15.12.2020 - 16:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Harter Lockdown 2.0: Amberg zwischen Ausnahmezustand und Stillstand

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Jetzt ist er da, der harte Lockdown 2.0. Wir haben in Amberg nachgefragt, was das für Folgen hat: Notbetreuungen in Kitas, Ausnahmezustand im Friseursalon, Irritationen um einen Bratwurststand und ein dringender Appell von Ärzten.

Alfred Schuller (links) darf Bratwürste trotz des Lockdowns in der Altstadt verkaufen. Ob er davon Gebrauch machen wird, weiß er noch nicht.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Notgruppe in jeder Kita

Markus Keil ist Geschäftsführer des Amberger Diakonievereins, der fünf Kindertagesstätten betreibt. Sie alle werden ab Mittwoch, 16. Dezember, geschlossen. Aber: "Jede Kita hat eine Notgruppe anzubieten." Für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind. "Die Leiterinnen wissen, wer das ist und wer nicht", sagt Keil und fügt hinzu, dass die Planungen trotz der Erfahrungen aus dem Frühjahr nicht einfacher geworden sind: "Was die Leitungen nicht wissen, ist, wann wer Urlaub hat und seine Kinder trotzdem betreuen kann."

Abgesehen davon stehe noch nicht fest, ob die Notbetreuung auch dann schon genutzt werden kann, wenn nur ein Elternteil systemrelevant ist. Oder müssen es beide Eltern sein? Keil weiß es nicht: "Da müssen wir noch die Ausführungsgestimmungen abwarten." Zudem müsse in Einzelfällen, zum Beispiel bei Alleinerziehenden, geklärt werden, ob auch sie die Betreuung nutzen dürfen. Auch die Personalplanung sei nicht einfach, da noch nicht klar sei, wie viele Kinder tatsächlich kommen.

Friseurladen montags offen

Tanja Schindler (rechts) sperrte ihren Friseursalon ausnahmsweise am Montag auf.

Am Montag Haare schneiden? Das hat Tanja Schindler zuletzt vor 15 Jahren gemacht, als sie sich in der Altstadt selbstständig gemacht hatte: "Da habe ich einen halben Tag angeboten. Das wurde aber nicht angenommen." Diesen Montag war das wegen des angekündigten Lockdowns anders. Sie sperrte ihren Salon auf: "Es bleibt uns ja nichts anderes übrig." Nachdem sie die außerplanmäßigen Zeiten am Sonntag in den Sozialen Medien bekanntgegeben hatte, wurde sie von Anrufen und am Tag danach von Kunden förmlich überrollt. Es habe der absolute Ausnahmezustand geherrscht: "Das Telefon hat den ganzen Tag über geklingelt."

Fragezeichen hinter Bratwürsten

Darf er in der Bahnhofstraße trotz des Lockdowns Bratwürste braten? Bäckermeister Alfred Schuller, der sich mit seinem Grillstand eine zweite Einnahmequelle erschlossen hat, wusste es am Montag nicht. Die Antwort gab es am Dienstag von Susanne Schwab, der Pressesprecherin der Stadt. Es sei davon auszugehen, dass die Einzelhandelsnutzung nicht mehr gestattet ist. Das betreffe die Innenstadt-Buden, in denen Mützen und Schals oder Deko-Artikel verkauft werden. "Die Abgabe von Essen zur Mitnahme", also Bratwurstbuden und der Süßwarenstand, blieben aber erlaubt. Schuller hilft das wenig: "Am Mittwoch mach' ich bis 13 Uhr, dann ist Schluss, weil dann keiner in der Stadt ist." Aber vielleicht täusche er sich. Wenn dem so sein sollte, werde er wieder Würste verkaufen: "Ich muss nächste Woche abwarten. Ich kann nicht einschätzen, wie viel in der Stadt los sein wird."

"Dringender Appell" der Ärzte

Der tägliche Blick auf die Infektionszahlen - er gehört für Henryk Steinbach dazu. Der Geschäftsführer des Unternehmens Gesundheit Oberpfalz Mitte (Ugom), in dem 80 niedergelassene Ärzte aus der Region vernetzt sind, vermisst aber den Blick in die Praxen: "Viele Corona-Patienten werden zuerst ambulant von den Hausärzten versorgt, nur die schweren Verläufe kommen ins Klinikum." Aus Furcht, sich eventuell im Wartezimmer anzustecken, verzichteten viele auf ihre Vorsorgeuntersuchungen. Das sei in Ordnung, die Termine sollten aber zeitnah nachgeholt werden: "Am besten so früh wie möglich." Aber zumindest im ersten Quartal: "Das ist ein dringender Appell."

Kommentar:

Die richtige Entscheidung

PWG, Stadtmarketing, Stadt und Gewerbebau haben nichts unversucht gelassen, der Altstadt trotz der Pandemie adventliche Atmosphäre zu verpassen – wenn es schon keinen Weihnachtsmarkt geben darf. Davon geblieben ist aber viel mehr nur als die Chance, noch Bratwürste verkaufen zu dürfen: Die 300 Bäume, die den Weg zu den nun geschlossenen Geschäften weisen, bleiben uns erhalten. „Das kann Corona nicht verhindern“, sagt Thomas Eichenseher, der Chef des Stadtmarketingvereins, und hat damit recht. Es ist nicht verboten, vor 21 Uhr in der Altstadt spazieren zu gehen und sich an diesem Anblick zu erfreuen. Die Entscheidung, nicht alles komplett abzusagen und zumindest das Machbare und Erlaubte umzusetzen, war richtig.

Thomas Kosarew

So viel war am Montag und Dienstag in der Innenstadt von Amberg los

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