11.09.2019 - 16:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Freispruch nach Masken-Überfall in Amberg

Was soll ein Gericht machen, wenn es hinten und vorne an Beweisen fehlt? Die Konsequenz daraus ist ein Freispruch. Zwei Männer verlassen ungeahndet den Sitzungssaal und lassen eine Frage zurück.

Dieser Goldankauf am Schrannenplatz war Schauplatz des Überfalls.

Wer hat denn nun am 8. Februar 2016 eine Goldankaufstelle am Schrannenplatz überfallen und ausgeraubt? Die Anklage stand immer mehr auf töneren Füßen. Da saßen zwei Angeklagte, die nichts sagen wollten und damit von ihrem Recht des Schweigens Gebrauch machten. Also musste die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts eine Beweisaufnahme starten, die zunehmend aussichtsloser für einen Tatnachweis wurde.

Als Fakt konnte gelten: Am Rosenmontag des Jahres 2016 hatten zwei mit Faschingsmasken vermummte Männer eine Goldankaufstelle gleich neben dem Stadttheater betreten, dem hinter seinem Schreibtisch sitzenden Ankäufer ein Messer vorgehalten und ihn ins Gesicht geschlagen. Dann kam die Forderung nach Bargeld. Als ihnen der Mann offenbar zu langsam reagierte, griffen die Täter selbst in Schubladen und nahmen über 2000 Euro mit. Interessant dabei war, dass der Dalmatiner-Hund des Opfers die Verbrecher schwanzwedelnd umkreiste und ihnen dann auf den Schrannenplatz nachblickte. Ihm schien das furiose Intermezzo irgendwie zu gefallen.

Onetz-Bericht zum Prozess-Auftakt

Amberg

Vermummte Gesichter

Später gab es Fahndungsfotos der Polizei, die von einer Videokamera stammten. Sie zeigten zwei männliche Gestalten: einer schlank und relativ groß, der andere muskulös wie ein Kraftathlet. Diese Beschreibungen hätten auf die beiden 33 und 36 Jahre alten Angeklagten tatsächlich gepasst. Doch daraus konnte sich auch nicht ansatzweise ein schlüssiger Bezugspunkt entwickeln. Denn die Gesichter der beiden Räuber waren durch Masken vermummt. Die beiden jetzt des schweren Raubes beschuldigten Männer hatten an jenem Rosenmontag 2016 unbewachten Ausgang von der Drogenklinik Parsberg erhalten. Ein Oberarzt bestätigte das den Richtern und fügte hinzu, man habe später die Fahndungsbilder den Insassen der Therapieeinrichtung gezeigt. Fazit: "Die Kleidungsstücke kannte keiner."

Es gab Zeugen, die zunächst vor der Polizei gesagt hatten, sie wären von der Täterschaft der beiden Beschuldigten überzeugt. Jetzt im Prozess klafften Erinnerungslücken, wurde teilweise von früheren Angaben weit abgerückt. Hinzu kam, dass sich bei der Regensburger Kripo ein V-Mann gemeldet und in einer Befragung mitgeteilt hatte, dass es sich bei den beiden Angeklagten um die Räuber handele. Allerdings mit der Einschränkung, er wisse das auch nur von einer anderen Quelle. Was sollte das für eine Beweiskraft haben?

Zum Schluss dann auch noch dies: Es hätte ein Zeuge aus Amberg kommen sollen, der angeblich ebenfalls etwas über einen Bezug der Männer zum Überfall erfahren hatte. Der Mann kam nicht. Also ließ die Strafkammer nachforschen und bekam das Ergebnis: Haftentlassung vor wenigen Tagen, seither verschollen.

Das war's dann. Zwei medizinische Sachverständige, die Angaben zur Drogenabhängigkeit der Männer hätten machen sollen, konnten unvernommen gehen. Damit deutete sich das Ende des Prozesses an. Staatsanwältin Manuela Zeller beharrte nicht länger auf ihrer Raub-Anklage und stellte Freispruchanträge an den Schluss ihres Plädoyers. Die Verteidiger Michael Haizmann und Helmut Mörtl schlossen sich an.

Gericht fehlen Beweise

Die Richter gingen hinaus und kamen bald wieder zurück. "Freispruch für beide", lautete die Entscheidung. Verbunden mit der Feststellung: "Es gab keinerlei objektive Beweise." Bei einer Verurteilung hätten alle zwei mit mindestens fünf Jahren Haft rechnen müssen. Nur einer konnte aber als freier Mann zurück in seine niederbayerische Heimat fahren. Der andere wurde gefesselt von Polizisten abgeführt. Er befindet sich zwischenzeitlich schon wieder im amtlich angeordneten Drogenentzug.

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