17.10.2021 - 16:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Wie ein Amberger Asylbewerber zum Meisterschüler im Friseurhandwerk wird

Aus Angela Merkels "Wir schaffen das" macht Salim Abo Harash sein persönliches "Ich schaffe das": Der Asylbewerber aus Syrien mausert sich mit seiner Familie vom Musterschüler der Integration weiter zum Meisterschüler im Friseurhandwerk.

Zufrieden blickt Hairstar-Inhaberin Beate Tran ihrem Schützling Salim Abo Harash beim Erstellen eines Haarteils für die Meisterschule über die Schulter. Der anerkannte Asylbewerber soll voraussichtlich nächstes Jahr ihr Stammgeschäft an der Hockermühlstraße führen.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Ja, es ist ein bemerkenswerter Weg, den der junge Mann aus dem syrischen Aleppo seit August 2015 in Amberg eingeschlagen hat. Wegen seiner Konsequenz und mit etwas Glück, das ihm hold war, ist Salim Abo Harash nicht nur ein Meisterschüler, sondern vor allem ein Musterschüler gelungener Integration geworden. Seine Einstellung half ihm dabei am allermeisten.

"Ich möchte arbeiten"

Darüber hatten Oberpfalz-Medien gleich nach seiner Ankunft in der damaligen Flüchtlingsauffangstation in der Sporthalle der Barbaraschule berichtet. Bereits im ersten Interview, das die Redaktion exemplarisch für viele seinerzeit in Amberg ankommende Migranten führte, betonte Salim, dass er dem deutschen Staat nicht lange zur Last fallen will. "Ich möchte arbeiten und für mich selber sorgen können", gab er klar als Devise für sich aus und glich damit doch so vielen anderen, die das selbe hehre Ziel hatten.

Dass es Salim rasch erreichen sollte, lag auch an diesem Satz, der im Online- und Print-Artikel zitiert war. Den las Beate Tran, die Inhaberin des Friseurgeschäfts Hairstar in der Hockermühl- und Emailfabrikstraße, die auch der Beruf des damals 26-Jährigen aufmerken ließ. Als gelerntem Friseur und Neu-Amberger mit diesem Willen zur Selbständigkeit wollte sie Salim eine Chance geben. Zumal ihr Mitarbeiter-Team eh international besetzt ist und der junge Mann aus Syrien mit seiner speziellen Kenntnis vom Bartschnitt - wichtig und buchstäblich gepflegt im arabischen Kulturkreis - ideal zum Portfolio passte.

Ausbildung nachgeholt

Beate Tran engagierte Salim nicht nur vom Fleck weg, sondern ermöglichte ihm auch eine Ausbildung, die der Asylbewerber mangels Nachweisdokumenten aus seiner Heimat in Deutschland neu absolvieren musste. Nicht nur das hielt der Neubürger ausdauernd durch, sondern spezialisierte sich weiter als Damenfriseur, was für einen gläubigen Moslem keine Selbstverständlichkeit ist. Doch solche Berührungsängste im wahrsten Sinn des Wortes überwand Salim genauso schnell, wie er Deutsch lernte und den Pkw-Führerschein machte. Und einen weiteren Traum konnte er sich 2018 erfüllen: Der heute 32-Jährige holte seine Frau Alaa nach Amberg nach.

Sie hatte bis dahin in der einst schwer umkämpften Stadt Aleppo ausgeharrt und auf diese Möglichkeit gewartet. Geduldig und mit vielen Entbehrungen, denn Salim hatte auch für diesen Plan der Familienzusammenführung und des gemeinsamen Lebens in Frieden in der Oberpfalz ein Ziel formuliert: Erst mal müsse er hier "stabil" werden, als Asylbewerber anerkannt sein und eben selbst Geld verdienen, um für sich und eine Familie sorgen zu können.

Erst, als das alles so weit war, kam Alaa nach Amberg, wo die zwei Eheleute mittlerweile auch eine Tochter haben und in einer eigenen Wohnung sesshaft geworden sind. Dazu passt bestens die weitere Entwicklung, die Salim mit Unterstützung von Beate Tran nun seit September macht. Er besucht die private Friseurschule von Christian Müller in Weiden, um in wenigen Monaten seinen Meistertitel zu erwerben. Und, ja, es ist nicht leicht, wie Salim zugibt, weil im Vollzeitunterricht so viel Stoff - Theorie und Praxis - auf ihn einprasselt, dass er fleißig dranbleiben muss, um am Ende die Prüfung vor der Handwerkskammer zu bestehen.

Motto: "Ich schaffe das!"

Aber, wie war sein Motto in Anlehnung an das der Bundeskanzlerin? "Ja, ich schaffe das!" Und wenn er es gepackt hat, wartet tatsächlich der nächste große Karriereschritt auf den Ex-Asylbewerber, der bald seine ebenso sehnlich erwartete Niederlassungserlaubnis für Deutschland beantragen will: Salim soll als dann frisch gebackener Meister die Filiale von Hairstar in der Hockermühlstraße führen. So viel Vertrauen hat Beate Tran längst in den jungen Mann, dem sie von Anfang an die Chance auf ein neues Leben in Amberg gegeben hatte und der sie nie enttäuscht hat.

Immer zuverlässig und loyal

Im Gegenteil hat die Geschäftsfrau den 32-Jährigen als "zuverlässig und loyal" kennen- sowie seine "menschlich ruhige und ausgeglichene Art" schätzen gelernt. Sein fachliches Können sei sowieso unbestritten, weshalb die Friseurmeisterin gerne jemandem den Job als Studioleiter gibt, den sie "großgezogen hat". "Wer's kann, der soll es machen", lehnt die Ambergerin jeden Unterschied zu Salims Herkunft ab und ergänzt weltoffen: "So sollte es doch immer sein ..."

Seit der großen Flüchtlingswelle im Sommer 2015 verfolgt Oberpfalz-Medien die Entwicklung eines Asylbewerbers aus Syrien

Amberg

Ich bin zufrieden. Ich habe Arbeit, Frau und Tochter - wir sind alle gesund. Al-Hamdu li-Llāh - Gott sei Dank!

Salim Abo Harash

 

 

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