07.08.2020 - 19:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger SPD will Hindenburgplatz umbenennen

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In vielen Städten gibt es (noch immer) Straßen und Plätze, die nach Paul von Hindenburg, Reichspräsident in der Weimarer Republik, benannt sind. Muss man sie umbenennen, weil er Adolf Hitler den Weg an die Macht ebnete? Ambergs SPD sagt ja.

Dieter Weiß und die Amberger SPD sähen es gern, wenn der Hindenburgplatz in Amberg in Josefine-Rupprecht-Platz umbenannt würde. "Weg vom Antidemokraten zu einer Frau, die entscheidend die Demokratie in Amberg aufgebaut hat."
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia gibt es gar einen ganzen Artikel mit dem Titel "Liste der Umbenennungen von Hindenburgplätzen". Von Berlin über Nürnberg, München, Stuttgart bis Lübeck und Innsbruck haben sich die Stadtverwaltungen eines Tages entschieden, sich einen neuen Namen für ihren Hindenburgplatz zu überlegen. In München wurde er etwa zum Platz der Freiheit, in Nürnberg zum Rathenauplatz, in Berlin zum Platz des 18. März.

Eine Umbenennung - das fordert auch die Amberger SPD. Auch wenn aktuell kein Schild die Fläche gegenüber dem Wingershofer Tor als Hindenburgplatz ausweist: "Die Wertschätzung für eine Person durch eine Stadt zeigt sich vor allem bei der Namensgebung ihrer Straßen, Plätze und Wege", sagt Dieter Weiß, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Stadtverbands. "Wir sind der Meinung, dass Paul von Hindenburg keine Vorbildfunktion für eine lebendige Demokratie besitzt."

Hindenburg übersteht Entnazifizierung

In einigen Lebensabschnitten hätte der ehemalige Reichspräsident in der Weimarer Republik "sogar seine Verachtung für das demokratische System gezeigt". Die SPD kritisiert: "Paul von Hindenburg nutzte seine weitreichenden Kompetenzen, um das System zu schwächen." Nicht zuletzt habe er mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler 1933 eine Partei an die Macht gebracht, die nie einen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber dem demokratischen System gemacht hat. "Die Partei hat letztlich Terror auf die Straßen und Plätze der Republik gebracht." Paul von Hindenburg ebnete den Weg in das "Dritte Reich". Laut Weiß braucht es daher eine offizielle Umbenennung des Platzes. "Das wäre ein deutliches Zeichen gegen Rechts, Antisemitismus und gegen Rassismus."

Im März 1933 wurde unter anderem Paul von Hindenburg vom Amberger Stadtrat zum Ehrenbürger ernannt. 1946 korrigierte man in Teilen die fleißige Verteilung von Ehrenbürgerwürden an Nazibonzen. "Einzig der Hindenburgplatz überstand die Entnazifizierung", hat Weiß herausgefunden. Offiziell geführt als Ehrenbürger wurde Hindenburg aber freilich nicht mehr.

Viel lieber wäre es Weiß und seiner SPD, wenn man den einst schönsten Platz Ambergs nach Josefine Rupprecht benennen würde. "Den Antidemokraten ersetzen mit einer Frau, die entscheidend am Aufbau der Demokratie in Amberg beteilt gewesen ist." Weiß hat von ihrer Biografie bei einer historischen Recherche erfahren. "Sie ist Rekordstadträtin." Vor dem Dritten Reich und danach war sie in dem gewählten Gremium vertreten.

Amberger Bunt ist dabei

Mit im Boot für die Idee ist die Gruppierung Amberger Bunt. Laut ihrem Sprecher Michael Sandner ist die Bezeichnung Hindenburgplatz "nicht akzeptabel". Auch wenn er zu bedenken gibt, dass die wenigsten den Hindenburgplatz als solchen wirklich kennen. Er ist keine Adresse, lediglich im Kataster fixiert und kursiert umgangssprachlich auch als "Platz am Wingershofer Tor". "Da braucht es trotzdem einen offiziellen Schritt", fordert auch seine Gruppierung. "Vorsichtig formuliert, ist die Person Hindenburg schon sehr belastet." Gerade im Moment sei es notwendig, sehr sensibel mit Themen dieser Art umzugehen. "Mittlerweile haben wir doch einiges dazugelernt."

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Man solle nun zudem überprüfen, ob weitere Personen mit Straßen- oder Platznamen in Amberg geehrt würden, die es aus heutiger Sicht nicht verdient hätten. Sandner zählt hier auch den Lüderitzplatz dazu. Adolf Lüderitz war ein Kaufmann in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika (Namibia). Nach heutigem Wissen gilt auch er in der Wissenschaft als nicht unbelastet. Einige Städte in Deutschland denken daher darüber nach, auch diese Straßenbezeichnungen zu tilgen.

Der SPD liegt zudem die Wernher-von-Braun-Straße schwer im Magen. Der Raketenwissenschaftler hatte zur Entwicklung der V2-Rakete KZ-Häftlinge für sich arbeiten lassen. "Im Moment stellen wir diese Forderung auf Umbenennung aber nicht", sagt Weiß.

Der Sozialdemokrat möchte nun in der Fraktion über die Causa Hindenburgplatz diskutieren. "Dann bringt die SPD möglicherweise einen Antrag in den Stadtrat ein."

AZ-Redakteur Markus Müller hält die Forderung der Amberger SPD für gerechtfertigt

Amberg
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Kommentare

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David Bolgiano

Sehr geehrter Herausgeber:
In Bezug auf Herrn Weiss, der den Namen Hindenburgplatzen ändern möchte, kann ich nur Folgendes feststellen. "Die Zeitung kündigte an, dass die Mission der Roten Garde darin bestand, das Land von den" Vier Alten "zu befreien: alte Kultur, alte Bräuche, alte Gewohnheiten und alte Denkweisen. Es gab keine klare Definition von „alt“. es wurde den Roten Garden überlassen, zu entscheiden. Zunächst haben sie die Straßennamen geändert. “ Nien Chengs Klassiker "Leben und Tod in Shanghai". Ihr Bericht aus erster Hand über die Irrtümer und Schrecken der chinesischen Kulturrevolution Mitte der 1960er Jahre bestätigt, dass die heutige Abbruchkultur weder rational noch lobenswert ist.
Mit freundlichen Grüßen,
David Bolgiano
Amberg

08.08.2020