09.11.2020 - 22:03 Uhr
AmbergOberpfalz

Ambergs Weihnachtsbaum kommt auf Umwegen zum Marktplatz

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2,6 Tonnen schwer, 18 Meter hoch: Bis ein Christbaum dieser Größe aufgestellt ist, dauert es. Und es braucht einen Kran, einen Laster, rund 20 Leute und eine Motorsäge. Jetzt steht die Blaufichte auf dem Amberger Marktplatz.

Der Weihnachtsbaum für den Amberger Marktplatz kommt heuer aus einem privaten Garten an der Regensburger Straße.
von Heike Unger Kontakt Profil

Der Weihnachtsbaum für den Amberger Marktplatz stammt heuer aus einem Garten an der Regensburger Straße. Das macht die Sache ein bisschen aufwendig: Auf einer der Amberger Haupteinfallsstraßen herrscht morgens dichter Verkehr. Und wenn der stattliche Baum am Kran hängt, darf keiner mehr durch. Dann sperrt die Polizei diesen Teil der Regensburger Straße und leitet die Fahrzeuge über den Mosacherweg um. Aber so weit ist es noch nicht. Erst einmal laufen im Garten die Vorbereitungen. Immerhin ist der Baum dort leicht zugänglich und nur rund 30 Meter von der Straße weg. Am Tag darauf, wenn der zweite Stadt-Weihnachtsbaum, der für den Malteserplatz, abgeholt wird, ist das das größere Problem: Hier steht der Baum so weit weg von der Straße, dass ein besonders großer Kran benötigt wird, dessen Ausleger sehr weit ausholen und den Baum dabei über zwei Gärten heben kann.

Montagmorgen, 7 Uhr, es ist neblig und kalt. Matthias Kick zieht trotzdem die Jacke aus und sein Gurtzeug an, mit dem er sich sichert, wenn er den Baum hoch klettert, um ihn am Kranhaken zu fixieren. Der Forstwirt und Baumkletterer aus Schnaittenbach wird die Blaufichte später fällen. Wobei: Fallen, wie bei Waldarbeiten, wird sie nicht, das geht in einem Garten in der Stadt nicht. Der Baum wird mit Gurten und Ketten an einen Autokran angehängt, damit man ihn, wenn Kick ihn abgesägt hat, gleich verladen kann. Die lange Auszieh-Leiter so an den Baum zu lehnen, dass Kick hochklettern kann, ist gar nicht so einfach: Äste sind im Weg, sollen aber auch nicht abbrechen, damit der Baum seine gleichmäßige Form behält. Schließlich ist er genau deshalb ausgesucht worden, Ambergs Weihnachtsbaum zu werden.

Dieser Baum darf nicht fallen

Der Autokran ist ein bisschen zu früh dran am Montagmorgen. Er muss nochmal wegfahren, erst muss der Berufs- und der Schulbusverkehr durch. Im Garten ist inzwischen alles vorbereitet. Matthias Kick hat die unteren Äste abgesägt. Das ist ein bisschen wie daheim im Wohnzimmer, nur eben in XXL: Die unteren Zweige müssen weg, damit der Stamm in den Christbaumständer passt. Letzterer ist in diesem Fall eine Vierkantverschalung aus Beton, die dauerhaft im Marktplatz eingebaut ist. Thomas Penzkofer, der Baumexperte vom Stadtplanungsamt, hat rote Farb-Markierungen unten um den Baumstamm gesprüht: Sie zeigen Matthias Kick, wo er die Säge ansetzen muss und wie er den Stamm unten zuschneiden muss, damit er später genau ins Loch auf dem Marktplatz passt.

So bekommt Amberg seine Weihnachtsbäume

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Ein spezieller Schwertransport

Jetzt darf auch der Kran ran. Die Polizei leitet den Verkehr um. Ein paar Passanten scharen sich trotz der Kälte gegenüber auf dem Bürgersteig, einige zücken die Handykameras. Der Baum ist mit dicken Gurten am Kranhaken gesicherte, jetzt kann Kick sägen. Wenig später schwebt die Blaufichte Richtung Regensburger Straße, der Kranführer bugsiert den Koloss auf den Bauhof-Laster. Der hat zusätzlich zu seiner Ladefläche noch zwei Anhänger bekommen, damit der Baum aufgeladen werden kann. Als die Fichte in Position liegt, wird deutlich: Das ist ein spezieller Schwertransport, der Weihnachtsbaum reckt seine Äste weit in die Straße hinein. Deshalb muss der Tross auch einen ordentlichen Umweg fahren.

Kommentar: Ein Lichtblick in schwierigen Zeiten

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Knapp drei Kilometer sind es nur von der Regensburger Straße zum Marktplatz. Doch weil der Transport so breit ist, passt er nicht unter der Bahnbrücke nahe des Kreisverkehrs durch. Deshalb führt die Route stadtauswärts über die AM 30, vorbei an der Leopoldkaserne und Siemens in die Hockermühl- und die Kastler Straße und dann über den Altstadtring in die Bahnhofstraße zum Marktplatz – insgesamt rund sieben Kilometer. Damit er um die Kurven kommt, muss der Transport unterwegs teilweise auf die Gegenspur ausschwenken. Die Polizei hält dann den Verkehr an. Mitarbeiter des Bauhofs fahren im Tross mit: Sie schrauben im Vorbeigehen störende Verkehrsschilder ab, bis der Baum durch ist, und dann wieder an. In der Altstadt richten sie die Blicke nach oben, hier muss der XXL-Baum an Hindernissen wie Laternen, Reklametafeln und Stadtbäumen vorbei, ohne dass diese oder er selbst Schaden nehmen. Fast wäre es ganz ohne abgegangen: Aber kurz vor dem Ziel verdrehen Zweige des Weihnachtsbaums eine Ampel an einem Peitschenmast. Ein Elektriker kümmert sich wenig später schon darum.

Sturmfest verankert

Kurz vor 10.30 Uhr hat der Baum sein Ziel erreicht. Der ganze Marktplatz ist gesperrt, damit keine Passanten gefährdet werden, wenn die schwere Last vom Kran ins Baumloch bugsiert wird. Für den Kranführer kein Problem, und offenbar passen auch die Sägeschnitte am Stamm so gut, dass die Blaufichte in wenigen Minuten eingepasst ist. Jetzt wird er noch mit Keilen und Spreizern sturmfest im Boden verankert. Am Dienstag bekommt er noch die LED-Lichterketten, dann ist aus der Blaufichte ein richtiger Weihnachtsbaum geworden. Und dann kann auch die Winterbeleuchtung in der Altstadt komplettiert werden: Am Freitag werden unter anderem die großen Sterne in der Fußgängerzone aufgehängt. Die hätte der Weihnachtsbaum bei der Durchfahrt sicher vom Himmel geholt.

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