28.10.2021 - 18:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Wirt erklärt, warum er 3Gplus eingeführt hat

Geimpft, genesen oder getestet: Das ist die 3G-Regel, die vielerorts gilt. Und dann gibt es noch 3Gplus, was Ahmet Zurnaci, der das Portofino in Amberg betreibt, für sein Lokal eingeführt hat. Doch das gefällt nicht jedem.

Portofino-Wirt Ahmet Zurnaci, der für sein Lokal in der Fleurystraße in Amberg, die 3Gplus-Regel (geimpft, genesen, PCR-getestet) eingeführt hat, mit der Tafel, die ihm ein Unbekannter mit einem Diskriminierungsvorwurf überklebt hat.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Ahmet Zurnaci, der seit neun Jahren das Restaurant Portofino an der Fleurystraße betreibt, hat als, wie er selbst sagt, erster Wirt in Amberg die 3Gplus-Regel eingeführt. Das heißt: Wer bei ihm speisen will, muss geimpft, genesen oder PCR-getestet sein. Kaum dass er vor knapp zwei Wochen kundgetan hatte, dass diese Regel bei ihm gilt, bekam er schon den Unmut mancher zu spüren. Über die Tafel draußen vor dem Restaurant pappte ihm jemand einen Zettel. Darauf stand: "Geimpft – genesen – gesund – alle Menschen sind gleich." Und: "3G+ ist Diskriminierung."

Diese Anschuldigungen treffen ihn nach eigenem Bekunden nicht, genauso wenig wie Kommentare in sozialen Netzwerken, die einen ähnlichen Tenor haben. "Boah! Dass nenne ich mal richtige Diskriminierung gesunder Menschen. Eigentlich nur traurig!", lautet eine dieser Nachrichten. "Der überteuerte PCR-Test ist kein Gesetz und vom Betreiber freiwillig so umgesetzt", schreibt eine andere Userin und meint: "Mehr Diskriminierung geht ja wohl nicht! Ihr solltet euch schämen."

Großteil der Gäste geimpft

Ahmet Zurnaci ist es vielmehr ein Anliegen, darzulegen, warum er und andere in der Gastronomie auf 3Gplus umgeswitcht sind. Der Gastronom schickt voraus, dass die meisten seiner Gäste geimpft seien. Auch bevor die Tests kostenpflichtig wurden, was seit 11. Oktober der Fall ist, schätzt er die Zahl derer, die mit negativem Schnelltest-Ergebnis zum Restaurant-Besuch gekommen waren, auf "keine fünf Prozent".

Durch die Einführung von 3Gplus könne er jetzt auf die Trennwände zwischen den Tischen verzichten, sowohl die Gäste als auch die Bedienungen müssten keine Masken mehr tragen. Darüber sei er sehr froh. In seinem Lokal sind drinnen 70 Plätze. Mit Trennwänden, wie er sie installiert hatte, durfte er jeden Tisch besetzen. Ohne Trennwände hätte er 1,5 Meter Abstand halten müssen. Das wiederum hätte gesperrte Plätze bedeutet. "Damit kann man Lokalitäten nicht auslasten, nicht mal zu 50 Prozent", führt er aus und spricht auch den siebenmonatigen Lockdown in der Gastronomie an. Danach sei man froh gewesen, "wenn man überhaupt mal zu einem Drittel besetzen konnte". Gäste, die zu ihm kommen, seien zu 99 Prozent geimpft. "Auch vom Personal sind alle geimpft."

"Gäste zu 99 Prozent geimpft"

Über die Einführung der 3Gplus-Regel in seinem Lokal, in der er sowohl für die Kundschaft als auch für das Personal Vorteile sieht, sagt er: "Wir machen all das auch nicht zum Spaß, auch wenn manche Leute das meinen." Seine geimpften und genesenen Gäste fänden die Regelung mit 3Gplus gut. Das Feedback sei "mehr positiv als negativ". Ahmet Zurnaci glaubt generell, dass vielen gar nicht bewusst sei, was dahinterstecke und was die Unterschiede eigentlich seien. So würden viele fragen, warum er jeden Tisch besetzen dürfe, man keine Maske mehr tragen müsse. Für sein Personal sieht er den größten Vorteil von 3Gplus: "Meine Bedienungen müssen nicht mehr stundenlang Maske tragen."

Zurnaci hätte nach eigenen Angaben kein Problem damit, für sein Lokal die 2G-Regel einzuführen. Das hieße dann, dass nur Geimpfte und Genese Zutritt hätten – und Ungeimpfte gar nicht, nicht einmal mit negativem PCR-Test. Der Gastronom schätzt, dass die Zahl derer, die extra einen PCR-Test machen lassen, um dann bei 3Gplus ins Portofino zu kommen, gegen Null geht. Solch ein Test koste zwischen 70 und 150 Euro. "Wer zahlt das, nur um zum Essen zu gehen?!"

Über die Kontrollen zur Einhaltung von 3G, 3Gplus und 2G

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Die unterschiedlichen G-Regeln

  • 3G (geimpft, genesen, getestet): Zutritt für Veranstaltungen in Innenräumen hat nur, wer geimpft oder genesen ist. Wer keines von beiden ist, muss einen negativen Coronatest vorlegen – entweder Antigen-Schnelltest (maximal 24 Stunden alt) oder PCR-Test (maximal 48 Stunden alt). Ausgenommen von der Regelung sind Kinder bis zum sechsten Lebensjahr und Schüler.
  • 3Gplus (geimpft, genesen, PCR-getestet): Überall dort, wo 3G greift (weil beispielsweise die Sieben-Tage-Inzidenz über 35 liegt), können Betreiber und Veranstalter entscheiden, neben Geimpften und Genesenen nur noch Menschen mit einem negativen PCR-Test (maximal 48 Stunden alt) Zugang zu gewähren. Ausnahmen gibt es für Schüler, die bis zu dreimal wöchentlich in den Schulen getestet werden: Da reicht die Vorlage des Schülerausweises. Kinder, die noch keine zwölf Jahre alt sind, brauchen keinen Test. Zu den Erleichterungen bei 3Gplus zählt der Wegfall der Maskenpflicht.
  • 2G (geimpft, genesen): Zugang haben ausschließlich Geimpfte und Genesene. Dann gelten die gleichen Erleichterungen wie bei 3Gplus (keine Masken).
  • Während 3G verpflichtend sein kann (etwa ab einer Inzidenz von 35), können sowohl 3Gplus (außer für Discos und Clubs, für die in Bayern 3Gplus verpflichtend ist) als auch 2G von Veranstaltern beziehungsweise Gastronomen freiwillig eingeführt werden.
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