10.08.2018 - 16:28 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg nimmt Abschied von Franz Prechtl

Er selbst hat sich eine lustige Beerdigung gewünscht. Was beim Verlust eines geliebten Menschen aber gar nicht so einfach umzusetzen ist. Am Freitag nahm Amberg Abschied von Alt-OB Franz Prechtl.

von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Beim Trauergottesdienst in St. Martin fanden sich die ein, die Franz Prechtl in seinem politischen Leben, in den Vereinen und privat begleitet haben - soweit sie noch leben. Stadtpfarrer Thomas Helm und Pfarrer Alois Albersdörfer gaben dem Gottesdienst den würdigen Rahmen, in dem vor allem die Worte des Prechtl-Sohnes Bernhard ihren Nachhall hinterließen. Denn für seine Kinder war Franz Prechtl nicht nur Oberbürgermeister von Amberg gewesen, er war vor allem Vater. Ein Vater, der nie da war, wie Bernhard Prechtl sagte.

"Niemand konnte den Ball so hoch schießen wie er, niemand den Köpfer ins Schwimmbecken so elegant machen wie er - und dann war unser Vater plötzlich weg." Erst 20 Jahre später habe die Familie ihn zurück bekommen - als aufmerksamen und immer zu Späßen aufgelegten Opa. Spaß mochte Franz Prechtl ganz besonders gern. Bernhard Prechtl erinnerte zum Beispiel an die Eröffnung der Ausstellung Amberger Künstler irgendwann in den 70er Jahren. Damals habe sein Vater heimlich ein Bild der Kapelle am Johannisberg dort aufgehängt, das zuvor Jahre in einem Schrank im heimischen Arbeitszimmer vor sich hin gegammelt habe. Ein anderes Mal sei die Narrhalla im Rathaus aufmarschiert, um traditionell zum Fasching dort die Macht zu übernehmen. Nur sei kein OB da gewesen, sondern habe sich als Clown verkleidet einfach unter die Narren gemischt gehabt.

Doch ein Lächeln

"Wir hätten gern mehr von ihm gehabt", sagte Bernhard Prechtl. Er selbst habe die Auseinandersetzung mit dem Vater gesucht, oft sei der Streit durch das Haus in der Fronfestgasse gehallt. "Am Ende kam es aber immer zur Versöhnung, die Tür blieb offen." Franz Prechtl, so sein Sohn, sei immer für andere da gewesen. "Für die Familie musste er das später erst noch lernen." Lustig sollte sie sein, die Beerdigung, was gar nicht so leicht war. Doch am Ende sorgte die Knappschaftskapelle auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof mit einer schmissigen Version des Steigerlieds dann doch noch für ein Lächeln auf den Gesichtern. Franz Prechtl hätte es sehr wahrscheinlich gefallen.

Worte über Franz Prechtl:

Er besaß das Bundesverdienstkreuz in verschiedenen Versionen, war Träger des Bayerischen Verdienstordens und anderer weltlicher Auszeichnungen. Doch am meisten stolz war der verstorbene Alt-OB Franz Prechtl wohl auf den Titel „Ritter vom heiligen Grab zu Jerusalem“, der ihm vom päpstlichen Orden verliehen worden war. So zumindest wusste es der Nach-Nachfolger von Franz Prechtl im Amt des Oberbürgermeisters, Michael Cerny zu erzählen. In seinem Nachruf ging er auf diesen „außergewöhnlichen Menschen“ ein, der ihm, Cerny, als junger 3. Bürgermeister gute Ratschläge mit auf den Weg gegeben habe.

„Ich sehe Dich Stadt mit liebenden Augen und hoffe, die anderen tun es auch“, zitierte Cerny den Ur-Amberger Franz Prechtl, der für seine Heimatstadt so viel getan habe. Dieser Spruch sei das Leitmotiv seines Wirkens gewesen. Zahllose Bauten gingen auf seine Anregung zurück, aber nicht nur das. Auch das Altstadtfest und die Weihnachtsbeleuchtung seien erstmals in der Ära Franz Prechtl veranstaltet oder angeschaltet worden. Prechtl habe aber auch verhindert, dass eine breite Straße mitten durch die geliebte Altstadt gebaut werden, stattdessen habe er auf den vierspurigen Ausbau des Altstadtrings gesetzt.

Franz Prechtl habe den Blick von seinem Amtszimmer hinüber nach St. Martin geliebt, der Kirche, in der er sein ganzes religiöses Leben verbracht hat. Er habe aber auch am Rathaus, das in seiner Amtszeit vollständig saniert worden sei, einen Spruch geliebt, der dort steht: Keines Menschen Geist hält den Lauf von Sonne, Mond und Sterne auf. „Die Welt dreht sich auch ohne Franz Prechtl weiter – auch wenn sie ein Stück ärmer geworden ist“, sagte Michael Cerny. (ass)

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