22.01.2021 - 16:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg: Mit neuen Ideen durch schwere Lockdown-Zeit

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Die Reaktionen auf den verlängerten Lockdown fallen in Amberg teilweise recht deutlich aus. Einige neue Ideen überraschen aber positiv. Vor allem die eines Gastronomen, eines Schulleiters und einer Frisörin.

Im Bus müssen medizinische Masken getragen werden, wie dieses FFP2-Modell.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Angesichts der immer weiter steigenden Corona-Zahlen wurde ab 2. November der "Lockdown light" eingeführt. Ab 16. Dezember folgten die zunächst bis 11. Januar verhängten Verschärfungen, die dann bis zum 31. Januar gelten sollten und nun bis mindestens 14. Februar in die Verlängerung gehen. Davon betroffen sind alle Bereiche des Lebens. Hier einige Reaktionen:

Gastro: Öffnung wohl erst Ostern

Sebastian Apfel (rechts) dreht Videos, um auf seinen Gastronomie-Betrieb aufmerksam zu machen: „Im Prinzip haben wir uns neu erfunden.“

Sebastian Apfel ist Gastronom. Ihm gehört das "Eisenherz", das seit 2. November geschlossen ist: "Wir rechnen mittlerweile damit, dass es bis Ostern dauert." Der Amberger wird deswegen aber nicht nervös: "Wir kommen zurzeit gut hin und lassen uns nicht aus der Ruhe bringen." Denn mit seinem Lokal geht er neue Wege. Aus der Cocktail-Bar mit experimenteller Küche wurde ein Betrieb, der mit Cocktails experimentiert. Den Lieferservice fürs Essen hat Apfel eingestellt: "An einem Tag hast du fünf Bestellungen, am nächsten 30. Das lässt sich nicht planen." Stattdessen gibt es nun einen Cocktail-Lieferservice: "Das war vor einem Jahr noch undenkbar." Um Werbung zu machen, dreht Apfel aufwendige Videos, die er ins Internet stellt: "Wir haben ja jetzt Zeit, die Social-Media-Kanäle zu bedienen." Um die Aufnahmen professionell gestalten zu können, hat Sebastian Apfel sogar einen Drohnen-Führerschein gemacht. Er sagt aber auch: "Wenn ich diesen Aufwand nicht betreiben würde, hätte ich jetzt gar keine Einnahmen."

Einzelhandel: "Armutszeugnis"

Von Gelassenheit kann Armin Steger derzeit nur träumen. Der Inhaber von Intersport Lange geht mit der Entscheidung, den Einzelhandel weiter zu schließen, hart ins Gericht: "Was die Politik da macht, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Es wird offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen." Der Handel muss schließen, während die Industrie weiterproduzieren darf: "Die Industrie scheint eine bessere Lobby zu haben. Anders kann ich mir das nicht erklären." Im Dezember seien die Umsätze in seinem Laden um 60 Prozent eingebrochen, im Januar seien es bisher 70 bis 80 Prozent weniger. Die zunächst angebotenen Hilfen für Dezember und Januar seien "fern von jeglicher Realität". Denn erstattet bekomme er nur 40 Prozent seiner Fixkosten. Hinzu komme, dass die Hilfen für Dezember noch nicht beantragt werden könnten, während die Kosten weiterlaufen: "Ein Armutszeugnis."

Gymnasium: Weniger Video-Zeit?

Karl Bösl ist insgeheim davon ausgegangen, dass der Lockdown in die nächste Runde geht. "Das trifft uns nicht überraschend", sagt der Leiter des Erasmus-Gymnasiums, der darin auch kein allzu großes Problem sieht: "Der Distanzunterricht funktioniert mittlerweile ausgezeichnet." Der Pädagoge denkt aber auch einen Schritt weiter und dabei an die Kinder, die fünfmal pro Woche ab 8 Uhr vor einem Computer oder Laptop sitzen: "Wir wollen demnächst eine Elternumfrage starten. Nicht wie beim ersten Lockdown im März bezüglich der Unterrichtsqualität, sondern wegen der School-Life-Balance der Schüler."

"Wir wollen verhindern, dass zu viel Video-Unterricht gemacht wird."

Karl Bösl. Leiter des Erasmus-Gymnasiums

Mit anderen Worten: "Wir wollen verhindern, dass zu viel Video-Unterricht gemacht wird." Die am Mittwoch angekündigte Umfrage wurde den Eltern nur etwa 48 Stunden später zugestellt. Darin heißt es zum Beispiel: "Empfanden Sie die Bildschirmarbeitszeit angemessen?" Und: "Empfanden Sie die Offline-Arbeitszeit ihres Kindes angemessen?" Die Antworten sollen laut Karl Bösl zügig ausgewertet werden.

Home-Office: Nicht immer möglich

Der Aufforderung der Staatsregierung, Arbeitsplätze zur Eindämmung der Corona-Pandemie so weit als möglich ins Home-Office zu verlegen, kommt das Landratsamt Amberg-Sulzbach laut seiner Sprecherin Christine Hollederer nach. "Aktuell befinden sich 79 Beschäftigte in Telearbeit." Das entspreche rund einem Viertel der Belegschaft. "Wir kommen allen Anforderungen nach, die der Freistaat an seine Behörden stellt", sagt Landrat Richard Reisinger. Er selbst arbeite "seit vielen Wochen" stundenweise selbst von zu Hause aus. Für ein Gros seiner Aufgaben sei jedoch die Anwesenheit im Amt unerlässlich. Ähnlich verhalte es sich bei Mitarbeitern in den Bereichen, in denen Publikumsverkehr herrscht. Zum Beispiel in der Zulassungsstelle.

Bei der Stadt Amberg sind laut Oberbürgermeister Michael Cerny bereits im ersten Lockdown vor etwa einem Jahr "großzügige Home-Office-Regelungen getroffen" worden. Etwa 28 Prozent der Beschäftigten nutzten aktuell diese Möglichkeit. Dort, wo Kundenverkehr bestehe, könne es keine Lösungen geben: "Aber wir sind am Thema dran." Cernys Einschätzung: "Wir müssen uns beeilen, um Notebooks und Headsets zu bekommen." Deren Beschaffung werde "sehr spannend".

Grundschule: Mehr Notbetreuung

In der Barbaraschule besuchen jetzt 15 Kinder die Notbetreuung. Tendenz steigend. Rektorin Elke Schmidt rechnet schon bald mit dem Doppelten.

Andere Gedanken macht sich Elke Schmidt, die Rektorin der Barbara-Grundschule. Dort werden 15 Kinder in zwei Gruppen unterrichtet. Stichwort Notbetreuung. "Die Tendenz ist steigend", sagt die Schulleiterin und berichtet, dass es im ersten Lockdown über 30 waren. Von insgesamt 240 Schülern. Für alle anderen gibt es Homeschooling. Da viele Eltern berufstätig sind, erstrecke sich die Kontaktaufnahme mit ihnen oft in eine Zeit nach 16 Uhr. Irgendwann müsse sie aber auch an die Lehrergesundheit denken, denn gerade bei Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren dürfe nicht ein stures Programm durchgezogen werden. Schmidt nennt ein Beispiel. In der 1. Klasse gebe es an vier Schultagen Videokonferenzen in Gruppen. Teilweise sogar in Einzelsitzungen, damit die Kinder das Lesen und Rechnen lernen und die Lehrer wissen, wo jeder einzelne Schüler steht. Freitags ist Vorlesetag. "Da kann immer nur ein Kind vorlesen." Auch dieser Aufwand, der aber betrieben werden müsse, damit kein Kind zu kurz kommt, könne nicht ewig so bleiben. Der Ehrgeiz der Kollegen sei ungebrochen. Auch am Abend und an den Wochenenden, weil es Eltern gibt, die ihre Kinder selbst in ihrer freien Zeit nicht unterstützen: "Die Lehrer übernehmen das." Als Verantwortliche müsse sie sagen: "Wir schaffen das so nicht noch zehn Wochen."

Frisör: Licht und Gutscheine

Frisörmeisterin Simone Sellner hat für sich und alle Kollegen eine Idee.

Simone Sellner will nicht länger warten. Die Frisörmeisterin musste ihren Laden am 16. Dezember schließen. Dass es vor dem 14. Februar nicht regulär weitergeht, überrascht die Ebermannsdorferin nicht. "Das war klar." Also reagiert die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Am Freitag, 22. Januar, ging sie für vier Stunden ins Geschäft, um "Call & Collect" zu ermöglichen, also die Bestellung und den Verkauf von Pflegeprodukten. Wie sich dieses Modell entwickelt, könne sie noch nicht sagen. Künftig will sie aber jeden Freitag von 9 bis 13 Uhr dafür aufsperren. Angerufen haben am ersten Tag viele, aber in erster Linie, um einen Termin für die Zeit nach dem Lockdown zu vereinbaren. Das sei auch dringend notwendig, denn: "Finanziell wird die Luft langsam dünn." Ab jetzt gerechnet könne sie noch etwa vier Wochen durchhalten: "Maximal. Dann ist es vorbei." Soll heißen: Sie müsste sich dann Gedanken darüber machen, sich von den fünf Angestellten und der Auszubildenden zu trennen: "Das will ich nicht." Also hat Simone Sellner eine Idee, die sie für alle Kollegen ins Spiel bringt. Kunden könnten jetzt nicht nur Termine für einen späteren Zeitpunkt ausmachen, sondern auch gleich bezahlen, um die schwere Zeit zu überbrücken. Die Treffen im Salon ließen sich alle nachholen: "Notfalls sperre ich jeden Montag auf, fange früher an und mache später Schluss. Dazu bin ich bereit." Im Moment bleibt aber nur eine Aktion der Innung. Sie hat alle Friseure im Freistaat aufgerufen, von Freitag auf Samstag 24 Stunden das Licht anzulassen, "damit wir zeigen können: Hey, uns gibt's noch", wie es Simone Sellner formuliert.

ÖPNV: Kontrolle stichprobenartig

Auch das gehört zum neuen Lockdown: Im Öffentlichen Personennahverkehr müssen medizinische Masken getragen werden. Hans-Jürgen Haas, der Geschäftsführer des Zweckverbandes Nahverkehr Amberg-Sulzbach, findet das gut: "Gerade im ÖPNV, wo der Mindestabstand nicht immer eingehalten werden kann und viele Menschen auf relativ engem Raum zusammenkommen, ist das Tragen einer FFP2-Maske absolut sinnvoll." Haas hat aber ein kleines Problem: "Der Fahrer ist nicht verpflichtet, zu kontrollieren. Während der Fahrt ist dies auch nur bedingt möglich." Aber im Einzelfall, zum Beispiel durch Hinweise anderer Fahrgäste, könnte er die Beförderung des Fahrgasts ohne FFP2-Maske verweigern: "Hierzu würde dann gegebenenfalls die Unterstützung der Polizei angefordert werden." Am Busbahnhof in Amberg werde die Maskenpflicht stichprobenartig durch einen Sicherheitsdienst überprüft, der etwaige Verstöße melden muss.

Das waren die Reaktionen auf den Lockdown 2.0 im Dezember

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