06.03.2020 - 17:07 Uhr
ParksteinOberpfalz

Coronavirus: So gehen Firmen in der nördlichen Oberpfalz damit um

Über das Coronavirus wird gesprochen. Doch wie gehen die großen Firmen und Behörden in der Region damit um? Ein heikles Thema. Längst nicht alle wollen öffentlich darüber sprechen.

In Firmen ist das Alltag: Viele Menschen fassen dieselben Türklinken an. Krankheitserreger haben so leichtes Spiel. Firmen in der Region ergreifen Maßnahmen, um ihre Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Jeden Tag hat das Weidener Klinikum mit Viruserkrankungen zu tun. Seinen Tag der offenen Tür hat es aber wegen der grassierenden Grippewelle und der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus abgesagt. Ein bestätigter Fall aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach zeigt, dass der Erreger auch in der Oberpfalz angekommen ist. Wenn Orte, an denen viele Menschen auf einmal sind, besonderes Gefahrenpotenzial haben, stellt sich die Frage, wie große Firmen und Behörden in der Region ihre Mitarbeiter schützen wollen.

Absagen und Aufklären

Ähnlich wie das Klinikum hat auch der Fenster- und Türenbauer Höhbauer aus Luhe-Wildenau seinen Tag der offenen Tür abgesagt. Laut Geschäftsführer Christoph Höhbauer nicht etwa, weil es einen konkreten Erkrankungsfall gegeben hätte, sondern weil dem Chef die Sicherheit der Besucher und Mitarbeiter wichtiger als eine Veranstaltung sei. Höhbauer: "Das letzte, was wir wollen, ist, jetzt noch irgendwelche Panik zu schüren." Die Mitarbeiter hätten eine Unterweisung bezüglich der Hygienevorschriften bekommen. Höhbauer hatte für den gestrichenen Tag der offenen Tür bereits Desinfektionsmittel gekauft. Vergeblich war die Anschaffung allerdings nicht: Das Mittel steht jetzt den Mitarbeitern zur Verfügung. Zudem verzichte man derzeit auf Händeschütteln.

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Weiden in der Oberpfalz

Eigenes Präventionsteam

Nicht von der gegenwärtigen Panik anstecken lassen möchte man sich beim Parksteiner Logistiker Witron. Pressesprecher Christian Skiefe erklärt, dass das Unternehmen dennoch umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen habe. "Es gibt eigens eine Taskforce, die tagesaktuell die Lage sondiert und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen verabschiedet", teilt er am Telefon mit. So habe die Gruppe bereits Messebesuche, Veranstaltungen und Tagungen abgesagt sowie Informationen an die Mitarbeiter in mehreren Sprachen herausgegeben. Weil Witron international agiere, könne die Firma auf Dienstreisen nicht ganz verzichten. "Wir versuchen sie aber auf einem Minimum zu halten", sagt Skiefe.

Dabei werde ununterbrochen überprüft, ob Dienstreisen und Witron-Baustellen mit neuen Risikogebieten zusammenfallen. Skiefe: "Sollte das der Fall sein, dann reisen wir dort selbstverständlich nicht hin. Die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter hat höchste Priorität." Witron werde vom Gesundheitsamt unterstützt und habe eine Meldepflicht für Beschäftigte und Besucher eingeführt, die sich zuvor in einem der Risikogebiete aufgehalten hätten. Das alles kann Skiefe zufolge zwar nicht verhindern, dass es zu Infektionen in der Firma kommen kann, er hofft aber, dass die Maßnahmen das Risiko minimieren. "Wir bleiben am Boden. Natürlich machen wir alles, damit unsere Mitarbeiter ,safe' sind."

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Oberpfalz

Ende Februar hat die Otto-Gruppe bekanntgegeben, dass aufgrund des Virus' alle Auslandsreisen nach Hongkong, Macao, den Iran, Myanmar und Teile von Südkorea vorübergehend ausgesetzt werden. Das betrifft auch Witt Weiden als Teil dieser Gruppe. Wie Witron hat das Unternehmen einen Krisenstab gegründet. Witt-Weiden-Pressesprecherin Judith Weigl teilt auf Anfrage mit: "Der Konzernkrisenstab der Otto-Group hat für alle Konzernfirmen - einschließlich der Witt-Gruppe - analog zu den Empfehlungen der zuständigen Stellen und aufgrund eigener Einschätzung verbindlich entschieden, Dienstreisen in bestimmte Länder und Regionen zu verbieten."

Auch dürfen keine Geschäftspartner aus den betroffenen Regionen in das Unternehmen kommen. Was Besuche aus anderen Regionen der Welt betrifft: Diese sollen Weigl zufolge ebenfalls so oft wie möglich verschoben werden. Der Otto-Krisenstab stehe in Kontakt mit dem Gesundheitsamt. In Weiden informiere Witt-Weiden seine Mitarbeiter über Hygienemaßnahmen. Weigl: "Derzeit werden Desinfektionsmittel beschafft und an den Eingängen der Liegenschaften angebracht. Zudem werden täglich sämtliche Türgriffe und -klinken desinfiziert."

Sollte das der Fall sein, dann reisen wir dort selbstverständlich nicht hin. Die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter hat höchste Priorität.

Witron-Sprecher Christian Skiefe über Risikogebiete

Krisenstab bei Witt-Weiden

Vor kurzem wurde bekannt, dass das Jobcenter im niederbayerischen Vilshofen geschlossen bleibt, weil dort ein Mitarbeiter an dem Coronavirus erkrankt ist. Wie sieht es in Weiden aus? Nach Auskunft des hiesigen Jobcenters bleibt zunächst alles beim Alten. Es stehen Desinfektionsmittel bereit, Besucher werden darauf hingewiesen, diese zu benutzen. Über das Wochenende aber möchte die Agentur für Arbeit einen Notfallplan für die Region erarbeiten, um ihn dann am Montag vorzustellen.

Jobcenter feilt an Notfallplan

Was das sich verbreitende Coronavirus für Besucher des Finanzamt-Servicecenters bedeutet, bleibt unterdessen unklar. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien hieß es diesbezüglich seitens des Finanzamts nur, es dürfe darüber keinerlei Auskünfte erteilen. Auch der Wellpappehersteller BHS aus Weiherhammer hält sich bislang bedeckt, obwohl eine Mitarbeiterin auf Anfrage der Redaktion eine Stellungnahme angekündigt hatte.

Keine Auskunft

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Amberg

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