26.07.2019 - 19:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Rund 500 Menschen zeigen Rad in Amberg

Gerlinde Koeder ist euphorisch. Klar hatte die "Organisatorin" gedacht, dass sich einige Leute der ersten Amberger Critical Mass anschließen würden. Aber so viele? Irgendwo zwischen 350 und 600 Teilnehmer liegen die Schätzungen am Ende.

Start der 1. Amberger Critical Mass am ACC. Am Ende waren es rund 500 Radler, die rund um den Altstadtring fuhren.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Das Prinzip der Critical Mass ist so einfach wie effektiv. Laut Straßenverkehrsordnung bilden mehr als 15 Radler einen geschlossenen Verband, der so zu behandeln ist, als wäre er nur ein einziges Fahrzeug. Damit darf das Ende der Kolonne auch dann über eine Ampel fahren, wenn diese bereits auf Rot steht. Nach diesem Prinzip blockieren Radler auf der ganzen Welt seit Jahren den Straßenraum, den sie für sich beanspruchen. In Amberg war das am Freitagabend erstmals eine Fahrspur rund um den Altstadtring. Noch ein Prinzip der Critical Mass: Es gibt keine offizielle Organisation. Scheinbar zufällig treffen sich Radler - beispielsweise am Freitagabend am ACC - und fahren gemeinsam los.

Die Bilder von der Critical Mass in Amberg

Damit ist die kritische Masse erreicht und aus dem Fahrrad, einem Randfahrzeug im Straßenverkehr, wird urplötzlich dessen Zentrum, um das sich alles dreht und auf das jeder Rücksicht zu nehmen hat. Der eine tat das am Freitag mit Geduld, der andere spendete Beifall vom Straßenrand oder aus dem Auto heraus. Unmutsbezeugungen oder gar der Einsatz der Blechmasse, um sich durch die Radler zu drängen, unterblieb zum größten Teil.

Plötzlicher Start

Aber zurück in die Kolonne. Die setzte sich tatsächlich urplötzlich in Bewegung und rollte auf den Altstadtring. Natürlich sorgten Ordner dafür, dass die Autofahrer gewarnt waren, die Polizei hielt sich angenehm zurück. Im langsamen Tempo ging es um die Altstadt herum, eine Fahrspur gehörte den Zweiradfahrern die mit ihren Fahrzeugen gekommen waren, um gemeinsam zu zeigen, dass es höchste Zeit ist, in Amberg das Radverkehrskonzept umzusetzen, das seit gut zwei Jahren vorliegt. Das bisher aber auf seine Verwirklichung wartet. Zunächst ging es über den großen Kreisverkehr in Richtung Bahnhof, dann hinunter zum Maxplatz und wieder hinauf bis zur OTH. Und noch einmal den Berg hinunter und vorbei am Kurfürstenbad. Zum Abschluss der Aktion gab es dann eine Ehrenrunde durch den Großen Kreisverkehr, der wie kein zweiter als Symbol für den ungebrochenen Automobilismus in Amberg steht. Hunderte von Zweirädern bogen in den Kreisel ein, umkreisten ihn in einem eleganten Schwung und verließen ihn wieder in Richtung ACC. Und die Autofahrer mussten stehen bleiben und zuschauen.

Wie die Critical Mass begonnen hatte, so endete sie auch - spontan. Ohne offizielle Ansprachen, ohne Beifall, mit sehr vielen zufriedenen Radlern, die am Freitag gemerkt haben, dass sie gemeinsam sehr viel auch in Amberg bewegen können.

Ab sofort einmal im Monat

Und Gerlinde Koeder war euphorisch. Sie hatte spontan beschlossen, diese erste Critical Mass anzuregen, nachdem sie den Film "Kesselrollen" über die Critical Mass in Stuttgart im Zukunftskino gesehen hatte. "Das muss doch auch in Amberg klappen", so ihr Gedanke dahinter. Am Freitagabend haben rund 500 Amberger bewiesen, dass es klappt - und wie. Und damit wird es auch die nächste Critical Mass geben. Und die übernächste. Immer am letzten Freitag des Monats um 18 Uhr treffen sich künftig die Radfahrer beim ACC - ganz zufällig zu einer gemeinsamen Fahrt rund um den Altstadtring.

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