08.10.2019 - 14:13 Uhr
AmbergOberpfalz

Von Amberg bis New York: Wie geht es mit Fridays for Future weiter?

Millionen Demonstranten weltweit, 650 in Amberg und ein umstrittenes Klimapaket aus Berlin. Wie sieht die Zukunft für Fridays for Future aus? Nachgefragt bei den Amberger Aktivisten.

Rund 650 Teilnehmer zählte die Klima-Demo am 20. September 2019 in Amberg.

Sie haben sich langsam, aber stetig gesteigert: Zuerst waren es 300 Demonstranten, bei der sechsten Demo dann schon 650. Wie geht es weiter mit den Fridays for Future? Stehen noch mehr Demos an? Droht gar eine Radikalisierung?

"Vom Streiktag am 20. September waren wir alle positiv überrascht, besonders über den unerwarteten Zuwachs an Demonstranten in Amberg haben wir uns gefreut", bilanziert Sabrina Schweiger vom Organisationsteam. Das Thema habe nichts an Aktualität verloren, sagte die Umwelttechnik-Studentin an der OTH. Durch die Proteste sei das Thema Klimakrise in den Köpfen der Menschen präsenter geworden. Für Mit-Organisator Martin Frey (Professor für User-Experience-Design an der OTH) hat die Europawahl zur Dynamik beigetragen: "An diesem Wahlabend ist klar geworden, dass das Thema nicht mehr klein geredet werden kann."

Die Amberger Organisatoren im Interview

Vom Klimapaket der Bundesregierung sind die Amberger Aktivisten aber enttäuscht. Das Paket sei ernüchternd und reiche nicht aus, um die Pariser Klimaziele und die 1,5-Grad-Vorgabe einzuhalten. Manuel Pfitzner (Schüler am Erasmus-Gymnasium) vermutet den Einfluss von Lobbyisten als größten Hemmschuh. "Im derzeitigen System ist zwar ein Wandel in der Klimapolitik möglich - jedoch kaum mit den aktuellen politischen Entscheidungsträgern", sagt Pfitzner. Entweder, die Politik habe noch nicht begriffen, welch große Herausforderung die Klimakrise für die Menschheit bedeutet, oder aber es fehle schlicht der Mut, konsequent zu handeln, erklärt Frey. Er rechnet damit, dass bis zur nächsten Bundestagswahl der Druck auf die Politik steigt - was entweder zu Nachbesserungen beim Klimapaket oder auch zum Bruch der großen Koalition führen könnte. Sabrina Schweiger sieht in den laschen Klimaschutzmaßnahmen mehr Ignoranz als Unwissenheit: Würden sich die Politiker dem wissenschaftlichen Konsens anschließen, ergäbe sich daraus die unmittelbare Verantwortung, notwendige Schritte einzuleiten.

Martin Frey

650 Teilnehmer zählte die Demo am 21. September 2019

Einig sind sich die Klimaaktivisten bei der Frage nach der Zukunft der Bewegung: Zwar sei die politische Antwort auf die Proteste ernüchternd, jedoch motiviere das auch mehr Menschen, auf die Straße zu gehen. Es sei klar geworden, dass der Druck noch größer werden müsse. Ein mögliches Abflauen der Unterstützung erwartet Martin Frey derzeit nicht. "Die Streiks werden definitiv weiter gehen", erläutert Manuel Pfitzner. "Solange die Politik sich gegen wissenschaftlichen Konsens stellt und nicht die nötigen Maßnahmen einleitet, werden wir weiter Druck ausüben müssen, auch hier in Amberg." Der nächste internationale Streiktag ist am 29. November geplant; auch Amberg wird mit einer Aktion vertreten sein.

Sabrina Schweiger

Die Frage, ob Fridays for Future Gefahr läuft, sich zu radikalisieren, verneinen die Mitorganisatoren des Streiks. Zwar würde die Klimabewegung immer vielfältiger werden, wie auch neue Protestformen wie die Critical Mass in Amberg zeigten, jedoch rechnen die Aktivisten damit, dass Fridays for Future in Zukunft eine Massenbewegung bleiben wird, in der alle Altersschichten vertreten sind. Mit Blockaden oder anderen Aktionen von Extinction Rebellion (kurz ER) in Amberg rechnet Sabrina Schweiger jedoch nicht: "Anderen Bewegungen wie ER stehen wir offen gegenüber, unser Ziel ist das gleiche. ER ist aber keine Bewegung, mit der in Amberg in näherer Zukunft zu rechnen ist." Dafür geht die Serie der Fahrrad-Demos weiter: Für Freitag, 25. Oktober, um 18 Uhr wird die nächste Critical Mass rund um den Altstadtring beworben.

Critical Mass als andere Form der Klima-Demo

Amberg
Manuel Pfitzner
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