07.05.2020 - 18:01 Uhr
AmbergOberpfalz

In Amberg vorgestellt: Atemschutzmasken aus Bayern

Drei Firmen, ein Ziel: Die sehr lange kaum oder gar nicht verfügbaren Corona-Schutzmasken herzustellen. Dafür haben sich die PIA Automation (Amberg), die Sandler AG (Schwarzenbach) und die Zettl Group (Weng) zusammengetan.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Dritter von rechts) besichtigt bei PIA Automation im Industriegebiet bei Immenstetten den Prototyp der Anlage, die vollautomatisch Atemschutzmasken produziert.
von Heike Unger Kontakt Profil

Die Coronakrise gab den Anstoß für diese Kooperation. Doch Lothar Mehren, der Leiter der Medical Divison von PIA Automation, sieht Potenzial "über die Coronakrise hinaus": Die Unabhängigkeit von internationalen Lieferketten, die durch die Pandemie derzeit teilweise gravierend gestört oder ganz unterbrochen sind, sei ein Thema auch außerhalb von Notzeiten. PIA jedenfalls sehe hier "ein festes Standbein über einen längeren Zeitraum", betonte Mehren bei der offiziellen Vorstellung des Masken-Verbunds auf dem PIA-Firmengelände im Amberger Industriegebiet bei Immenstetten.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nannte die Kooperation eine "einmalige Erfolgsgeschichte" in einem Land, in dem zu Beginn der Pandemie "keine einzige Maske" hergestellt worden sei, in dem man vom Import abhängig gewesen sei und um jedes Stückchen Stoff habe betteln müssen. Nun gebe es sogar "die Vision, dass wir in baldiger Zukunft zum Exporteur von Masken werden" und zwar "mit dem Stempel Qualität aus Bayern".

Der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (links) besucht die PIA Automation in Amberg.

Im Verbund entstehen Einweg-Atemschutzmasken, die auch "in der Intensivstation, vom Operateur oder der Altenpflegerin" genutzt werden können, betonte Aiwanger stolz. Er machte auch deutlich, dass es gelungen sei, dies "in kurzer Zeit" möglich zu machen: "Es geht also auch in einigen Wochen, nicht in Monaten". Der Minister unterstrich, dass der Masken-Verbund nun zunächst den Bedarf in Bayern abdecken werde. Wenn dann zudem "genügend Reserven angelegt sind, werden wir auch exportieren".

In Schutzausrüstung, auch für den Wirtschaftsminister ist das beim Rundgang in der Produktion Pflicht: PIA-Geschäftsführer Armin Schalk (links) erklärt Minister Hubert Aiwanger den Produktionsablauf.

Ziel sei es, die Produktion künftig "im Inland zu halten, auch wenn nicht mehr alle Menschen im Bus eine Maske tragen müssen" - auch, "damit wir bei der nächsten Krise nicht wieder mit leeren Händen da stehen." Es sei ein Trauma gewesen, "dass wir feststellen mussten, wir sind nicht in der Lage, uns mit solchen Stoffstücken auszurüsten". Aiwanger versicherte den drei Partner-Firmen auch weiterhin die Unterstützung der Staatsregierung. Er verwies darauf, dass alleine in diesem Bereich von PIA Automation 120 Arbeitskräfte für den Verbund tätig seien. Bei der Firma Zettel sei es eine große Zahl von Arbeitnehmern, die ohne die Innovation in der Krise vielleicht in Kurzarbeit gegangen oder arbeitslos geworden wären.

So sehen sie aus, die Produkte des Masken-Verbunds Bayern – Atemschutzmasken aus einer neu eingerichteten, heimischen Lieferkette.

"Es war eine Freude, mit euch zusammenzuarbeiten - wenn es nur überall in der Politik auch so gut laufen würde", sagte Aiwanger zu den Vertretern der drei Verbund-Firmen: "Das hat mir gefallen. Ich werde eure Handynummern nicht löschen. Ihr habt wirklich Großes vollbracht."

Beim Rundgang in der Produktion der Medical Division von PIA Automation im Industriegebiet Immenstetten.

Reinhard Zettel, Geschäftsführer der Zettel Group, berichtete, man habe "viel Energie" in das Projekt investiert, um eine nachhaltige Fertigung in Bayern mit hoher Qualität zu ermöglichen. Alle Bauteile der Schutzmasken stammten "zu 100 Prozent aus Bayern und Baden-Württemberg". Am Firmenstandort in Wengen werde man nun "fünf Millionen Masken im Monat" herstellen. Nächster Schritt sei dann die Produktion der medizinisch benötigten FFP-2-Schutzmasken.

Die Maskenherstellung läuft vollautomatisch.

Das Vlies dafür kommt von Partner Nummer drei, der Sandler AG. Deren Vorstand Ulrich Hornfech erinnerte daran, dass der Verbund seinen Ursprung "vor zwei Monaten in einer Home-Konferenz" gehabt habe. "Ich konnte damals nicht glauben, dass ein Minister eine Rolle Vlies bei uns abholt", verriet er - und ebenso habe er es nicht fassen können, wie schnell daraufhin "eine Wertschöpfungskette in Bayern" aufgebaut werden konnte - innerhalb von zwei Monaten. In "dem bisschen Blech und weißer Watte" stecke tatsächlich noch viel mehr als nur eine Schutzmaske. Hornfech sprach von "großem Potenzial".

Zur Vorstellung des Masken-Verbunds Bayern mit Minister Hubert Aiwanger kamen Vertreter aller drei beteiligten Partner-Unternehmen nach Amberg
Im Blickpunkt:

Der Masken-Verbund Bayern

Der Masken-Verbund Bayern will zu einem der größten Hersteller Deutschlands werden. Drei Partner haben sich hier zusammengetan: Die PIA Automation, deren medizinische Abteilung (Medical Division) in Amberg/Immenstetten sitzt, hat spezielle Anlagen entwickelt, die vollautomatisch Masken produzieren. Die Sandler AG im fränkischen Hof an der Saale stellt den Vliesstoff für die Einwegmasken her. Und der Automobilzulieferer Zettl Group hat einen Teil seiner Produktion in Weng (Kreis Landshut) umgestellt, um mit den PIA-Automaten nun Atemschutzmasken herzustellen.

Auch das Medien-Interesse war groß: Teams der großen Fernseh- und Radiosender wollten mehr über die Schutzmasken made in Bayern wissen.

PIA Automation baut Produktionsanlagen für Atemschutzmasken

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.