08.03.2021 - 16:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger CSU-Bundestagskandidat: Vorentscheidung am Mittwoch

Wer soll ins Rennen um das Direktmandat im Bundestags-Wahlkreis Amberg gehen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Kreisvorstand der Amberg-Sulzbacher CSU am Mittwochabend. Er will danach eine Empfehlung abgeben.

160 Delegierte aus Amberg, Amberg-Sulzbach und Neumarkt stimmen am 20. Mai wahrscheinlich im ACC darüber ab, wer die Nachfolge von Alois Karl antreten soll.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Als der aktuelle Inhaber des Direktmandats im Wahlkreis 232 Amberg/Amberg-Sulzbach/Neumarkt, Alois Karl aus Neumarkt, Mitte 2020 in Blickweite seines 70. Geburtstags kundtat, dass er 2021 nicht mehr für den Bundestag antreten werde, brachten sich aus dem Landkreis Neumarkt ziemlich schnell zwei potenzielle Nachfolgekandidaten in Stellung: die CSU-Kreisvorsitzende Susanne Hierl und der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion in Neumarkt, Marco Gmelch. In Amberg-Sulzbach und Amberg dagegen hielten sich die CSU-Vertreter, denen man Ambitionen nachsagte, zunächst ziemlich bedeckt.

Angesichts des Neumarkter Übergewichts in der CSU-Bundeswahlkreiskonferenz eine nachvollziehbare Strategie. In der Nominierungsversammlung werden von 160 Delegierten dieses Mal nämlich 83 aus Neumarkt kommen, während Amberg-Sulzbach 59 und Amberg 18 stellt. Auch dieses Kräfteverhältnis gilt es zu berücksichtigen, wenn der CSU-Kreisvorstand am Mittwoch zusammenkommt, um sich auf einen Direktmandats-Kandidaten aus den eigenen Reihen festzulegen.

Inzwischen sind im Amberg-Sulzbacher Bewerberfeld neue Gesichter aufgetaucht, die anfangs noch gar nicht in den (öffentlichen) Überlegungen auftauchten. Hier ein Überblick.

Das Kandidatenkarussell dreht sich schon seit geraumer Zeit

Amberg

Barbara Gerl

Ihr Name ist schon seit Monaten genannt worden, jetzt äußert sich Barbara Gerl auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien zu einer möglichen Kandidatur. "Ja, ich stehe zur Verfügung", sagt die 43-jährige Bezirksvorsitzende der Frauen-Union aus Freudenberg. "Ich habe mir das lange überlegt und zuletzt auch mit allen Menschen, die mir wichtig sind, intensiv diskutiert. Dabei habe ich viel Zuspruch und Motivation erhalten." Am wichtigsten sei ihr natürlich die Zustimmung der Familie, die sie uneingeschränkt bekommen habe. Die Mutter von zwei Söhnen und einer Tochter weiß, wovon sie spricht und was auf sie zukommt. Ihr Vater, Hermann Fellner, vertrat die Region selbst zehn Jahre lang im Bundestag, von 1980 bis 1990. Gerl ist in der CSU auf Kreisebene stellvertretende Vorsitzende und gehört bereits viele Jahre dem CSU-Bezirksvorstand an, sie ist Kreisrätin im Amberg-Sulzbacher Kreistag und Gemeinderätin in Freudenberg. Auch war sie mehrere Jahre engste Mitarbeiterin im Büro der Amberger Bundestagsabgeordneten Barbara Lanzinger.

Barbara Gerl.

Andreas Otterbein

Auch wenn er sich insgesamt noch bedeckt hält: Dass er sich innerhalb der CSU Amberg-Sulzbach als Kandidat um die Nachfolge von Alois Karl bewirbt, bestätigt Andreas Otterbein, der Ortsvorsitzende der CSU Kastl und Bezirksvorsitzende des Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik (ASP) vor der Sitzung am Mittwoch. Er hält es aber für wichtig und richtig, dass der Kreisverband zunächst einmal intern sein "Portfolio an Bewerbern abklopft" und erst danach "nach außen geht". Man sei jedenfalls bestrebt, "den Besten" ins Rennen zu schicken. Mit Blick auf die Tatsache, dass die Neumarkter bei der CSU-Kandidatenkür eine knappe Mehrheit haben, meint Otterbein, als Kastler nah dran zu sein am Nachbar-Landkreis sei "sicherlich ein Vorteil, aber nicht der einzige". Er bewirbt sich um die Kandidatur, weil er mit seinen Schwerpunkt-Themen Außenpolitik und freier Handel dazu beitragen wolle und könne, "dass die Grenzen nicht schließen". Das sei gerade in Deutschland als Export- und Importland mit entsprechend vielen Beschäftigten in diesem Bereich wichtig.

Andreas Otterbein bei einem wehrpolitischen Kongress 2019 in München.

Florentin Siegert

Er sagt von sich selbst, dass er wohl ein Bewerber ist, mit dem nur wenige gerechnet haben. Florentin Siegert ist 23 und kommt aus Hirschau, seit 2019 ist er dort CSU-Ortsvorsitzender. "Ich bin angesprochen worden und es war mir eine unglaubliche Ehre, dass man mich für einen solchen Posten überhaupt ins Gespräch bringt und mir das zutraut", erzählt Siegert. Jetzt müsse man schauen, was der innerparteiliche Prozess bringt. Seine Chancen kann der 23-Jährige schwer einschätzen, er hält aber nichts für unmöglich.

Siegert hat in Bamberg Politikwissenschaft studiert und arbeitet aktuell für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Referent beim Beauftragten für Maritime Wirtschaft, parallel macht er sein Masterstudium in Konfliktforschung in Potsdam. Er würde sich freuen, seine "Heimat in Berlin vertreten zu dürfen", erklärt er. "Ich will mich dort für Probleme und Herausforderungen, die wir vor Ort haben, aber nicht hier lösen können, einsetzen." Besonders wichtig sei ihm, dass die Kommunen in und nach der Coronakrise vom Bund unterstützt werden. "Die Kommunen sind das Herz unseres Landes, hier findet das Leben statt. Wenn die Aufgaben hier immer größer werden, wenn immer mehr geleistet werden muss und in dieser schwierigen Zeit mit Gewerbesteuereinbrüchen zu kämpfen ist, muss der Bund finanziell unter die Arme greifen."

Florentin Siegert (23) ist einer der Kandidaten, die sich um die Nachfolge von Alois Karl bewerben.

Birgit Barth

Zuletzt nahm auch Birgit Barth aus Auerbach im Kandidatenkarussell Platz. Die 48-jährige Auerbacherin zog erst im Frühjahr 2020 in Stadtrat und Kreistag ein. Sie ist stellvertretende Kreisvorsitzende der Frauen-Union Amberg-Sulzbach. Ihre kommunalpolitische Blitzkarriere erklärt die freiberufliche Dozentin unter anderem mit ihrem starken Engagement im vorpolitischen Bereich: "Ich bin sehr breit aufgestellt im Ehrenamt." Ob das nun die IHK, der Pfarrgemeinderat oder Organisationen im Bereich der Inklusion sind. Auch ihr beruflicher Hintergrund wirke sich da positiv aus. In der Erwachsenenbildung, als Kommunikationstrainerin oder bei der Schulung von Führungskräften sei sie seit 2009 selbstständig und bayernweit unterwegs, "aber auch viel im Landkreis Amberg-Sulzbach tätig. Da ist schon ein Netzwerk vorhanden." Sie sei zunächst überrascht gewesen, dass sie als mögliche Kandidatin für das Direktmandat gehandelt wurde, sagt Birgit Barth, aber sie begreife das auch als Ehre: "Und ich bringe mich gerne ein, setze mich auch gerne für den Landkreis ein."

Birgit Barth (48) aus Auerbach darf als Senkrechtstarterin in der Kommunalpolitik des Landkreises gelten.

Stefan Braun

Der stellvertretende Landrat Stefan Braun (49) galt als sehr chancenreicher Kandidat für die Nachfolge von Alois Karl, da er als Bürgermeister von Kastl (seit 2002) auch im benachbarten Landkreis Neumarkt bekannt ist. Anfang Februar habe er aber den Verantwortlichen in der regionalen CSU und den als Bewerbern gehandelten Parteikollegen mitgeteilt, dass er für diese Aufgabe nicht zur Verfügung stehe, sagte Braun auf Nachfrage der AZ. "Ich habe das ja auch nicht aktiv betrieben, sondern das ist mir quasi in die Schuhe gelegt worden." Er habe sich zwar intensiv damit auseinandergesetzt, auch mit seiner Familie darüber gesprochen, aber dann bald eine Entscheidung getroffen, "die kein Nein zum Bundestag, sondern ein Ja zu meiner Bürgermeistertätigkeit in Kastl ist". Hier fühle er sich wohl, so Braun. "Ich mag diese unmittelbare Form der Politik, bei der man sofort Rückmeldung von den Leuten bekommt. Und ich schätze die Nähe zum Bürger und die gute Zusammenarbeit mit dem Landrat." Familiäre Gründe nennt der Vater von vier Kindern (die jüngste Tochter ist 15) ebenfalls als gewichtigen Grund bei der Entscheidungsfindung. "Die Entfernung nach Berlin ist da einfach zu groß." Obwohl die Aufgabe im Bundestag sicher reizvoll gewesen wäre, werde er unter diesen Vorzeichen lieber "den Luxus, im Heimatort zu arbeiten" weiter genießen.

Stefan Braun, stellvertretender Landrat von Amberg-Sulzbach. .

Patrick Fröhlich

Mit ähnlichen Erwägungen wie Stefan Braun hatte der Sulzbach-Rosenberger Patrick Fröhlich (39) vergangene Woche mitgeteilt, dass er sich nicht um das Direktmandat bewerben werde: Sein familiäres Umfeld lasse dafür keinen Spielraum. Der Vorsitzende der Bundeswahlkreiskonferenz und promovierte Wirtschaftswissenschaftler wird bald zum vierten Mal Vater und möchte den heranwachsenden Kindern unbedingt in dieser Rolle zur Verfügung stehen.

Patrick Fröhlich.

Zum Verzicht von Patrick Fröhlich

Sulzbach-Rosenberg

Wenn die Amberg-Sulzbacher CSU sich am Mittwoch für einen Kandidaten entschieden hat, bleibt freilich noch die Frage, was die anderen beiden Kreisverbände machen. In Neumarkt haben Susanne Hierl und Marco Gmelch gegenüber den Neumarkter Nachrichten erklärt, ihre Bewerbung weiterzuverfolgen. Hierl (46) ist Partnerin der Großkanzlei Rödl & Partner in Nürnberg und seit zwei Jahren Vorsitzende des Kreisverbands Neumarkt. Gmelch (33) ist Stadtverbandsvorsitzender in Neumarkt und beruflich als Projektleiter bei einer Versicherung tätig.

Noch bedeckt hält sich der CSU-Kreisverband Amberg. Dessen Vorsitzende Michaela Frauendorfer verwies auf die Kreisvorstandssitzung Ende März, bei der sich die Amberger positionieren wollen. Wichtig sei dabei auch, die Frage der Kandidatur gut mit der Amberg-Sulzbacher CSU unter dem Vorsitz des Landtagsabgeordneten Harald Schwartz abzusprechen.

Bilder-Rückblick

Kommentar:

Dieses Mal zusammenhalten

Mit dem Lokalproporz ist es ein bisschen so wie mit der Frauenquote: Eigentlich müsste es egal sein, welches Geschlecht ein(e) Abgeordnete(r) hat und woher er oder sie stammt. Ist es aber nicht, weil allein mit diesen beiden Merkmalen bestimmte Eigenschaften verbunden oder Hoffnungen impliziert werden. Die Grundannahme bei der Herkunftsfrage ist: Jemand aus der Amberg-Sulzbacher Gegend wird sich schon ein bisschen mehr für die Anliegen des Landkreises interessieren als ein Kandidat aus der Neumarkter Gegend. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Freunde Alois Karls würden diese Hypothese sicher entkräften wollen. Für das Amberg-Sulzbacher Lager innerhalb des Bundeswahlkreises bliebt diese Annahme gültig. Und wenn sie sich von ihr leiten lassen, dann müssen sie bei der Nominierungsversammlung – anders als 2016 – eines tun: zusammenhalten.

Uli Piehler

 

 

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