als Beiprodukt, gleich auch noch Geld aus der Kasse mitgenommen.
Seine Geständnisse wurden dem Beschuldigten angerechnet. Doch eine weitere Chance, den erneuten Marsch hinter Gittern zu stoppen, gab es nicht. "Bei 17 Vorstrafen erübrigt sich das", unterstrich Richterin Sand und verhängte 15 Monate Freiheitsentzug. Wenn demnächst die dem 61-Jährigen in seiner bisher vorletzten Verhandlung gewährte Bewährung widerrufen wird, gesellt sich noch ein weiteres halbes Jahr hinzu. Falls er zu Geld kommt, muss der Verurteilte die aus dem Bauernhof gestohlenen 300 Euro zurückzahlen. Auch das schrieb die Vorsitzende in ihre Entscheidung.













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