Amberg
11.02.2025 - 13:57 Uhr
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Amberg startet Fragebogenaktion für effektive Wärmeplanung bis spätestens 2028

Deutschland hat es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu sein. Um das zu erreichen, braucht es auch in Amberg eine Wärmeplanung, wie die Menschen künftig ihre Wohnungen heizen. Die startet mit einer Fragebogenaktion.

Wie heizt Amberg heute? Die Antworten auf diese relativ simple Frage dürften extrem vielfältig ausfallen. Zahlreiche Haushalte haben über Jahrzehnte vom günstigen russischen Gas profitiert, draußen in den Ortsteilen fährt oft noch das Ölauto vor, modernere Anlagen werden überwiegend mit Pellets beheizt. Teilweise holt die Oma aber auch noch das Öl mit der Kanne aus dem Keller. Dann wieder surrt ganz leise die Wärmepumpe vor dem Haus, wird die natürliche Erdwärme angezapft, oder es existiert ein Nahwärmenetz wie beispielsweise im Neubaugebiet Drillingsfeld II in Eglsee.

Das ist so ungefähr der bunte Mix, aus dem die Stadt Amberg bis spätestens Mitte 2028 eine funktionierende Wärmeplanung "basteln" soll. Die vor allem funktioniert und die hilft, dass Deutschland tatsächlich 2045 klimaneutral ist. Um die schlimmsten zu erwartenden Folgen des Klimawandels doch noch zu verhindern. In Amberg ist mit dieser anspruchsvollen Aufgabe das Institut für Energietechnik (IfE) beauftragt, das praktischerweise an der hiesigen Ostbayerischen Technischen Universität angesiedelt ist. Das aber inzwischen zahlreiche Kommunen zu seinen Kunden zählt, die vor den gleichen Anforderungen stehen, wie die Stadt Amberg.

Institut braucht Daten

Um überhaupt eine funktionierende Wärmeplanung auf die Beine stellen zu können, braucht das IfE zunächst einmal Daten. Dabei muss nicht nur die generelle Frage beantwortet werden, mit welchem Energieträger die Häuser in Amberg derzeit geheizt werden. Wichtig ist unter anderem auch, wie alt die Heizungen jeweils sind. Oder, ob und wenn ja, wie die Amberger ihre Häuser wärmegedämmt haben. Auf Basis dieser Daten kann dann errechnet werden, wo die Stadtwerke für die Umsetzung des Wärmekonzepts wie handeln müssen.

Erfasst werden diese Grunddaten in den kommenden Wochen in einer Fragebogenaktion. Alle Amberger Hauseigentümer erhalten in den nächsten Tagen Post von der Stadt Amberg mit einem speziellen Fragebogen, den das IfE entworfen hat. Bis Sonntag, 16. März, so das Ziel, sollen möglichst viele von den Fragebögen ausgefüllt zurückgeschickt werden. Das kann entweder mit dem beigelegten Antwortkuvert per Briefpost oder Einwurf in den Briefkasten am Rathaus geschehen. Noch einfach geht die Beantwortung allerdings über den aufgedruckten QR-Code, über den der Fragebogen schnell und unkompliziert ausgefüllt und online übermittelt werden kann.

Amberg muss gezielt investieren

"Was ist sinnvoll, was machen wir überhaupt?", nennt Oberbürgermeister Michael Cerny eine zentrale Frage, die mithilfe der ausgewerteten Fragebögen beantwortet werden kann. Im Energiekompetenzzentrum (EKZ) am Marktplatz rührt er gemeinsam mit Stadtwerke-Geschäftsführer Frank Backowies und Patrick Dirr vom IfE kräftig die Werbetrommel für die Fragebogenaktion. Denn je größer die Beteiligung, umso zielgenauer können die Stadtwerke anschließend tätig werden. Um beispielsweise ein Viertel mit einem Nahwärmenetz zu versorgen. "Viele Leute denken, die Kommune legt ihnen alle möglichen Angebote vor die Haustüre, und sie können dann auswählen", macht er deutlich, dass es so nicht sein wird und es immer nur eine Variante geben wird.

Warum, das erläutert Frank Backowies von den Stadtwerken. Nach heutigem Stand muss der städtische Energie- und Wärmeversorger im Zuge der Wärmeplanung rund 450 Millionen Euro investieren. Unter anderem auch für den Bau von Windrädern und Freiflächenphotovoltaikanlagen, aber vor allem für ein oder mehrere Wärmenetze. "Ein Unternehmen mit einer jährlichen Bilanzsumme von 130 Millionen Euro", macht Backowies das finanzielle Risiko deutlich. 200 Millionen Euro allein werden seiner Schätzung nach in den Ausbau des Leitungsnetzes für die dezentrale Nahwärmeversorgung fließen. Zusätzlich muss das Elektronetz erneuert werden, das auf die Anforderungen des Heizens und Fahrens mit Elektrizität von der Kapazität her noch nicht ausgelegt ist.

Altstadt besonders herausfordernd

Leicht wird es für die Stadtwerke dort, wo in den vergangenen Jahren neu gebaut worden ist. Beispiel Drillingsfeld II, wo es heute schon ein funktionierendes Nahwärmenetz gibt und die gut gedämmten Häuser ohnehin kaum mehr Wärmeenergie, sondern meist nur Warmwasser benötigen. "Besonders herausfordernd sind immer die Altstädte", so Patrick Dirr. Dann muss untersucht werden, ob es künftig ein Wasserstoffnetz anstelle des heutigen Gasnetzes in Amberg geben soll. Frank Backowies ist die Wette eingegangen, dass es diese Menge an Wasserstoff nicht geben wird, um ein solches zu betreiben.

Trotzdem gilt bei Erstellung der Wärmeplanung Energieoffenheit, wie Patrick Dirr vom IfE betont. "Wir schauen uns alles an", macht er deutlich. Um das fundiert zu können, benötigt das Institut für Energietechnik möglichst lückenlose Daten von den Hauseigentümern. Besteht überhaupt ein Interesse an einer zentralen Nahwärmeversorgung oder setzen die Amberger künftig verstärkt auf die eigene Wärmepumpe im Garten? "Viele Fragen können wir heute noch nicht beantworten", so Patrick Dirr. Deshalb die Fragebogenaktion, für die sich Dirr einen möglichst großen Rücklauf erhofft. 40 Prozent wären gut, mehr natürlich noch besser, appelliert er an "seine" Amberger, sich zu beteiligen.

Stadt muss handeln

"Du kannst nicht nichts tun", sagt seinerseits Frank Backowies. Ein "weiter so" oder eine Renaissance des billigen Russengases wird es seiner Einschätzung nach nicht geben. Und es wird nicht nur die Stadtwerke finanziell stark belasten. Auch für die Bürger wird die Versorgung mit Wärme – egal, wie diese produziert wird – auf Dauer teurer werden. "Man wird es finanziell merken", so Frank Backowies. Umso wichtiger ist es, möglichst genaue Daten zu bekommen, um ganz gezielt investieren zu können. Beispielsweise in ein gut funktionierendes Nahwärmenetz mit zentraler Energieversorgung.

Wichtig ist: Niemand kann gezwungen werden, seine noch gut funktionierende Heizung abzubauen, doch jede Gastherme, jeder Ölofen, der nicht mehr gebraucht wird, sorgt dafür, die Stadt Amberg ein Stück weit klimaneutraler zu nachen. Und keine Sorge: Auch die Schweden-, Kachel- oder Gussholzöfen, die sich in vielen Wohnungen befinden, können weiterbetrieben werden – wenn sie den aktuellen Standards entsprechen.

Hintergrund:

Was ist die Fragebogenaktion zur Wärmeplanung?

  • Warum? Die Stadt Amberg braucht möglichst viele Daten, um eine punktgenaue Wärmeplanung erstellen zu können.
  • Wann? Start der Aktion ist in den kommenden Tagen. Die Fragebögen sollen bis zum 16. März zurückgegeben werden.
  • Wie? Zurücksenden kann man die Fragebögen mit dem beigelegten Antwortkuvert oder online über den aufgedruckten QR-Code.
  • Was wird gefragt? Das mit der Wärmeplanung beauftragte Institut für Energietechnik aus Amberg braucht Daten zur aktuellen Quelle der Wärmeerzeugung, zur Dämmung des Gebäudes oder das Alter der Heizung. Außerdem soll das Interesse der Hauseigentümer nach einer zentralen Wärmeversorgung abgefragt werden.
  • Was kostet das? Die jeweiligen Kosten für die Hauseigentümer stehen noch nicht fest. Die Stadtwerke investieren in die Umsetzung der Wärmeplanung rund 450 Millionen Euro.
  • Wann geht es los? Nach Auswertung der Fragebögen soll ein Handlungskonzept erstellt werden. Daraus ergibt sich ein Zeitplan, welches Amberger Viertel wann angepackt werden soll.
  • Wer hilft mir weiter? Bei Unklarheiten bezüglich des Fragebogens gibt unter anderem das Energiekompetenzzentrum (EKZ) am Marktplatz Auskunft. Bitte die Öffnungszeiten mit Beratung beachten. Telefonische Auskunft gibt es unter der Rufnummer 10-9997 oder Mail kommunalewaermeplanung[at]amberg[dot]de.
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