13.09.2021 - 15:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Bei 18 Vorstrafen bedeutet eine gestohlene Decke vier Monate Haft

Gut, dass es Überwachungskameras gibt. Nur sollten sie manchmal schärfere Bilder liefern. Dann wäre es einer Amtsrichterin womöglich gelungen, statt einem gleich zwei Fälle von Kleinkriminalität aufzuklären.

Ein Strafgesetzbuch (StGB) steht im Gericht auf dem Richtertisch.
von Autor HWOProfil

Der Täter erschien heuer kurz nach der Weihnachtszeit hinter einem Geschäftsanwesen im Dreifaltigkeitsviertel, strebte mit raschem Schritt der Terrasse zu und nahm einen Karton an sich, den wohl der Paketbote dort abgelegt hatte. "Ich wusste nicht, was drin war", gestand ein 30-Jähriger nun vor Amtsrichterin Sonja Tofolini in Amberg. So geriet der Diebstahl für ihn zu einer Art Lotterie. Als er die geklaute Schachtel später öffnete, stieß der Mann auf eine Decke und war enttäuscht.

Der dreiste Karton-Coup ereignete sich um 15.25 Uhr. Eine Videokamera zeichnete ihn streckenweise auf. Die von der Richterin angeordnete Vorführung der Filmsequenz erübrigte sich eigentlich. Denn zuvor schon hatte der Mann zugegeben: "Das war ich." Um 19.14 Uhr löste sich ein Bewegungsmechnismus in der Kamera erneut aus. Diesmal kamen gleich zwei männliche Gestalten, die zum Zweck des Beutemachens erschienen. Als sie gingen, fehlten ein paar kleinere Sachen, die sich vor dem Haus befanden. Darunter, wie Oberstaatsanwalt Tobias Kinzler zitierte, "zwei Deko-Weihnachtsmänner." Großer Schaden entstand nicht. Er lag bei 150 Euro. Auch dieser Videostreifen wurde in dem zum Kinovorführraum umfunktionierten Gerichtssaal mehrfach abgespielt. Verbunden war das allerdings mit Rätseln. Die Gesichter des diebischen Duos ließen sich nicht erkennen und der den Angeklagten verteidigende Anwalt Jörg Jendricke trug energisch vor: "Mein Mandant war nicht vor Ort".

"Das muss dann schon ein dummer Zufall gewesen sein", wunderte sich Oberstaatsanwalt Kinzler und zitierte aus den Akten. Dort stand, dass der mit 18 Vorstrafen erschienene Beschuldigte vor Polizeibeamten sehr wohl seine Anwesenheit zugegeben hatte. Allerdings mit der Einschränkung, er könne sich wegen damals konsumierter Drogen nicht erinnern, wer ihn denn begleitet habe.

Fazit nach zwei Stunden: Der Weihnachtsmänner-Diebstahl blieb ungesühnt, weil letzte Zweifel an der Täterschaft des 30-Jährigen nicht ausgeräumt werden konnten. Doch für das zuvor entwendete Paket, aus dem eine Decke im Wert von 35 Euro ans Tageslicht kam, gab es vier Monate Haft - angesichts vieler Vorahndungen zum Absitzen im Gefängnis. Dort ist der Amberger momentan schon wegen anderer Delikte für ein knappes Jahr untergebracht. Warum er sich an den Tatort begab, blieb ungeklärt. Schon allein deswegen: "Ich kannte die dort wohnenden Leute nicht."

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