21.03.2021 - 16:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Unternehmer schlägt vor: Lüftung einfach selbst bauen

Eine selbst gebaute Lüftungsanlage für Klassenzimmer – das Prinzip ist umwerfend einfach und kostengünstig. Und ein Amberger Unternehmer würde mithelfen. Nur die Schule müsste dafür irgendwann einmal wieder öffnen.

Schule auf, Schule zu, Schule wieder auf – und ist die Schule endlich mal wieder geöffnet, gilt das Prinzip Fenster auf, Fenster zu, Fenster wieder auf.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Der leidige Inzidenzwert. Die Stadt Amberg nähert sich von unten der Marke von 200, der Landkreis ist nur wenig darunter. Aktuell schaut es so aus, als ob unsere Schulkinder auch in den kommenden Wochen noch ihren Unterricht daheim "genießen" dürfen oder müssen. Doch irgendwann werden sie ja mal wieder aufmachen, die Schulen. Im Wechselunterricht vielleicht, unter bestimmten Hygienebedingungen. Zu denen mit Sicherheit auch wieder das regelmäßige Lüften gehören wird, um die gefährlichen Aerosole aus dem Klassenzimmer zu bringen.

Schulkinder müssen frieren

Was regelmäßig zur Folge hat, dass die Schulkinder nach Schulschluss angesichts der teilweise immer noch niedrigen Außentemperaturen gut durchgekühlt heim gehen. Ein Phänomen, das überall in der Republik ein Thema ist. Das Max-Planck-Institut in Mainz hat deswegen eine einfache und billige Lösung zum Selberbauen aus dem Baumarkt entwickelt. Mit sehr gutem Erfolg, wie Schüler und Lehrer – nicht nur in Rheinland-Pfalz – meinen. Dort haben inzwischen diverse Schulen die geniale Lüftung eingebaut. Auch der Amberger Unternehmer Georg Baumann ist vom System "Do it yourself" angetan und bietet für die Umsetzung sogar seine und seiner Lehrlinge Hilfe an.

"Wir (Fa. Baumann) haben großes Interesse daran, dass die Schulen wieder öffnen und sicher sind. Daher würden wir die Materialkosten für Musterräume übernehmen und unsere Azubis würden bei der Installation helfen", schreibt Georg Baumann in einer Mail an das städtische Schul- und das Bauamt. Natürlich müssten auch die Schulen mitmachen, die Lehrer, Eltern und Schüler, fordert Georg Baumann eine gewisse Eigeninitiative für die Installation des Systems. Das es laut Max-Planck-Institut locker schafft, die Luft in einem Klassenzimmer zwei bis drei Mal pro Stunde komplett auszutauschen. Für nur rund 200 Euro pro Stück.

"Wir haben großes Interesse daran, dass die Schulen wieder öffnen und sicher sind."

Georg Baumann

Georg Baumann

Material aus dem Baumarkt reicht

Denn für diese Lüftung braucht es nur ein paar Schirme aus Plastikfolie, einige handelsübliche Röhren sowie einen billigen Ventilator, der die Luft nach draußen befördert. Den Rest erledigt die Körperwärme der Menschen im Raum, die bewirkt, dass die Luft samt Aerosolen nach oben steigt. Dort wird sie dann angesaugt und nach draußen befördert. "Wir finden das eine tolle Idee", sagt der für Amberg zuständige Kultur- und Schulreferent Fabian Kern. Der gleich eine Idee zusteuert: "Das könnte ja auch mit der Luftkunst verbunden werden", schwebt ihm eine zusätzliche kulturelle Komponente vor.

So ein bis zwei Musterräume, um das Prinzip zu testen, das anderswo schon regelmäßig im Einsatz ist, könnte sich Kern sehr wohl zum Anfang vorstellen. Abhängig natürlich von den notwendigen Genehmigungen, was unter anderem die Sicherheit angeht. Aber auch darüber hat sich Georg Baumann bereits Gedanken gemacht. "Die Brandlast spielt bei der geringen Menge an Materialien eigentlich überhaupt keine Rolle", baut er den Einwänden von Bedenkenträgern aus dieser Richtung vor. "Aber ich weiß, dass man darüber so etwas natürlich abwürgen kann."

Das letzte Wort hat das Baureferat

Baumann ist zuversichtlich, schon bald anfangen zu können. Vielleicht in Form einer Projektarbeit für die Schüler, in Zusammenarbeit mit den Lehrlingen der Firma Baumann. Fehlt eigentlich nur noch die positive Einschätzung durch das städtische Hochbauamt. Denn das muss die Lüftungsanlage letztendlich genehmigen. "Wir können uns zwei bis vier Probeklassenzimmer gut vorstellen", überbringt die städtische Pressesprecherin Susanne Schwab die Position der Bauprofis. Zwar laufen die entsprechenden Voruntersuchungen noch, doch das Gregor-Mendel-Gymnasium steht in der engeren Auswahl. "Es darf natürlich dadurch kein Schaden an der Gesamtsubstanz entstehen", ist die Einschränkung, die gilt. Trotzdem scheint die Lüftungsanlage Marke DIY (Do it yourself) tatsächlich vor ihrer Umsetzung zu stehen.

Kommentar:

So sieht echter Bürgersinn aus

Es gibt sie noch, die positiven Nachrichten auch während der Corona-Zeit. Ein Amberger Unternehmer macht einen Vorschlag für den Bau günstiger Lüftungsanlagen für Klassenzimmer und bietet auch gleich noch seine finanzielle Mithilfe und die Arbeitskraft seiner Lehrlinge an. Einzige Bedingung: Die Eltern und Schüler müssen ein bisschen mit selbst anpacken. Die Schüler eventuell in Form einer Projektarbeit. Und auch bei der Stadt Amberg als Sachaufwandsträger zeigt man sich aufgeschlossen. "Kann man ja mal probieren" statt eines "geht nicht, gibt's nicht". So sieht Bürgersinn aus. Einfach mal was machen statt immer nur reden und am Ende doch nichts tun. Schön wäre es, wenn so etwas in unserer Stadt Schule machen könnte.

Andreas Ascherl

Auch das Testen gehört zur Corona-Strategie an den Schulen

Amberg

 

 

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