01.10.2020 - 15:38 Uhr
AmbergOberpfalz

Ambergs Problem-Straßen behalten ihre Namen

Soll der Amberger Hindenburgplatz künftig anders heißen? Oder wäre es besser, auf die Rolle des damaligen Reichspräsidenten um den Aufstieg Adolf Hitlers hinzuweisen? Der Stadtrat entscheidet jetzt in Sachen strittiger Straßennamen.

Wahrscheinlich benannte der Stadtrat 1981 die Graf-Luckner-Straße unter dem Eindruck der damals sehr populären Fernsehserie über den Seehelden aus dem Ersten Weltkrieg. Heute ist der Name etwas in Verruf geraten, umbenannt wird die Straße aber nicht.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Angestoßen hatte die Diskussion vor einigen Monaten die Amberger SPD mit der Forderung, den Hindenburgplatz in Josephine-Rupprecht-Platz umzubenennen. Auf der einen Seite ein Reichspräsident, der Adolf Hitler zum Kanzler gemacht hat, auf der anderen eine Stadträtin, die zwischen 1929 und 1971 für die SPD im Stadtparlament saß - ausgenommen die Jahre 1933 bis 1945 natürlich. Nächster Schritt war es, einmal die Amberger Straßennamen auf "problematische" hin abzuklopfen, belastet durch Nationalsozialismus oder Kolonismus.

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Der Ferienausschuss hatte der Verwaltung dann den Auftrag gegeben, ein Konzept zu erarbeiten, wie mit politisch bedenklichen Straßennamen in der Stadt umzugehen sei. Die Verwaltung machte nun den Vorschlag, diese Straßen generell nicht umzubenennen, sondern sie mit einer Zusatzinfo, einer Tafel und/oder einem QR-Code, zu versehen, um detaillierte Hinweise über die entsprechende Person geben zu können. Das fanden die Stadträte am Montag auch grundsätzlich sehr positiv, allerdings "schmeckte" der Liste Amberg der generelle Verzicht auf Umbenennung nicht.

In ganz krassen Fällen, so Rudolf Scharl, müsse eine Straße trotzdem einen anderen Namen bekommen können. Scharl schwebt konkret die Praxis anderer Kommunen vor. Zwar werden die Straßen seiner Kenntnis nach dort umbenannt, das alte und neue Straßenschild bleiben aber über einen Zeitraum von rund zehn Jahren gleichberechtigt nebeneinander hängen. Erst danach wird das alte Schild entfernt. "So hat jeder Gelegenheit, den neuen Namen bei Verwandten, Freunden oder Geschäftspartnern bekannt zu machen", sagte Rudolf Scharl mit dem Hinweis auf eine moralische Verpflichtung, "solche" Namen aus dem Straßenbild zu entfernen.

Das genau will beispielsweise Florian Fuchs (SPD) nicht. "Ich halte von der derzeitigen Bilderstürmer-Mentalität wenig", sagte er. Gehe man bei den Persönlichkeiten der Straßennamen um 200 bis 300 Jahre zurück, werde man bei jedem schwarze Flecken auf der Weste finden. "Letztendlich ist das doch nur ein Stück weit unsere derzeitige Empörungskultur", erteilte Fuchs möglichen Umbenennungen eine Absage und plädierte für die Aufklärung zu den einzelnen Persönlichkeiten. "Es besteht eine moralische Verpflichtung, aus der Geschichte zu lernen und nicht, Geschichte zu negieren", ergänzte CSU-Fraktionsvorsitzender Matthias Schöberl.

Die Amberger SPD hat die Diskussion angestoßen

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Letztendlich hängte sich die Diskussion am Begriff "generell" auf. Gibt es damit "grundsätzlich" keine Umbenennung mehr? Das schließe eine solche nicht abschließend aus, argumentierte Klaus Mrasek. "Grundsätzlich darf nicht ausschließlich sein", merkte Tanja Dandorfer (Amberger Bunt) an. Mit den vier Gegenstimmen der Liste Amberg nahm der Stadtrat schließlich den Vorschlag der Verwaltung an. Übrigens: Einen Hinweis am Hindenburgplatz wird es wohl mangels Existenz eines Straßenschilds nicht geben. Zumal kaum ein Amberger weiß, wo dieser Hindenburgplatz überhaupt zu finden ist.

Auch die Sven-Hedin-Straße gehört zu den "problematischen" im Stadtgebiet.
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