07.03.2020 - 15:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Abgesagte Amberger Baumesse: Veranstalter und Aussteller "in Schockstarre"

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Potenzielle Besucher sind im Bilde: Kaum einer kommt am Samstag zum ACC, um sich die sonst so beliebte Baumesse anzusehen, die am Freitagnachmittag wegen des Coronavirus abgesagt wurde. Über die kurzfristige Maßnahme herrscht dennoch Ärger.

Nein, hier wird nicht auf-, sondern abgebaut: Bereits am Freitagabend begannen die Aussteller nach der kurzfristigen behördlichen Absage der Amberger Baumesse im ACC ihre Sachen zu packen - nicht ohne gewissen Frust und Ärger auf die Behörden.
von Thomas Amann Kontakt Profil

"Das ist der absolute Wahnsinn mit diesem Virus. Die sollen die Leute nicht so hysterisch machen." Christian Naber ist überrascht, als er am Samstagvormittag am ACC-Eingang auf die bereits abbauenden Aussteller trifft. Er zählt zu den Wenigen, die die Absage der zweitägigen Messe erst vor Ort erfahren. Er ärgert sich über diese kurzfristige behördliche Anordnung, und dass sein Weg von Schnaittenbach nach Amberg somit umsonst war. Doch es sind nicht wirklich viele Menschen, denen es am Samstag so geht; die meisten haben es offensichtlich rechtzeitig mitbekommen und bleiben dem ACC fern.

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Wenigstens hat diese Info geklappt und es stehen nicht Schlangen von verärgerten und zwangsläufig verhinderten Besuchern vor der Tür. Das ist aber im Grunde das einzig Positive, was Veranstalter Thomas Resch und seine Ehefrau Cornelia dieser außergewöhnlichen Situation abgewinnen können. Beide befinden sich noch "in Schockstarre" über das, was da am Freitag um 15.31 Uhr passiert ist. Zu diesem Zeitpunkt kam die Mail mit der Anweisung des Ordnungsamtes, die 25. Amberger Baumesse abzusagen, ausgerechnet diese als Jubiläum geplante Veranstaltung, die seit 25 Jahren eine feste Größe im ACC, in Amberg und der Region ist.

Das ist sie nicht nur für die Besucher, sondern auch die vielen Aussteller, die jedes Jahr mit großen Erwartungen dabei sind, wie Thomas Resch berichtet. Die meisten von ihnen hätten die Kontakte, die sie hier zu potenziellen Kunden knüpfen oder auch Aufträge, die nicht selten konkret erteilt werden, fest in ihr Geschäft eingeplant. Dass die rund 100 Firmen jetzt erst mal mit leeren Händen und bis zu einem Ersatztermin wieder gehen müssen, trifft viele tatsächlich hart.

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Doch auch Thomas Resch und sein Unternehmen Systema Projekte fühlen sich am Freitag und Samstag, "wie wenn uns der Boden unter den Füßen weggezogen wurde". Dazu trug vor allem die Kurzfristigkeit der übermittelten Hiobsbotschaft bei. Noch bis Donnerstag - nein, sogar bis zu jener Mail - herrschte die Überzeugung, dass die regionale Messe trotz der drei bestätigten Coronavirusfälle einer Familie aus Kümmersbruck mit entsprechenden Hygienehinweisen an die Besucher stattfinden kann. Dass es dann um 15.31 Uhr "ohne Vorwarnung" ganz anders kam, findet Resch "schade", wiewohl er weder der Stadt noch anderen involvierten Behörden einen Vorwurf macht. Dennoch möchte er Anfang nächster Woche so rasch wie möglich am liebsten mit Oberbürgermeister Michael Cerny und Landrat Richard Reisinger ein Treffen, um diese Entwicklung nachzubesprechen und möglichst bald einen passenden Ersatztermin für die Jubiläums-Baumesse zu finden - natürlich wieder im ACC, das sich als bester Ort für diese Schau erwiesen habe und auch umgekehrt von ihrer Resonanz und Kontinuität profitiere. Wenn zum Beispiel wenigstens am Donnerstag erste Signale oder Hinweise gekommen wären, "hätten wir noch einiges stoppen können", betont Resch. Nun fühlten er und seine Aussteller sich "wie ein Marathonläufer, der fast die ganze Strecke gelaufen ist und zehn Meter vorm Ziel gstoppt wird".

Dennoch bewahrte der erfahrene Veranstalter am Freitagnachmittag nach einem "tiefen Durchschnaufen" kühlen Kopf und ließ gleich auf allen Kanälen via Amberger Zeitung, Onetz, andere Medien, auf der Firmenhomepage und der eigenen Facebook-Seite die Nachricht verbreiten. Alle Aussteller bekamen sofort zusätzlich eine Mail, bereits im ACC anwesende oder ihre Vertreter holte Resch in einem Raum zusammen und informierte sie persönlich. Von der ganzen Entwicklung ist der Profi aus Hauzenberg trotzdem "sehr, sehr geplättet" und hofft nun, dass sie keine Auswirkungen auf den guten Ruf der Messe und das Vertrauen seiner langjährigen Kunden hat. Zumindest zu Letzterem braucht sich der Niederbayer wohl keine großen Sorgen machen. Die Aussteller wussten am Samstag sehr wohl zu unterscheiden, keiner machte dem Veranstalter einen Vorwurf, der seinerseits "als guter Dienstleister alle Hebel in Bewegung setzen will, um zu retten, was zu retten ist". Denn für alle sei "massiv viel Aufwand entstanden für nix". Zu vielen seiner treuen Kunden hat Resch nach eigenen Aussagen in den vergangenen 25 Jahren "kleine Freundschaften aufgebaut - wir sind eine große Familie geworden".

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Hintergrund:

Aussteller schimpfen auf Behörden

Bis Mittwoch hatte Schreinermeister Wolfgang Wacker aus Stulln noch nahezu fest damit gerechnet, dass die Amberger Baumesse wegen der Coronavirus-Entwicklung in der Region abgesagt werden würde. Klar freute er sich, als dann nichts geschah und noch am Donnerstag und Freitag bis Nachmittag der Eindruck herrschte, nichts dergleichen würde passieren, alles finde wie geplant statt. Dass die Absage derart kurzfristig und nach seinen Worten "auf den letzten Drücker" kommt, ärgert den Unternehmer, weil er zu diesem Zeitpunkt seinen kostenpflichtigen Standaufbau im ACC abgeschlossen hatte.

"Die müssten doch einen Funklen Hirn haben und so etwas früher sagen", wirft er den verantwortlichen Behörden - nicht dem genauso überraschten Veranstalter - vor. Nach seiner Ansicht hätte man diese Entscheidung bereits am Donnerstag oder spätestens Freitagmorgen treffen können - und nicht erst, wenn alle Aussteller zum großen Teil von auswärts angereist sind und ihre Präsenz mit viel Mühe und Manpower schon aufgebaut haben. Dafür, findet der Handwerksmeister, müsste man den Verantwortlichen die Rechnung präsentieren.

Zusammen mit Fensterbauer Karl Standecker von der gleichnamigen Firma aus Hahnbach denkt Wacker nun darüber nach, tatsächlich alle Kosten sämtlicher betroffenen Messeteilnehmer auflisten zu lassen und an die Behörden zu schicken - mit einer dicken Beschwerde, was hier "für ein Aufwand für nix und wieder nix verursacht wurde". "Weil das Leute entscheiden, die von der Praxis keine Ahnung haben", zürnt der Schreinermeister und schildert den Gegensatz zu sich selbst: Er müsse für jeden "Bock", den seine Firma baue, selber geradestehen und könne das nicht den Kunden anlasten.

Diese Torte wollte ACC-Chefin Petra Strobl Veranstalter Thomas Resch und seiner Frau Cornelia bei der offiziellen Eröffnung der 25. Amberger Baumesse übergeben. Doch mit dem angeordneten Ausfall gerade der Jubiläumsveranstaltung war den beiden "nicht nach Kuchen zumute, eher nach einem Bier". Noch am Samstagvormittag fühlen sich die Eheleute wie viele ihrer Aussteller "in Schockstarre".
Im Blickpunkt:

Neuer Verdachtsfall, aber kein Ansturm aufs Klinikum

Ja, es gibt einen neuen Coronavirus-Verdachtsfall in der Region. Er wurde am Wochenende im Klinikum aufgenommen, allerdings steht die Bestätigung durch den Laborbericht noch aus. Das sagte St. Mariens Vorstand Manfred Wendl und beruhigte gleichzeitig, dass die Notaufnahme am Samstag und Sonntag normal arbeiten konnte. Sie wurde nicht etwa gestürmt von besorgten Leuten oder gar blockiert durch zu großen Andrang. Wendl glaubt, dass entsprechende Appelle, zuletzt erst freitags in einer Pressekonferenz im Klinikum wiederholt, gefruchtet haben.

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