19.07.2019 - 16:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg: Was "Fridays for Future" für Politiker bedeutet

Mit einer Videobotschaft von Joachim Gauck, Bundespräsident a.D., startet die Podiumsdiskussion am Max-Reger-Gymnasium zum Thema Klimaschutz. Doch das Augenmerk gilt den Aussagen der geladenen Politiker.

Podiumsdiskussion zur Umweltwoche, MRG
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Sie äußerten sich zu CO2-Steuer, Umweltpolitik oder regenerative Energien - Themen, für die "Fridays for Future"-Aktivisten auf die Straße gehen. Auch unter den Schülern der achten, zehnten und elften Klassen, die in der Aula saßen, waren Jugendliche, die regelmäßig in Amberg demonstrieren. Auf dem Podium stellten sich Grünen-Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt, MdB Marianne Schieder (SPD), stellvertretender CSU-Kreischef Matthias Schöberl, ÖDP-Landesvorsitzender Klaus Mrasek und FW-Kreisvorsitzender Albert Geitner den Fragen.

Mit den Forderungen der "Fridays for Future"-Bewegung zum schnelleren Kohleausstieg bis 2030 stieg Moderator Lukas Plössl in das Gespräch ein. "Greta Thunberg hat auch an unserer Schule viele mitgerissen. Sind die Forderungen realistisch?" Diese Frage stelle sich nicht, antwortete Schöberl. Seiner Meinung nach sind das notwendige Ziele, die erreicht werden müssen. Schieder betonte, dass es bereits eine Einigung zum Ausstieg bis 2038 gebe. "Aber es muss schneller gehen." Geitner sah es als Notwendigkeit an, dass die Generation aufstehe, "egal, ob es dem Kultusminister gefällt oder nicht".

"Richtig und wichtig"

Einig war sich das Podium in vielen Dingen. Zum Beispiel sah es Schmidt als "richtig und wichtig" an, dass Fridays-for-future die Überparteilichkeit behalte. So könne Druck auf die Parteien ausgeübt werden, vor allem auf die, die die Punkte noch nicht im Programm haben. Schöberl räumte ein, dass die Union "zu spät" gehandelt habe. "Den Schuh muss ich mir als CSUler anziehen." Deshalb mache die Bewegung "alles richtig", wenn sie öffentlich Druck ausübe. Schieder berichtete von ihren Erlebnissen im Bundestag, wo die regierenden Parteien eher blockieren würden ("Der Verkehrsminister ist auch keine Speerspitze der Veränderung.") Der Grünen-Abgeordnete sah die Politik in der Verantwortung: "Es nützt nichts, wenn jeder daheim in den Kleiderschrank schaut. Wir müssen als Politiker die Rahmenbedingungen setzen. Politik braucht Druck aus der Öffentlichkeit." Mrasek prangerte an, dass Menschen, die sich ökologisch verhalten, draufzahlen. Genau umgekehrt sollte es sein, "und das muss die Politik ändern". Er forderte einen ständigen Austausch zwischen Kommunalpolitikern und Aktivisten.

Schöberl beschrieb die Zwickmühle, in der sich die CSU befindet. Man könne die Bewegung nicht einfach umarmen, das wäre unehrlich und würde als anbiedernd rüberkommen. "Wir setzen auf kreative Ideen." OB Michael Cerny habe sich intensiv mit den Forderungen auseinandergesetzt. "Im Bundestag herrscht nicht die Einigkeit wie hier auf dem Podium", sagte Schmidt. Da würde die Union seinen Beobachtungen nach regelmäßig auf die Bremse treten. Schieder betonte abschließend, dass es bei all den Forderungen gelingen müsse, das Anschwellen des Rechtspopulismus zu verhindern.

Warum nicht Photovoltaik?

Im Anschluss konnten die Schüler Fragen stellen. Darunter wurde auch beispielsweise das Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht, warum auf dem neuen Parkdeck keine Photovoltaikanlage installiert ist. Mrasek, einziger Stadtrat vor Ort, versprach, die Frage in der nächsten Stadtratssitzung an den Stadtwerke-Chef zu stellen. Die Podiumsdiskussion war die Auftaktveranstaltung zu einer Umweltwoche am Max-Reger-Gymnasium. Sie wurde von Lehrerin Veronika Frenzel in Zusammenarbeit mit den Schülern erarbeitet.

Auf dem Podium des Max-Reger-Gymnasiums diskutieren (von links): Stefan Schmidt, Marianne Schieder, Moderator Lukas Plössl, Matthias Schöberl, Klaus Mrasek und Erwin Geitner.
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