21.05.2021 - 16:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Fitness-Studios: Neue Regeln im 24-Stunden-Takt

Am Donnerstag trotz einer Inzidenz von 19,0 geschlossen, am Freitag offen, aber mit Test-Pflicht. Ab diesem Samstag sieht die Welt in den Amberger Fitness-Studios schon wieder ganz anders aus. Eine Branche kämpft nicht nur ums Überleben.

Gunnar Knittel (links) leitet den Life-Fitnessclub an der Hansestraße. Seit Freitag dürfen die Mitglieder wieder Sport treiben. Am Gerät müssen sie keine Maske tragen. Auf dem Weg zur nächsten Trainingsstation dagegen schon.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Noch vor einer Woche befand sich die Fitness-Branche an ihrem emotionalen Lockdown-Tiefpunkt. Die Staatsregierung teilte am Donnerstag, 13. Mai, relativ kurzfristig und überraschend mit, dass die Studios wegen eines angeblich erhöhten Infektionsrisikos nicht als Sportstätten, sondern als Freizeiteinrichtungen einzustufen sind. Die Clubs mussten geschlossen bleiben, während zum Beispiel die Außengastronomie ab Samstag, 15. Mai, wieder öffnen durfte.

Nun die ebenso plötzliche Kehrtwende: Die Studios durften am Freitag, 21. Mai, wieder aufmachen. Von Euphorie oder Aufbruchstimmung ist in den Gesprächen mit drei Verantwortlichen nicht viel zu spüren. Im Gegenteil. Wie es heißt, sei die Lage aus vielen Gründen kritisch - und bisweilen auch kompliziert. Zum Beispiel, wenn man wie Michael Lichtenauer ein Studio in Amberg und eines nur 100 Meter hinter der Stadtgrenze in Kümmersbruck und damit auf Landkreisgebiet betreibt. Dort gelten wegen einer Sieben-Tage-Inzidenz von knapp über 50 andere Regeln.

Am Freitag herrschte in beiden Lichtenauer-Clever-fit-Studios zum ersten Mal seit Ende Oktober wieder Betrieb: "Mit Segen von ganz oben." Wer wollte, konnte trainieren, benötigte aber einen Termin und einen Test. Oder alternativ dazu den Nachweis, genesen beziehungsweise geimpft zu sein. Einige Mitglieder machten davon bereits am frühen Vormittag Gebrauch.

Termine per App buchen

Probleme beim Buchen der Trainingszeiten habe es nicht gegeben: "Wir haben hier ein festes Kontingent nach Quadratmeterzahlen und eine App, mit der man sehen kann, ob noch Plätze frei sind und wie viele." Eine klare staatliche Vorgabe, wie viele Leute zeitgleich trainieren dürfen, gebe es aber nicht: "So genau wissen wir das gar nicht. Wir orientieren uns da am Einzelhandel. Pro 20 Quadratmeter ein Kunde. Das haben wir eigenständig so beschlossen." In Kümmersbruck dürfen folglich zeitgleich 65 Leute Sport treiben, in der kleineren Ammersrichter Außenstelle sind es 50. Doch das ist nicht der einzige Unterschied zwischen beiden Studios.

Test-Pflicht nur für einen Tag

Da die Inzidenz in Amberg stabil unter 50 liegt, entfällt ab Samstag die Test-Pflicht. Nach nur einem Tag kann Lichtenauer auf diesen Nachweis wieder verzichten. Nicht aber in Kümmersbruck. Das sei nicht unbedingt logisch, aber auch kein großes Problem: "Dieser eine Tag tut da nicht weh. Wir sind froh, dass wir aufsperren dürfen." Da die Mitglieder je nach Vertrag in beiden Studios trainieren dürfen, wird es für den Chef nicht unbedingt kompliziert, aber schwer kalkulierbar: "Ich bin gespannt, wie die Leute reagieren. Die, die einen Test brauchen, wie die sich entscheiden. Gehen und einen Test machen? Oder sie fahren alle nach Amberg. Da bin ich echt gespannt, wie das läuft."

„So genau wissen wir das gar nicht. Wir orientieren uns da am Einzelhandel. Pro 20 Quadratmeter ein Kunde. Das haben wir eigenständig so beschlossen.“

Michael Lichtenauer über die ihm nicht vorliegende Vorgabe, wie viele Sportler in den Studios erlaubt sind

Michael Lichtenauer über die ihm nicht vorliegende Vorgabe, wie viele Sportler in den Studios erlaubt sind

Und noch etwas kann Michael Lichtenauer zurzeit nur sehr schwer einschätzen. Wann im Training wieder auf eine Maske verzichtet werden kann. So wie im Sommer 2020, als es jedoch im Vergleich zu jetzt noch keine Luftfilteranlagen gab. Neun von ihnen hat Lichtenauer angeschafft und dafür viel Geld ausgegeben, wie er sagt. Fünf Geräte stehen in Kümmersbruck, vier in Amberg. Auch bei den Verträgen für die Mitglieder musste Lichtenauer reagieren. Bisher gab es ausschließlich Jahresverträge. Ab nächster Woche kommen flexiblere Varianten hinzu, die monatlich kündbar sind. Für den Fall, dass die Studios im Herbst oder Winter wieder schließen. Das hofft der Geschäftsmann aber nicht: "Natürlich hat man da Angst, aber auch die große Hoffnung, dass es nicht mehr passiert, weil die Impfquote deutlich steigt."

Gunnar Knittel sieht das nicht anders. Er leitet den Life-Fitnessclub an der Hansestraße und kümmerte sich am Freitag um "die 3 G" - getestet, geimpft, genesen. Wer eines dieser Kriterien erfüllte, durfte trainieren. "Die Mitglieder können einen Selbsttest vor unseren Augen machen", sagte Knittel in dem Wissen, dass diese Prozedur schon am Samstag wieder Vergangenheit sein wird. Für "das Hin und Her" findet er klare Worte. An höchster Stelle sei mit der Branche "despektierlich, ironisch und teils diffamierend" umgegangen worden: "Es hat geheißen, wir könnten ja Gartenarbeit machen. Die haben nicht verstanden, worum es geht." 60 Prozent der Mitglieder seien Patienten mit Beschwerden, die ergänzend zu ärztlichen Maßnahmen behandelt werden müssten. Das sei wegen der Schließung nicht möglich gewesen. Ausnahmen habe es lediglich für Reha-Patienten gegeben, die über Krankenkassen abgerechnet werden. "Darauf haben wir bewusst verzichtet", sagt Knittel. Er erklärt: "Das haben wir aus Gründen der Gleichbehandlung getan. Wir wollten nicht, dass es heißt, der eine darf, der andere nicht."

Dabei wäre ein Studiobetrieb schon früher möglich gewesen. Das liege an der Digitalisierung. Sämtliche Daten würden elektronisch erfasst. Inklusive der Leistungen an den Geräten, um die einzelnen Trainingspläne individuell möglichst effektiv gestalten zu können: "Wir können auf die Sekunde genau sagen, wann jemand kommt und geht." Im Falle eines Notfalls, sprich einer Corona-Infektion, gingen Push-Nachrichten auf die Handys aller Mitglieder, die zeitgleich im Club waren: "Es gibt keine Branche, die in der Nachverfolgung so top aufgestellt ist." Inklusive einer neuen Abluftanlage habe das Unternehmen einen sechsstelligen Betrag investiert, um einen sicheren Trainingsbetrieb zu gewährleisten, "und das, obwohl wir zehn Monate lang keine Umsätze gemacht haben".

Keine staatlichen Hilfen mehr

Apropos Geld. Raphael Fuchs, Inhaber des Studios Fuchs-Fitness an der Pfistermeisterstraße, will nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht. Durch die Öffnung sei die Krise der Branche nicht überstanden: "Das Problem ist, dass die Rückstände nicht aufholbar sind. Es ist so viel weggebrochen." Durch das Ende des Lockdowns gebe es nun keine staatlichen Finanzhilfen. Da nur etwa 15 Prozent der Mitglieder in den vergangenen Monaten aus Solidarität ihre Beiträge weiterzahlten, die restlichen 85 Prozent aber nicht sofort zurückkämen, gebe es weiterhin ein gewaltiges Loch in der Kasse: "Die Situation ist immer noch kritisch. Das, was verloren ist, lässt sich nicht mehr zurückgewinnen."

„Die Situation ist immer noch kritisch. Das, was verloren ist, lässt sich nicht mehr zurückgewinnen.“

Raphael Fuchs, Inhaber von Fuchs-Fitness

Raphael Fuchs, Inhaber von Fuchs-Fitness

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