01.02.2021 - 18:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Baureferat nimmt zu AZ-Artikel über Denkmalschutz Stellung

Der Denkmalschutz in Amberg als „Verhinderer“ von Investitionen? Diesen Eindruck will das Baureferat so nicht stehen lassen – und gibt Kontra.

Das Amberger Altstadt-Ei aus der Luft. Hier findet sich ein Großteil der denkmalhistorischen Bausubstanz von Amberg. Insgesamt hat das Baureferat der Stadt nach eigenen Angaben in den letzten beiden Jahren 111 denkmalrechtliche Erlaubnisse und Baugenehmigungen auf den Weg bringen können.
von Externer BeitragProfil

Das Baureferat der Stadt Amberg reagiert mit einer Stellungnahme auf den Artikel „Wenn Denkmalschutz zum Verhinderer wird“ in der Amberger Zeitung vom 21. Januar . Die Behörde erkennt darin den Vorwurf, der Denkmalschutz in Amberg sei ein „Verhinderer“ von Investitionsmaßnahmen, und weist „diese Anschuldigung entschieden zurück“.

Verwundert zeigt sich das Baureferat darüber, dass das in dem Artikel angeführte Treffen und damit auch die Kritik der Investoren „bereits Monate zurückliegt und größtenteils längst Gespräche mit ihnen stattgefunden haben, um offene Themen zu besprechen“.

Der Artikel, auf den sich die Stellungnahme des Baureferats bezieht

Amberg

„Die sieben Investoren sind alle namentlich bekannt. Hätte man der Stadt oder dem sogenannten Denkmalschutz die Möglichkeit gegeben, sich vor Erscheinen des Artikels ebenfalls zu äußern, hätte man sich einen weiteren Bericht zu konkreten Ergebnissen und ersten Lösungsansätzen getrost sparen können“, heißt es aus der Behörde, die es als journalistische Pflicht ansieht, statt „Pauschalvorwürfe konkrete Beispiele“ anzuführen und einzuordnen.

"Entbehrt jeder Grundlage"

Besonders betroffen reagiert das Baureferat zudem auf die Passage, dass das Thema bis dato nur deshalb nicht öffentlich diskutiert worden sei, weil die „nachvollziehbare Angst, durch breitgestreute Kritik nur noch mehr Probleme mit den dann eingeschnappten Behörden zu ernten“ als zu groß erachtet werde: „Diese Behauptung ist schlichtweg falsch, entbehrt jeder Grundlage.“

Die Gründe für die unterschiedlichen Sichtweisen von Denkmalschutz und Investoren liegen nach Ansicht des Baureferats meist im Konflikt zwischen optimaler Raumausnutzung und der dazu notwendigen Entfernung historischer Bausubstanz. „Würden wir dem ohne Weiteres zustimmen, würden wir der für uns alle verfassungsmäßigen Pflicht, Natur- und Kulturgüter zu schützen, nicht Rechnung tragen“, so das Baureferat.

Kompromisse nötig

Dabei stehe die Wirtschaftlichkeit eines Projekts auch im Interesse der Denkmalpflege, weshalb man gehalten sei, Kompromisse einzugehen, die dem Denkmal aber so wenig wie möglich schaden. „Wer in der Altstadt investiert, weiß natürlich, dass eine Abstimmung mit den Denkmalbehörden auf ihn zukommt, und dass wegen des historischen Erbes ‚Altstadt‘ sowohl Behutsamkeit als auch Sorgfalt und längerer Zeitbedarf für Abstimmungen unabdingbar sind“, betonen Baureferent Markus Kühne, seine Stellvertreterin Jasmin Hannich und ihre Mitarbeiter und verweisen darauf, dass das natürlich in jeder Kommune mit denkmalhistorischer Bausubstanz so sei.

Trotzdem seien die Verfahren der Investoren inzwischen größtenteils bereits genehmigt oder positiv vorbesprochen. „Einige Maßnahmen sind sogar bereits in der Umsetzung und Förderungen wurden gerne angenommen“, betont die Behörde. Mit ihrer Arbeit leiste die Denkmalschutzbehörde einen Beitrag zur Altstadtentwicklung und werde diesen Auftrag, hier bewahrend und gestaltend zu wirken, auch 2021 mit vollem Einsatz fortsetzen. Das gehe aber nur gemeinsam mit Investoren, „um die wir uns weiter bemühen, statt sie zu vergraulen“. Das heiße aber nicht, dass alles möglich gemacht werden könne.

Spagat gemeinsam meistern

„Unser Ziel ist es, gemeinsam mit potenziellen Investoren und Bauherren als Partner den Spagat zwischen dem Erhalt unserer Kulturgüter und der wirtschaftlich sinnvollen Nutzung des Gebäudebestandes zu meistern“, legen die Baufachleute ihre Position dar. Es sei dabei zugegebenermaßen oft nicht einfach, die verschiedenen Positionen in Einklang zu bringen. „Umso mehr sind wir stolz darauf, dass wir in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und den Bauherren sowie deren Planern in den letzten beiden Jahren 111 denkmalrechtliche Erlaubnisse und Baugenehmigungen auf den Weg bringen konnten, die erfolgreich und für alle Seiten zufriedenstellend umgesetzt werden konnten“, erklärt das Baureferat.

In dem Bewusstsein, dass Denkmalpflege auch finanziell einen Mehraufwand bedeuten kann, versuche man natürlich ebenso, die Investoren mit verschiedenen Förderungen finanziell zu unterstützen. So seien allein in den Jahren 2019 und 2020 Förderungen für mehr als 70 Antragsteller mit jeweils bis zu vier separaten Fördergebern abgestimmt worden. Hinzu kommen indirekte Förderungen über Steuerbegünstigungen. „Die Förderung haben wir in all diesen Fällen erhalten“, betont das Baureferat. Die Fördersummen hätten dabei im Einzelfall pro Gebäude bis weit mehr als 100.000 Euro betragen.

Alle Eigentümer angesprochen

Hinzu kommt, dass man neben der Betreuung der konkreten Vorhaben die Förderkulissen stetig weiterentwickle und aktiv die Sanierung und Reaktivierung von ungenutztem Wohnraum vorantreibe, um die wirtschaftliche Attraktivität zu steigern. „Dafür werden alle Eigentümer, die von Leerständen betroffen sind, einzeln angesprochen.“

Festhalten lasse sich abschließend, so das Baureferat, dass es sich für jedes einzelne Haus in der Altstadt einsetze. „Warum haben wir denn ein denkmalgeschütztes Altstadtensemble, mit vielen hübsch sanierten Häusern, die unseren Ruf als liebens- und lebenswerte Stadt mittelalterlichen Ursprungs prägen? Nur weil wir es uns alle gerade nicht einfach machen“, stellt das Baureferat fest und zeigt sich „froh um jeden Investor und privaten Grundstückseigentümer, der sich eines Teils unserer Geschichte annimmt und, statt es sich auf der grünen Wiese einfach zu machen, mit uns eine Lösung entwickelt“.

Anmerkung der Redaktion:
Es ist richtig, dass in dem Artikel „Wenn Denkmalschutz zum Verhinderer wird“ die Stadtverwaltung an sich oder das städtische Baureferat nicht zu Wort kommen. Doch gab zu dem Gespräch mit den sieben Investoren auf AZ-Anfrage Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik Auskunft, an den die Investoren ja ihre Anliegen adressiert hatten. Die Gewerbebau ist eine städtische Tochtergesellschaft.

 

 

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