10.09.2019 - 17:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Masken-Raub vor Gericht

Rosenmontag 2016. Am späten Nachmittag überfallen zwei mit Faschingsmasken vermummte Männer die Goldankaufstelle am Schrannenplatz. Jetzt sitzen zwei Verdächtige vor dem Landgericht. Außer ihren Personalien sagen sie nichts.

Die Goldankaufstelle am Amberger Schrannenplatz. Am Rosenmontag 2016 war sie von zwei maskierten Männern überfallen worden.
von Autor HOUProfil

Für die Erste Strafkammer ist dieser Fall wie ein schweres Stück Arbeit im dunklen Bergwerk. Vor ihr sitzen zwei Männer, von denen man definitiv nur weiß, dass sie am 8. Februar 2016 zwischen 16 und 19.30 Uhr unbegleiteten Ausgang aus der Drogentherapieklinik Parsberg bekamen.

Mit Amberg hatten der 36-Jährige und sein mutmaßlicher Komplize (33) wenig bis nichts zu tun. Einer wohnte mal eher kurzzeitig in Stadtnähe. Ansonsten gab es so gut wie keinen Bezug zur Oberpfalz. Die Rahmenhandlung wurde am ersten Prozesstag klar skizziert: Am Rosenmontag des Jahres 2016 stürmten zwei mit bizarren Masken vermummte Männer in die Goldankaufstelle am Schrannenplatz. Dem Ankäufer von Edelmetallen (58) wurde ein Messer vorgehalten, dann ertönte die Aufforderung: "Und jetzt Geld raus". Ein paar Hundert Meter weiter rumorte am Marktplatz musikalisch untermaltes Faschingstreiben.

V-Mann im Einsatz

Die Räuber, einer schlank und groß, der andere sehr muskulös und durchtrainiert, gingen gezielt vor, öffneten Schubladen und türmten mit Bargeld, dessen Betragshöhe nun vor Gericht auf 2100 bis 2500 Euro geschätzt wurde. Außerdem nahmen sie ein paar Chemikalien-Fläschchen mit. Als beide um 17.15 Uhr flüchteten, stand der Dalmatinerhund des Goldankäufers an der Tür und schaute ihnen nach. Das zeigten Videobilder, die von der Tat existieren.

Was hatten die beiden wegen schweren Raubes angeklagten Männer mit dem Coup zu tun? Sie selbst sagten auf Anraten ihrer beiden aus Regensburg angereisten Anwälte Helmut Mörtl und Michael Haizmann kein Wort. Das Verbrechen soll ihnen nachgewiesen werden. Doch das könnte schwer werden. Am Anfang tappte die Kripo im Dunkeln. Es gab nur Fotos, die zwei Räuber mit Faschingsmasken zeigten. Dann aber ergaben sich 2017 erste Hinweise. Allerdings aus teilweise fragwürdigen Quellen. Im Gerichtsaal sind zum Verhandlungsauftakt zwei Beamte einer in Regensburg ansässigen Kripo-Sondereinheit befragt worden. Sie hatten eine nur begrenzt erteilte Aussage-Genehmigung und berichteten, dass von einer Vertrauensperson der Täterhinweis auf beide nun beschuldigten Männer gekommen sei. Sie hätten mit ihrer Tat geprahlt. Mehr erfuhr die Kammer nicht. Denn letztlich sei dem V-Mann, der das offenbar auch nur von einer weiteren Person gehört haben soll, von der Staatsanwaltschaft absolute Vertraulichkeit zugesichert worden. Zurück blieb Verwunderung:

Was sollte man mit einem solchen Verwirrspiel anfangen? Die Angaben der Ermittler waren nebulös und oberflächlich, sie trugen nicht zur Aufklärung bei. Postwendend kam dann auch ein Antrag der beiden Verteidiger, dass diese Aussage einer anonymen Person keinesfalls verwertet werden dürfe. "Wir sehen das Problem schon", hörten sie von der Kammervorsitzenden Roswitha Stöber. Es gab ferner eine heute 22 Jahre alte Frau aus Niederbayern, die seinerzeit mit einem der Verdächtigen befreundet war. Fahnder hatten ihr Ausschnitte der damaligen Berichterstattung der Amberger Zeitung vorgelegt und von ihr wissen wollen, ob die gedruckten Fotos ihren Partner zeigen könnten. Sie sagte: "Das erkenne ich trotz Maske sofort, dass er es ist". Jetzt vor Gericht äußerte die Zeugin sinngemäß, dass sie seinerzeit in sehr barschem Ton vernommen worden sei und sich außerdem an wenig erinnern könne.

"Den Mund halten"

Dann kam einer, der im Jahr 2016 zusammen mit beiden Angeklagten in der Drogenklinik war. Auch ihm waren die Videobilder gezeigt worden. "Ich habe sie sofort wegen ihrer Körperhaltung identifiziert", ließ der 38-Jährige erkennen. Der Polizei will er nichts davon gesagt haben. "Aber ich habe einen der beiden später darauf angesprochen." Dessen Antwort: "Ein Lachen und die Aufforderung, ich soll den Mund halten." Wie hätten die zwei Männer damals von Parsberg nach Amberg und zurück kommen sollen? Stimmt es wirklich, dass sie ständig über größere Geldsummen verfügten? Diese und andere Fragen sind bisher unbeantwortet. Fest steht nur: Die Angeklagten hatten an jenem Rosenmontag Ausgang. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Onetz-Bericht zum Überfall im Februar 2016

Onetz-Bericht zum Urteil

Amberg

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