01.06.2021 - 12:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg: Künstler wollen Helfer sichtbar machen

Unter Künstlern gilt: Bei Kollegen abzukupfern, ist tabu. In einem Fall macht Marcus Trepesch eine Ausnahme. Der Vorsitzende des A.K.T.-Kunstvereins findet eine Idee aus Nürnberg so gut, dass er sie auch in Amberg umsetzen will.

Menschen in Pflegeberufen verrichten ihre Arbeit oft ohne viel Aufhebens. Portraits sollen die Helfer nach Ansicht von Markus Trepesch nun sichtbar machen.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Corona und die Folgen haben gravierende Auswirkungen auf sämtliche Bereiche des öffentlichen, privaten und beruflichen Lebens. Zwei Gruppen geraten dabei nicht immer ins Blickfeld, obwohl gerade sie zu den am stärksten Betroffenen gehören: Künstler, die auf Einnahmen verzichten müssen, und Pflegekräfte, die in Zeiten der Pandemie ihre eigene Gesundheit riskieren, um den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft beizustehen.

„Ihnen gebührt unser aller Dank und Aufmerksamkeit“, sagt Ezimo Reinhard Bienert, der Sprecher der Nürnberger Künstler, die Pflegekräfte malen, die Bilder verkaufen und mit ihren Modellen die Einnahmen teilen, denn: „Auch die gesamte Kunstlandschaft leidet unter der derzeitigen Situation. Viele, vor allem selbstständige Künstler, stehen massenhaft vor dem endgültigen Aufgeben. Wir, die bildenden Künstler, möchten mit unserem Projekt den Fokus auf diese beiden Berufsgruppen richten.“

Diese Idee ist mittlerweile auch in Amberg gelandet. Beatrice Nunold, Inhaberin der Galerie Triceartopos in der Georgenstraße, wurde über befreundete Künstler aus der Frankenmetropole auf die Initiative aufmerksam und erzählte als A.K.T.-Mitglied Vorsitzendem Marcus Trepesch davon. Der Amberger, dessen Mutter und Schwester in der Pflegebranche tätig sind, zögerte keine Sekunde: „Das machen wir auch. Ich finde es eine gute Idee.“

Vorschläge der Chefs

Es sei zwar aufwendig, Künstler, Modelle und Sponsoren zu finden, aber: „Dann gehen wir damit halt an die Öffentlichkeit.“ Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erklärt Trepesch die Idee: Maler, insbesondere die, die von ihrer Kunst leben, sollen jeweils eine Person aus dem Bereich Kranken- oder Altenpflege porträtieren. Das können Bekannte sein, mit denen die Künstler privat verbunden sind, aber auch Pflegekräfte, die von ihren Chefs empfohlen werden. Frei nach dem Motto: „Derjenige oder diejenige hätte es verdient.“ Denn, so Trepesch: „Vom Applaus können sie alle nicht leben.“ Deswegen schiebt der A.K.T.-Vorsitzende augenzwinkernd einen Hinweis hinterher: „Die Sponsoren dürfen natürlich auch mehr als 500 Euro zahlen.“

Damit kommt die dritte Gruppe ins Spiel: Gesucht werden Firmen, Ämter, Vereine und Privatpersonen, die ein Honorar für den Künstler sponsern. Gedacht ist dabei an 500 Euro pro Kunstwerk in einem Format von 50 mal 50 Zentimetern. So wird das laut Ezimo Reinhard Bienert in Nürnberg gehandhabt. Marcus Trepesch möchte in Amberg großzügigere Regelungen, auch finanziell: „Das Geld sollen Künstler und Pflegekraft untereinander aufteilen. So, wie sie es möchten.“ Denn vielleicht gibt es Maler, die der Pflegekraft den Verkaufserlös zu 100 Prozent gönnen – oder umgekehrt.

Per E-Mail bewerben

Aufgabe des Kunstvereins ist es nun, alle drei Gruppen zusammenzubringen: Maler, Pflegekräfte und Geldgeber. Wer dabei helfen möchte, die Nürnberger Idee auch in Amberg umzusetzen, soll sich per E-Mail melden. Möglich ist das ab sofort per Mail unter vorstand[at]akt-kunstverein-amberg[dot]de.

Marcus Trepesch ist es wichtig, keine allzu strengen Vorgaben zu machen. „Die 500 Euro als Honorar sollten bleiben“, das Format sollte dagegen frei wählbar sein, ebenso die Technik. Wichtig: Eine A.K.T.-Mitgliedschaft ist keine Voraussetzung. Der Vereinsvorsitzende geht sogar noch einen Schritt weiter und weicht eine weitere Nürnberger Vorgabe auf: „Es müssen keine gemalten Bilder sein. Es dürfen auch Fotografien sein.“

So war das damals: Amberg, die Hauptstadt des Beat

Amberg

„Das Geld sollen Künstler und Pflegekraft untereinander aufteilen. So, wie sie es möchten.“

Marcus Trepesch, Vorsitzender des A.K.T.-Kunstvereins

 

 

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