25.05.2020 - 15:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Eines der ältesten Amberger Häuser ist wieder wie neu

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Exakt 200 Jahre lang hat sich diese wertvolle Holzdecke unter Putz versteckt. Bei der Sanierung des Anwesens Schiffgasse 3 ist das historische Kleinod jetzt wieder aufgetaucht. Eine von vielen Überraschungen für die Eigentümer.

Die ehemalige Büchsenmacherei in der Schiffgasse 3 (zweites Haus von rechts) steht mittlerweile ohne Gerüst da, die Sanierung ist weitgehend abgeschlossen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Amberg, um das Jahr 1410. In der Büchsenmacherei am Ufer der Vils herrscht rege Betriebsamkeit. Die Geschäfte gehen gut, so dass das Anwesen vor einigen Jahren deutlich erweitert werden konnte. Der Amberger Büchsenmacher ist ein wohlhabender Mann, das soll man auch seinem Haus ansehen. Es ist das letzte in der Reihe hinter der romanischen Martinskirche mit ihren drei Türmen. Um 1388 wurde es gebaut, 1405 entstand zusätzlich das repräsentative Vorderhaus.

Amberg, etwa 620 Jahre später. Fabian und Wolfgang Schmidt sowie Nico Sticke zeigen stolz, was sie aus dem Anwesen Schiffgasse 3 gemacht haben, das etwas versteckt im Schatten der gotischen Martinskirche mit ihrem gewaltigen, fast 92 Meter hohen Turm liegt. Die alte Büchsenmacherei hatte ihre besten Jahre längst hinter sich, als sie die drei Amberger gekauft haben, um sie grundlegend zu sanieren.

Jetzt ist das Werk fast fertig. Nur noch wenige Details müssen erledigt werden, dann können die neuen Eigentümer der hier geschaffenen Wohnungen einziehen. Fabian Schmidt ist einer von ihnen. Der Geschäftsführer der Wohnwert Bau hat seine Dachgeschosswohnung bereits bezogen, die über zwei Etagen reicht. Inklusive einer kleinen, aber sehr exklusiven Dachterrasse. Irgendwann in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gebaut und heute wohl nicht mehr genehmigungsfähig. "Wir haben 277 Tonnen Bauschutt und 23 Tonnen Altholz aus dem Gebäude geschafft", nennt Fabian Schmidt einige Eckpunkte, die sich den Bauherren vor allem wegen der körperlichen Anstrengungen eingeprägt haben. "Wir haben alles mit der Hand raus geschaufelt." Vieles haben die drei Amberger selbst gemacht, Handarbeit ersetzte oft fremde Arbeitskräfte. Aber schließlich sollte am Ende ja auch noch ein bisschen Geld mit dem Projekt verdient werden.

Die Vorgeschichte der Sanierung

Amberg

Reichtümer haben Nico Sticke sowie Fabian und Wolfgang Schmidt ohnehin nicht erwartet von der Vermarktung des Anwesens. Denn altstadtgerechte Sanierung kostet Geld, sehr viel Geld. Auch wenn das Landesamt für Denkmalpflege dazuzahlt, am Ende bringt ein altes Haus kein Vermögen. Aber das wussten die Wohnwert-Partner von Anfang an. Aber wer vom Virus der alten Häuser erst einmal erfasst ist, kann einfach nicht mehr aufhören damit.

Besonders stolz sind sie an der Schiffgasse auf die historische Stabfelderdecke im Obergeschoss. Sie wurde wohl 1599 eingebaut und ist heute ein absolutes Unikat in der Stadt Amberg. Von dem die Denkmalschützer lange nichts wussten. Denn schon 1820 überputzte der damalige Hauseigentümer diese Decke, die dann in Vergessenheit und in Verfall geriet. "Das letzte Feld war nur noch Kompost", schildert Nico Sticke, in welchen Zustand die Decke teilweise bereits war. Doch Restauratoren aus Regensburg haben sie Stück für Stück ausgebaut und hergerichtet. "Das hat uns eine Stange Geld gekostet", sagt Fabian Schmidt.

Die Bildergalerie zur Schiffgasse 3

Trotzdem hat es großen Spaß gemacht, wie das Trio einhellig bestätigt. "Von A bis Z siehst du alles und hast alles in der Hand", sagt Fabian Schmidt. "Das ist immer wieder sehr schön." Und wenn dann die neue Eigentümerin der Wohnung mit der Stabfelderdecke fünf Minuten lang mit offenem Mund im Raum steht, sind die Mühen schon fast wieder vergessen. Dann freuen sich Fabian Schmidt, Nico Sticke und Wolfgang Schmidt schon auf ihr nächstes Projekt: Das Nachbaranwesen an der Schiffgasse, das ehemalige Notstainhaus. "Damit warten wir aber noch ein bisschen", lacht Fabian Schmidt und spürt wahrscheinlich jeden Muskelkater, den ihm das fertige Haus Schiffgasse 3 beschert hat.

Einst der Mittelpunkt der Altstadt:

Wo im Mittelalter das Leben getobt hat

Bis zum Neubau der Martinskirche, der 1421 begann und 1522 zu Ende ging, dürfte der heutige Salzstadelplatz Teil eines großen Marktplatzes gewesen sein, in dessen Mitte zur Vils hin die alte, romanische Martinskirche stand. Ebenfalls erst später, nämlich 1476, entstand das heutige Notstainhaus am Ufer der Vils. Das soeben restaurierte Anwesen Schiffgasse 3, die Büchsenmacherei, bildete also den Abschluss hin zu einer breiten Vilslände, an der Eisen und Salz auf Kähne verladen oder ausgeladen wurden. Hier tobte das Handelsleben der wohl reichsten Stadt unserer Region in der damaligen Zeit. Kein Wunder, dass auch der damalige Büchsenmacher, eine am Anfang des 15. Jahrhunderts noch relativ junge Zunft, seinen Wohlstand zeigen wollte. In Folge erweiterte er das wenige Jahrzehnte zuvor entstandene Haus um 1405 zu seiner heutigen Größe. Möglicherweise wurden hier wie in anderen Häusern rund um den Marktplatz dann später auch romanische Gewölbeteile aus der alten Martinskirche verbaut.

Auch zum benachbarten Notstainhaus gibt es interessante Geschichten zu erzählen

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